Forschung Spezial – Facebook Teil 3

29 03 2010

Hier das große Finale der dreiteiligen Facebook Forschung. Nachdem im ersten Beitrag allgemeine Daten bzw. das Setup für die Datenerhebung präsentiert wurden und sich der zweite Teil auf die Verwendung von Facebook, die Kommunikation und den Datenschutz spezialisiert hat, widmet sich dieser Post den Nutzungsunterschieden von Männern und Frauen.

Nutzungsort
90% nutzen FB von zu Hause aus, 33% vom Arbeitsplatz, 11% auf der Uni, 22% mobil übers Handy, 7% an öffentlichen Plätzen. Vergleicht man Frauen und Männer, ergibt sich ein großer Unterschied.

Facebook ist bei Männern ein allgegenwärtiges Medium. Während beide Geschlechter bei der Nutzung zu Hause und in Schule/Uni in etwa gleich auf liegen, verwenden Männer das Social Network statistisch sehr signifikant häufiger am Arbeitsplatz, hoch signifikant öfter am Handy und signifikant öfter auf öffentlichen Plätzen.

Vergleicht man die Ergebnisse der mobilen Facebook-Nutzung mit einer aktuellen Studie der TU Dresden, zeigt sich, dass das Verhältnis Frauen/Männer in Deutschland analog ist, jedoch der Anteil der mobilen Internetnutzer in Österreich höher zu sein scheint. In der deutschen Studie nutzen 9,3% aller Handybesitzer das mobile Internet, in Österreich nutzen allein 22% der Befragten Facebook über das Mobiltelefon.

Nutzungsdauer
Facebook wird von Frauen und Männern tagtäglich ähnlich lange genutzt, lediglich in der Nutzungszeit zwischen 1-3 Stunden überwiegt (nicht signifikant) der Frauenanteil. Männer surfen dafür etwas länger im Internet.

Kommunikationsunterschiede
Etwa 33% der Herren und 28% der Damen kommunizieren täglich mit ihren engen FreundInnen aus dem Inland über das Facebook-Netzwerk. Bei FreundInnen im Ausland und der Familie sind sich beide Geschlechter auch sehr ähnlich. Mit eher lockeren Bekannten, Arbeits-/StudienkollegInnen und reinen Online-Bekanntschaften treffen sich signifikant mehr Männer als Frauen im virtuellen Raum.

Statusmeldungen
Auch bei den Statusmeldungen unterscheiden sich Frauen und Männer teilweise deutlich – so schreiben Frauen signifikant mehr über Emotionen und Gefühle, während 40% der Männer dies nie tun. Eineinhalb mal soviele Männer wie Frauen verbreiten neutrale Informationen (wie z.B. Hinweise auf Medienberichte, Veranstaltungen, Hobbys, Sport, …) und politische Themen werden mehr als 3x so häufig “oft” geposted. Beide Unterschiede sind hoch signifikant.

So. Soviel zu meiner kurzen Seminararbeit über Facebook. Männer und Frauen netzwerken anders, ÖsterreichInnen sind überdurchschnittlich lange im Netzwerk aktiv, genutzt werden meist die primären Kommunikationstools und auch andere Soziale Netzwerke finden parallel Verwendung. Es wurde weiters aufgezeigt, dass es enorme Zuwächse in Österreich gegeben hat – 2009 war wohl DAS Facebook-Jahr für uns. Auch international hat sich einiges getan. In den USA würde beispielsweise Google von unserem Lieblingsnetzwerk in den Zugriffszahlen überholt. Twitter wurde zu einem der wichtigsten Medien (nicht nur) für JournalistInnen und auf Youtube werden mittlerweile pro Minute 24h Videomaterial raufgeladen. Vor ca. 5 Jahren gab es all die Netzwerke noch gar nicht. Ein Ausblick ist also schwierig und meine Beiträge hier nur ein kurzer Einblick in den Ist-Stand vom Jahreswechsel 2009/2010. Seitdem haben sich immerhin schon wieder 300.000 neue UserInnen aus Österreich bei Facebook angemeldet – es bleibt also weiterhin spannend für uns KommunikationswissenschaftlerInnen! ;)

In eigener Sache
Ich muss diese Woche mein Thema für die BAKK2-Arbeit einreichen (Einschränkung: “Jugend und Medien”). Ich habe bereits einige gute Ideen dafür, aber wenn mich jemand für kommerzielle Forschung “buchen” will, nehme ich auch gerne Aufträge an! Schreibt mir einfach.

Forschung Spezial ist mit diesem Post nicht beendet! Ich habe noch ein paar Projekte laufen bzw. vor kurzem abgeschlossen. Aber zuerst kommen voraussichtlich ein paar Videointerviews mit internationalen WissenschaftlerInnen, die ich auf der Enable!-Konferenz aufgenommen habe online! Stay tuned – und nicht vergessen, meinen Blog zu abonnieren!





Forschung Spezial – Facebook Teil 2

27 03 2010

Dies hier ist Teil 2 meiner dreiteiligen Facebook-Forschungs Reihe
Forschung Spezial – Facebook Teil 1
Forschung Spezial – Facebook Teil 3

In diesem Teil geht es um die Kommunikation und die Verwendung von Facebook sowie um den Datenschutz. Die Einzelheiten zur Datenerhebung findest du im Teil 1.

Kommunikation

Statusmeldungen werden am öftesten (25,7%) mehrfach pro Woche bis mehrfach pro Monat (23,8%) veröffentlicht. Ein tägliches Statusupdate machen nur 20% der NutzerInnen. Sehr beliebt sind außerdem die Kommentarfunktion und der Chat.

Am wenigsten werden externe Updatefunktionen (wie z.B. via Twitter, Facebook Connect) genutzt.


Facebooks primäre soziale Kommunikationstools werden am öftesten genutzt und würden am stärksten fehlen.

Verwendung

Facebook wird in erster Linie dazu benutzt, private Kontakte zu pflegen, alte aufzufrischen und sich Informationen zu Veranstaltungen udgl. zu holen. Am wenigsten will der User flirten oder spielen. Auch eine gewisse Bindung an das Community-Gefühl, also ein Teil von Facebook zu sein, ist eher nicht gegeben.

Auch wird Facebook als Soziales Netzwerk nicht als unersetzbar angesehen. Dass es keine Alternativen gibt finden nur 2,5% der Befragten – die UserInnen würden dann vermehrt auf persönliche Treffen (57%), SMS (54%), Telefonieren (54%), Email (43%) oder einfach auf ein anderes Social Network (21%) setzen.

Datenschutz

80% haben sich schon mit Datenschutz auf Facebook auseinander gesetzt – 61% ist der Schutz der persönlichen Daten sehr wichtig. Dafür haben jedoch nur 29% die Datenschutzbestimmungen auf Facebook vollständig gelesen.

Der/die durchschnittliche FacebookerIn hat meist Geschlecht und Geburtsdatum für alle sichtbar angegeben, am seltensten werden Telefonnummer oder Kontaktdaten für Instant Messenger/IRC-Programme online gestellt.

Im nächsten Teil gehts um die Nutzungsunterschiede zwischen Männern und Frauen!





Forschung Spezial – Facebook Teil 1

25 03 2010

Ich habe im Rahmen meines Studiums schon einige Forschungsarbeiten hinter mich gebracht und immer wieder ist es schade, wenn aufwändig erhobene Daten nach der Abgabe beim Professor in der Versenkung verschwinden. Daher werde ich ab sofort immer wieder Ergebnisse aus meinen Arbeiten posten.

Beginnen möchte ich mit einer Seminararbeit einer Übung Kommunikationsforschung über die Facebook-Nutzung in Österreich, die sehr interessante Ergebnisse hervorgebracht hat. LV-Leiterin war Fr. Mag Kneidinger, die Daten wurden mithilfe eines Online-Fragebogens, die die Studierenden miteinander erarbeitet haben, erhoben. In der Zeit von 21.12.2009 bis 9.1.2010 füllten ihn 713 österreichische bzw. auch deutsche TeilnehmerInnen gültig aus, das Sample war eine Willkürliche Stichprobe.
Das Durchschnittsalter war 26,8 Jahre, der Median 24. Personen von 15 bis 66 Jahren waren dabei. Das Geschlechterverhältnis war mit 52% männlich, 48% weiblich ziemlich ausgeglichen.

Allgemeines:
Längerfristige Statistiken bezüglich Facebook sind rar gesäht. Facebook gibt lediglich auf einer eigenen Statistik-Seite grob über die aktuellen, internationalen Userdaten Auskunft. 400 Millionen aktive Mitglieder erfährt man dort, 50% davon loggen sich täglich auf Facebook ein. Woanders erfährt man, dass die Userzahlen in den USA im letzten Jahr um 145% gestiegen sind. Österreichspezifisch gibt es via Facebook nur über das Werbetool eine tagesaktuelle Statistik – sehr gut abrufbar über die SM-Agentur Digital Affairs.

Das Wachstum in Österreich

Georg Holzer hat im Jänner 2009 über 300.000 Facebook-User gebloggt, genau ein Jahr später Thomas Hutter über 1,6 Millionen. Beide Tabellen sind aus dem Werbeplanungstool entstanden und sind somit gut miteinander vergleichbar.

Somit lässt sich sagen, dass Facebook in Österreich innerhalb eines Jahres um 536% gewachsen ist. Oder, anders gesagt, um 3560 neue User Pro Tag, also etwa 150 pro Stunde, zweienhalb pro Minute.
Sieht man sich die Daten bei Digital Affairs an, merkt man, dass die Geschlechterverteilung mit 50,33% Frauen und 49,67% Männer sehr ausgeglichen ist und dass Facebook vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr beliebt ist.

Die Ergebnisse der Befragung

Für nur 15,4% ist Facebook das einzige Soziale Netzwerk, welches benutzt wird.
Meist wird das deutsche StudiVZ bzw. dessen Derivate wie MeinVZ oder SchülerVZ. Weiters ist Xing noch gut vertreten – Twitter und Myspace bilden eher ein Schattendasein.

Facebook wurde den meisten von Freunden (73%) empfohlen. Die Mitgliedschaft beim Netzwerk wird interessanter Weise als sehr lange eingeschätzt. So sind laut eigenen Angaben nur 13% der NutzerInnen weniger als 6 Monate bei Facebook, knapp 33% 6 bis 12 Monate und 38% 1-2 Jahre. Mehr als 2 Jahre sind 16% registriert – somit ist die Gruppe, die am höchsten sein sollte mit 13% die niedrigste.

75% nutzen Facebook täglich – dies liegt über dem internationalen Durchschnitt von 50%.

Die Freundeszahl der österreichischen FacebookerInnen hat sich drastisch erhöht. Während im September 2009 noch die Rede von durchschnittlich 70 war, liegt die Anzahl nun deutlich höher. Eine genaue Zahl wurde jedoch leider nicht erhoben.

Im nächsten Teil: Kommunikation, Verwendung von Facebook und Datenschutz





Luca Hammer über #unibrennt

18 12 2009

Ich war wieder für den WIENER bzw. dessen Online-Ableger Wienerpost unterwegs. Diesmal haben wir meinen Uni-Kollegen Luca interviewt.
Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Zitat Max Kossatz), hat Livestream sowie Website für #unibrennt innerhalb eines Tages aufgesetzt bzw. in weiterer Folge immer wieder betreut.
Aufgezeichnet wurde das Interview im Herzen des Protests – Audimax, Presseraum.
Da das externe Micro ausgefallen ist, musste ich das On-Board meiner Kamera nehmen – ein authentischeres Tonerlebnis könnte man es auch betiteln…
Das Interview führte Chefredakteur Helfried Bauer.

Falls Vimeo nicht will –> Video auf Youtube





Ein langer Text zu #unibrennt

9 12 2009

Die beste Bildung passiert abseits des Hauptstudiums, nachdem man endlich verstanden hat, dass man auch selber denken kann.

Als ich zu studieren begonnen habe, lag mein Hauptaugenmerk vor allem darauf, dass ich mein Mindestmaß von 30 ECTS pro Semester schaffen würde, um mein Stipendium nicht zu verlieren bzw. die Aufnahmeprüfungen der Zugangsbeschränkung zur Zufriedenheit meiner Professoren abzulegen. So bestanden die ersten zwei Semester aus purem auswendig lernen von Satzmustern, damit man bei den Multiple Choice Tests den klanglich richtigen Begriff ankreuzen konnte. Ich wurde also geradezu hineingeboren in den Wahnsinn von Leistungsdruck und Effizienz.
Wenigstens ist einiges hängengeblieben. Viele KollegInnen rühmen sich ja damit, besonders konsequent bei allen Massenprüfungen geschummelt zu haben – oder auch besonders gefinkelt die Ergebnisse ihrer BAKK-Arbeit gefälscht zu haben. Schließlich verkürzt dies den Aufwand und somit die Studiendauer und man kann sich möglichst bald Bätschelor oder auch Masta nennen und auf Arbeitssuche gehen.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich mit der Hetzerei etwas entscheidendes vergesse. Die Persönlichkeit zu bilden, eigene Interessen zu verfolgen, das Gelernte kritisch zu hinterfragen.
Es sind die kleinen Lehrveranstaltungen, meist Wahlfächer, mit jungen externen Lektoren, die einen Studenten erst so richtig zum eigenständigen Denken anregen können und aufzeigen, dass auch andere Ansätze und Paradigmen als die der Lehrenden existieren. Es ist schwer, solche Personen zu finden – aber es gibt sie. Und letztendlich waren es solche Fächer, die den Spaß am Studieren, das Interesse neues zu erarbeiten und bisheriges in Frage zu stellen bzw. kritisch zu hinterfragen erst richtig aktiviert haben. Das sind dann Sachen, die einfach wirken müssen und viel Zeit zum verarbeiten brauchen und teilweise dann letztendlich nichtmal in meiner Sammlung absolvierter Prüfungen aufscheinen.

Ich denke, man muss nur mal aus seiner stoischen Haltung, indoktriniert vom Bologna-System erwachen um auch wirklich für sich selbst zu studieren und nicht nur für den Arbeitsmarkt. Durch die letzte Verschärfung im Studienplan muss man sich halt eine andere Möglichkeit einfallen lassen, das zu tun – denn “Wahlfächer” sind ab sofort fix vorgeschrieben.

Die Besetzung des Audimax hat garantiert Ähnliches bewirkt. Sie hat aufgerüttelt. Polarisiert. Zum Denken angeregt.
Seit etwa 50 Tagen sind nun international über 80 Unis besetzt. Wir konnten ein Zeichen setzten. Es wurde und wird qualitativ höchstwertig diskutiert und zwar auf gleicher Augenhöhe.
Es gibt Vorträge und Wortmeldungen, die einem zu Tränen rühren, weil ausgesprochen wird, was falsch läuft auf dieser Welt. Ja – es geht uns nicht nur ums Bildungssystem, das haben wir schon zuhauf durchdiskutiert. Es geht um Aufklärung, Toleranz, Information, Politik. Die Bewegung ist für mich zu diesem oben genannten Lektor geworden, der mir Denkanstöße gibt und mich zum Beispiel darüber aufklärt, wieso so viele Menschen wie nie zuvor, eine Milliarde, hungern müssen, obwohl wir problemlos zwei Mal den gesamten Planeten ernähren könnten. Wieso Lebensmittelverpackungen noch immer aus giftigen Material hergestellt werden, dass immer mehr Menschen unfruchtbar macht. Wieso die 90% der Menschen, die sich um 20% des Geldes streiten müssen von den 10%, die die restlichen 80% besitzen gegeneinander aufgehetzt werden. Wieso Minderheiten gezielt diskriminiert werden.
DAS IST Bildung. Besser kann man das Audimax gar nicht nutzen. Ein Ort des Lernens und der Kultur, die heute für Studenten unleistbar geworden ist. Das ist wie 10 Vorlesungen am Tag, die noch dazu interessant sind und meist auch von internationalen ExpertInnen vorgetragen werden.

Leider ist die Energie vom Anfang nun nicht mehr so sichtbar wie sie es sein sollte. Die Hinhaltetaktik der Politik und des Rektorats samt den stetigen Versuchen, die StudentInnen in der Öffentlichkeit schlecht auszusehen lassen zeigen an der Oberfläche Wirkung. Im Kern hat sich nichts geändert. Die Studierenden sind immer noch unzufrieden. Sie arbeiten weiter – dezentral in Arbeitsgruppen. Organisieren Veranstaltungen oder Flashmobs, machen Öffentlichkeitsarbeit.
Doch der beste Kommunikationswille von unserer Seite reicht einfach nicht aus um gegen Hass und Vorurteile anzukommen. Das beste Argument, die schlüssigste Diskussion kann mit einer schwachsinnigen Meldung eines potentiellen Gesprächspartners, zumindest aus seiner Sicht, vom Tisch gewischt werden.
Ich hab zwar großes Vertrauen in meine Mitbürger, aber manche Einstellungen oder auch Statistiken machen es mir sehr schwer, selbige als mündig anzusehen.
Die Leute wollen nicht denken, nein, viele wünschen sich sogar einen starken Führer, der ihnen sagt, was sie denken und tun sollen, jemanden, der sie von all dem Abschaum befreit, der nicht so aussieht oder so denkt wie man selber.
Halb Österreich liest (meist exklusiv) die Kronenzeitung, die wohl das beliebteste Forschungsobjekt in meiner Studienrichtung ist und ich kann mit unzähligen Studien im Hintergrund signifikant behaupten, dass dieses Blatt hoch manipulativ ist und weit entfernt von Wahrheit und Objektivität schreibt. Das wissen auch die meisten ihrer Leser. Aber “das Format ist halt so praktisch”.

Ich rede in letzter Zeit immer wieder Leute an und frage sie, was sie von den Studierendenprotesten halten. Dabei erfahre ich oft, dass der Bewegung wenig Verständnis entgegengebracht wird. Man soll nicht nur Partys feiern, sondern endlich einmal Forderungen ausarbeiten.
Man soll die Sandler rausschmeißen. Man soll die Deutschen nicht bei uns studieren lassen.

Fazit: Wenns einem selbst nicht betrifft, orientiert man sich an einer möglichst negativen Information, die man in irgendeinem Boulevardblatt aufgeschnappt hat und mischts ein bisschen mit Fremdenhass und Beleidigungen.

Und darauf vertraut auch die Politik. Auf Desinteresse und stereotyper Weltsicht. Wenn eine Partei fast durchgehend Minister hat, die in ihrem Ressort Totalversager sind, muss man die Schuld auf andere schieben. Möglichst auf welche, die in der Minderzahl sind und sich deshalb demokratisch nicht wehren können. Böse Ausländer die unsre Jobs klauen und Häuser aufbrechen, Alleinerzieher die sich in der sozialen Hängematte ausruhen, Lehrer die eh nur Urlaub haben, Muslime die aus Minaretten Raketen auf Christen abschießen, Studenten die 10 Jahre auf Kosten des Steuerzahlers Party machen und dann einen Titel geschenkt bekommen.
Scheiße bauen, Minderheiten in die Schuhe schieben, die Konzerne und Hauptwählergruppen mit ein paar Milliarden zufrieden stellen und bei der nächsten Wahl sehen die Ergebnisse wieder gleich aus.

Ich habe mir auch die Facebook-Gruppe “Studieren statt blockieren” angesehen. Die müssen ja äußerst zufrieden sein mit dem derzeitigen Bildungssystem. Habe ein paar Seiten durchgelesen und gemerkt, dass weder Argumente, noch ernsthafte Diskussionen zu finden sind. Die Wortmeldungen bestehen aus Hass, Missgunst und diebischer Freude, wenn jemand einen Bericht einer gewaltsamen Uniräumung oder ein Foto von einem Sandler postet. Aber anscheindend sehen sich dort alle im Recht und sind ebenso auf ihre Meinung eingefahren, dass sie durch einen Diskurs nicht umzustimmen sind.
Aber ich gehe gerne auf ein paar Punkte ein…

Natürlich ist das Audimax nun leerer als Anfangs. Schließlich läuft ja nun die Infrastruktur und die Studenten sind vernetzt. Man braucht nicht alles nochmal durchzudiskutieren. Die Forderungen sind fertig, man braucht kein 24h-Marathonplenum mehr. Wer weiß, vielleicht braucht man bis zu den nächsten Verhandlungen auch gar nicht mehr ständig das Audimax. Vielleicht sollte man nach einem großen Abschlussplenum den Forderungskatalog hinterlassen und nächstes Semester frisch und erholt wieder einziehen, sollte sich nichts geändert haben.

Natürlich sind Obdachlose im Audimax. Es ist ein besetztes Gebäude, wo niemand ausgeschlossen wird. Vor allem nicht die Schwächsten der Schwächsten. In den meisten Notschlafstellen werden nur Österreichische Staatsbürger aufgenommen, falls überhaupt Platz ist. 500 obdachlose EU-Bürger müssen in Wien ohne öffentliche Schlafstelle durch den Winter kommen. Mir ists lieber, ein Abgewiesener kommt ins Audimax, anstatt auf der Straße zu erfrieren. Das sind Menschen.
Wir nehmen uns Problemen an und ignorieren sie nicht.

Natürlich werden Unis geräumt. Nach 5 Wochen Bedenkzeit hat die ÖVP auch mal mitbekommen, dass ein Problem an den Unis herrscht – und hat promt reagiert. Mit einer Aussendung, dass der Rektor umgehend das Gebäude gewaltsam räumen lassen soll. Tolle Bildungspolitik, oder? (Ok, Mr. Öh-Wahl/CERN Bildungsminister Hahn hats auch etwas vorher mitbekommen und die Studenten ein halbes Jahr mit Empfehlungs-Arbeitsgruppen beschäftigt, damit er sich in Ruhe nach Brüssel absetzten kann). Ich rechne Rektor Winckler aber hoch an, dass er auf den Dialog setzt. Die eine oder andere Partei mag wohl glauben, dass sich mit Polizeibrutalität Probleme lösen ließen, an der Uni wird aber glücklicherweise immer noch lieber das Gehirn anstatt die Faust eingesetzt.

Natürlich kostet die Besetzung Geld. Schließlich muss es ja etwas wehtun, etwas jucken, damit überhaupt gekratzt wird. Seit Jahren wird von der ÖH der Dialog mit der Politik gesucht und dabei bestenfalls ignoriert bzw. in ihren Rechten weiter eingeschränkt. Die Besetzung war tatsächlich das letzte Mittel um auf sich aufmerksam zu machen – und es hat funktioniert. Ein Bildungsdialog ist auch tatsächlich entstanden. Überall… nur halt beim Bildungsministerium nicht. Aber das bekommen wir auch noch hin.
Vielleicht kostets ein paar Hunderttausender, wenn die Vorlesungen nun in einem anderen Gebäude (welches übrigens auch im Bundesbesitz ist) abgehalten werden müssen – aber wenn das wichtigste Gut der modernen Gesellschaft, die Bildung, damit gerettet und verbessert werden kann, ists das allemal wert. Außerdem hat Minister Hahn eh 34 Millionen aus der Portokasse gezaubert – das würde für weitere 3 Jahre Besetzung reichen.
Man darf nicht immer nur im Präsens denken. Was jetzt ein bissl Geld kostet, kann sich in der Zukunft umso mehr auszahlen.

Natürlich wären verschulte, zugangsbeschränkte und teure Studien die schnellste Lösung, Platz an den Universitäten zu schaffen. Aber haben wir nicht gesehen, dass die Studiengebühren in die Sanierung des Staatshaushaltes geflossen sind und die Universitäten nicht sehr viel davon gesehen haben? Sie sogar von Budgetkürzungen betroffen waren? Und erfahren wir nicht gerade, dass verschulte Studienpläne (falls überhaupt) ausschließlich der Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit zugute kommen? Die Persönlichkeitsbildung, die individuelle Spezialisierung nach eigenen Interessen auf der Strecke bleibt? Wieso jammert man über zu geringe Akademikerquoten und schreit dann plötzlich, wenn sich endlich einmal mehr Menschen für ein Studium entscheiden?
Wieso wird Bildung nicht als Chance, sondern als Gefahr gesehen? Österreich als Bildungsland. Das wär doch was, oder? Wieso freut man sich nicht, wenn sich jemand fortbilden will? Wieso kann man nicht Lösungen finden, die über den Horizont von Zugangsbeschränkungen hinausgehen? Man muss halt nachdenken. Tut weh, hilft aber. Dafür werden die Volksvertreter bezahlt.
Wieso kann man Bildung nicht für jede/n wirklich frei zugänglich machen? Es gibt heutzutage so viele technische Möglichkeiten, die man nutzen könnte. Die Studis zeigens vor (Livestream, Wiki, Dezentralisierung, Web 2.0).

Natürlich ist es leicht, ausländischen StudentInnen die Schuld zu geben, dass kein Platz ist. Siehe auch meinen vorigen Punkt. Let it be. Wir sind in der EU, da ist freier Personen und Warenverkehr. Und es sind nur etwa 10% aus dem Ausland. Lasst die Leute bei uns studieren, wenn sie bei uns studieren wollen. Sie kommen freiwillig und bleiben meist auch, zahlen dann wie jede/r andere Steuern und finanzieren wieder die Ausbildung der nächsten Generation. Natürlich sind auch reine NC-Flüchtlinge dabei, aber wie würdest DU handeln, wenn du im eigenen Land nicht studieren dürftest? NC ist das dümmste System zur Aussortierung von Menschen, dass man sich vorstellen kann – da sind sich so ziemlich alle einig. Die Leute die zu uns kommen sind nicht besser oder schlechter als ihre KollegInnen, die einen Studienplatz bekommen haben.

Die Politik fürchtet reinen Bildungstourismus. Ich habe keine Statistiken dazu, aber ich glaube nicht, dass er so ausgeprägt ist wie behauptet wird. Verhindern könnte man den aber vielleicht mit einer neuen Art von Studiengebühren. Eventuell ein virtuelles Konto, dass fix mit der Matrikelnummer verknüpft ist. Inskribiert man in ein Fach, werden automatisch jedes Semester 500 virtuelle Euro abgebucht. Verlässt man am Ende des Studiums das Land fluchtartig, zahlt man die Gebühren auf Raten zurück, bleibt man die nächsten Jahre in Österreich, füllt sich das Konto von Jahr zu Jahr wieder auf, bis man wieder auf null ist.
Wenn ich jetzt keinen massiven Denkfehler habe, ist das sogar eine ganz nette Idee. Auf jeden Fall besser als die des Forschungsrats.

Österreich ist ein bildungsfeindliches Land. Bildung wird einem nicht gegönnt. Immer nur der Aspekt der Wirtschaftlichkeit zählt. Man soll lieber schnell was lernen, damit man arbeiten gehen kann. Geld verdienen. Damit man im großen Zirkus auch endlich mitreden darf.
Nur keiner Randgruppe, keiner Minderheit angehören. Brav sein.
Bei Bildungsfragen wird man nie den Großteil der Bevölkerung hinter sich haben.
Aber Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft, das müssen wir begreifen. Wir brauchen mehr Toleranz, mehr Gleichberechtiung, weniger Angst, weniger Rassismus.
Oder, um es mit den Worten von Ute Bock zu sagen:

Nur mit Bildung kann man erreichen, dass dieser Schwachsinn aufhört





Social Media Marketing

1 12 2009

Ich hab ja nicht genug zu tun mit meinen BAKK-Arbeiten, Recherchen, #unibrennt-Dokus, Exposes, Treatments und anderen Übungen für die Uni (lernen nenne ich erst gar nicht), meinen Gschaftln im Web und in der Fotografie. Also filme/fotografiere ich nun auch für den WIENER bzw. für die neue Webplattform www.wienerpost.at.
Der erste Auftrag führte mich in die Büros von www.knallgrau.at, einer sehr bekannten Agentur für Neue Medien, die schon so ziemlich jede Österreichische Firma mindestens einmal betreut hat.


Der Geschäftsführer, Dieter Rappold, erläuterte uns dann in einem Interview, wie Social Media Marketing für Firmen funktionieren kann und auf was man für einen gelungenen Webauftritt achten muss.
Das Interview führte Kollegin Nicole Kolisch und ist nachzulesen im nächsten WIENER bzw. teilweise online in eins zwei Artikeln.
Oder man genießt einen zehnminütigen Ausschnitt mit den audiovisuellen Mitteln des Web 2.0! In 16:9 und HD.





Die gestreamte Revolution und die Demo

30 10 2009

Also das hat mich schon gewundert. Gestern auf der Demo wurde ich doch glatt aufgefordert, mir eine Einwilligung der Personen zu holen, die ich filme bzw. darauf aufmerksam gemacht, dass “die Leute nicht gefilmt werden wollen”. Ok, es war ein Einzelfall, aber er amüsierte mich. Eine angekündigte, öffentliche Großdemo mit 50.000 Teilnehmern im öffentlichen Raum für eine von der Bevölkerung großteils als positiv bewerteten Sache und ich darf nicht fotografieren und filmen. Also manche Ansichten sind wirklich sehr radikal oder vielleicht hat der liebe Kollege auch an zu vielen “nicht so friedlichen Demos” teilgenommen…

nostream

Diese Texte hängen unter anderen auch im Audimax. Natürlich akzeptiere und respektiere ich die Meinungspluralität bei dieser Bewegung (obwohl sie von einigen Kollegen nicht akzeptiert wird, wenn mal ein Gegner der Besetzungen spricht), aber die Aussage des Plakates ist schlichtweg falsch. Natürlich bin ich ein massiver Gegner von Überwachung, aber bei #unibrennt geht es um eine öffentliche und offene Bewegung, an der jeder (der sich vielleicht so nicht ins Audimax trauen würde) partizipieren soll und kann. Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es positive Rückmeldungen über diese offene Form des Diskurses über eine neue Bildungspolitik. Alles, was derzeit abläuft, haben wir nicht etwa einem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk zu verdanken, der gezielt immer dann anrückt, wenn das Audimax ziemlich leer ist und danach auf der Straße Leute zu Wort kommen lässt, die für Gebühren sind, damit “nicht alles studieren kann” – sondern unseren eigenen Kanälen. Via Facebook, Skype, Studivz, Livestreams (3000 Zuseher!), Twitter, etc… haben wir uns vernetzt und koordiniert und schlussendlich eine der größten Demos Österreichs zustande gebracht – und nein, es waren niemals nur 10.000 Leute. Wers nicht glaubt, kann gerne nachzählen!

Was für eine Veranstaltung! Für die Menge hätten wir 40 Audimaxe’ gebraucht, um alle Teilnehmer unterzubringen. Soviel Energie lag in der Luft, ein wahrer Höhepunkt dieser Bewegung. Am Schluss musste sogar der Ring bis 2:00 Uhr gesperrt bleiben, während Ja Panik! und Luise Pop auf der Spitze der Unirampe die Menge bespielte.
Das alles haben WIR geschafft. Mithilfe nationaler und internationaler Vernetzung mittels neuer Medien.
Sonst hätten nie Medien, Schüler, Studenten, Migranten, Arbeiter, Angestellte, Junge, Alte, Behinderte und Professoren zu uns gefunden, unsere Meinung gehört und sich mit uns solidarisiert.
Was für eine schöne Zeit, in der den Mainstreammedien nicht mehr blind vertraut wird, die uns als partymachende Säufer ohne Plan und Ziel hingestellt haben. Denn wer mal einen Tag den Stream verfolgt hat, wird sehen, wie subjektiv die sogenannten unabhängigen Medien über die Besetzungen der Hörsäle berichtet haben.

Demo

Der vorläufige Höhepunkt des Protestes ist nun erreicht. Nun muss man darauf achten, dass die Netzwerke nicht müde werden und sich von der ständig abwartenden und gesprächsverweigernden Politik nicht demotivieren lassen. Zu viele Meinungen und Richtungen haben sich aufgetan, erste Diskrepanzen kristallisieren sich heraus und die Netzwerke werden durch neue nationale und internationale Besetzungen und Informationsüberschuss stark belastet – ich hoffe, allen wird das höhere Ziel der Bewegung bewusst, helfen mit und lassen sich nicht unterkriegen!
Auch nicht durch Bombendrohungen!





Ein unlöschbarer Flächenbrand. Die #unibrennt!

27 10 2009

Jetzt ist es passiert. Die Studenten der Österreichischen Universitäten hatten endlich genug von den Einschränkungen, schwachsinnigen Anmeldesystemen, Voraussetzungsketten, stetig wachsendem Einfluss der Politik und vielen weiteren Punkten. Die Generation Praktikum, die mutmaßlich lieber schnell ausgebildet, als umfassend gebildet werden will, die angeblich keine Interesse an Politik mehr hat, hat sich vereinigt und, ausgehend von der Besetzung der Akademie der Bildenden Künste, den größten Lehrsaal der Universität, das Audimax besetzt.

Ich erfuhr von der Besetzung zeitgleich via Telefon und Twitter und machte mich so schnell wie möglich auf den Weg – und streamte mein erstes Eintreffen sogar Live, schickte auch gleich, wie viele andere, ein paar Fotos und Videos hinterher (das wars ab jetzt mit Eigenlinks, versprochen ;) ).
Die Onlinemedien sprangen auf und schon bald war das Audimax voller als bei einer Einführungsvorlesung der Publizistik.

Audimaxbesetzung

Am ersten Tag wurden zahlreiche Reden geschwungen und Parolen gebrüllt, am Abend ausgiebig und zivilisiert gefeiert. Die Uni gehörte uns!
Wie immer bei öffentlichen Räumen, die 24h lang zugänglich sind, kam es zu Vorfällen wie mit Permanent Marker getaggte Wände und einem kleinen zerbrochenem Glaselement einer Türe.
Die Schäden wurden am nächsten Tag von der Uni mit 100.000€ beziffert. Den Sachverständiger muss ich mir im Falle des Falles mal ausborgen.

Dementsprechend fiel auch die erste Berichterstattung der konservativen Blätter aus. Ein unorganisierter Haufen macht 24h Party lautete der Tenor (und hält sich teilweise auch bis dato).

Am Ende des ersten Tages hatten mein Content an die 10.000 Views, ich war in großen Onlinemedien verlinkt, Anfragen für Fotos lagen im Email-Postfach und RTL wollte mich (für 50€ :p) als Kameramann engagieren.

Schon am Tag zwei erwuchsen deutlich sichtbare basisdemokratische Strukturen. Die Arbeitsgruppen, die sich schon am Vortag gebildet hatten, nahmen ihre Arbeit auf und präsentierten die Ergebnisse im Plenum. Eine Infrastruktur von Presse bishin zu einer Küche war im Aufbau und am Tage wurde schon mal eifrig demonstriert.

Audimaxtag5

Wer heute, am Tag 6, das Audimax betritt, findet sich in einer eigenen Welt wieder. Es steckt Energie in diesem großen Raum. Es gibt mittlerweile 75 Arbeitsgruppen, die diverseste Dinge in der Gruppe diskutieren, herstellen und präsentieren. Von 7:00 Uhr früh bis 1:00 Uhr morgens gibt es an mehreren Standorten Plenen, Vorträge, Filme und Diskussionen mit internationalen ExpertInnen. Alle sind gleich und jeder darf seine Anliegen vorbringen und mitdiskutieren. Beschlüsse werden ebenso gefasst. Eine kleine Stadt ist entstanden. Jeder ist integriert, kann mithelfen, wird und fühlt sich gebraucht.
Ein Livestream aus dem Audimax (und jetzt auch aus bis dato 4 weiteren Universitäten) versorgt ca. 3000 Personen mit Informationen, die gerade nicht vorort sein können bzw. aufgrund der chronischen Überfüllung einfach nicht mehr in den Raum kommen. Daneben wird simultan in Gebärdensprache übersetzt. Im Hintergrund läuft eine Twitterwall, die es jedem erlaubt zu partizipieren. Eine Website vernetzt alle deutschsprachigen Unis, es gibt ein Wiki, einen Youtube-Kanal und eine Datenbank mit Material. Kurz: in einer knappen Woche wurde signifikant mehr gemacht und aufgebaut, als es die Uni in den letzten Jahren geschafft hatte.
Nun sind wir effizient und vernetzt. Andere Universitäten, Schulen, Parteien, Firmen, Arbeiter, Konzerne, Gruppen, … solidarisieren sich, die Medien, v.a. die für die Mainstreammeinung wichtigen Boulevardmedien, berichten nun neutral bis überaus positiv.
Lt. Robert Misik hängen auch sämtliche Journalisten vor den Livestreams, weil sie einfach nicht glauben können, wie effizient, gemeinsam, fair und organisiert die Bewegung arbeitet.
Hier eine gute Linksammlung zu diesem Thema.
Natürlich gibt es nach wie vor Gruppen, denen die Besetzung gar nicht passt, denen es IMHO aber einfach nur an vorurteilsfreier Selbstreflexion fehlt. Hier ein guter Blogpost dazu.

Wer von der Aufbruchstimmung angesteckt werden will, soll einfach in seine nächstgelegene Uni schauen und sich an einem Plenum oder einem Vortrag beteiligen bzw. sich die On-Demand Streams (zB. diesen oder jenen (ab Minute 5)) ansehen, denn sonst versäumt er/sie das bildungspolitisch wohl wichtigste Ereignis des (mindestens) Jahrzehnts.
StudentInnen, die konstruktiv, natürlich nicht immer ganz Problemlos, an einer Lösung der Bildungsmisere arbeiten und um Anhörung ihrer Probleme bzw. einen konstruktiven Diskurs betteln und auf der anderen Seite eine vollkommen verstörte, diskussionsunwillige und handlungsunfähige Politik, allen voran Dr. Hahn, der ja jetzt gerade ins Exil für unfähige Politiker abgeschoben wird.

Während ich dieses Posting schreibe, werden gerade zahlreiche Hörsäle in ganz Österreich besetzt und die Technische sowie die Versorgungsinfrastruktur dorthin ausgeweitet.
Es wäre also nicht schlecht, demnächst mal Diskussionsbereitschaft zu zeigen – und nicht mit einem gewählten Vertreter (sowas gibt es bei uns nicht), sondern im Plenum. Sachlich, fundiert.
Denn das Monster wächst und ist schon jetzt nicht mehr zu stoppen. Willkommen in der Politik 2.0!





I did it

26 09 2009

Heute hab ich es gewagt, ich bin nun für 8 Lehrveranstaltungen (inkl. Wahlfächer) angemeldet, die restlichen zwei kann ich aufgrund von Überschneidungen leider nicht absolvieren. Aber irgendwie auch gut so, 2 Vorlesungen mehr und ich wäre bei der Anmeldung verhungert, verdurstet und bewusstlos vom Sessel gekracht.

Wieso?

Das lässt sich “kurz” gefasst in einem kleinen Video veranschaulichen, dass ich bei einem Anmeldevorgang aufgenommen habe

Montag früh erfahren wir dann die Ergebnisse unseres Instituts vom Russischen Anmelde-Roulette, aber da zB. bei einer Wahlfach-LV, die ich besuchen möchte schon 4 Tage vor Anmeldeschluss 700 Leute auf 240 Plätze angemeldet sind, wird der Albtraum wohl so schnell kein Ende nehmen.





Frequency Festival 2009

25 08 2009

Man glaubt es kaum, doch ich war auf nem Festival mal ohne 10kg Fotorucksack unterwegs! Kein herumhirschen im Fotograben während der “first three songs, no flash”, unter ständigem Beschuss von Bechern, Crowdsurfern und spuckenden Musikern. Kein herumgegnotze im Pressebereich mit irgendwelchen Bands. Diesmal als “normaler” Besucher – das hatte ich schon seit Jahren nicht. Ganz ablegen konnte ich meine Gewohnheit dann doch nicht und hab mir ein Presseband geholt. Berichtet wurde via Twitter mit dem iPhone, meinem neuen Lieblingsgerät für alle Fälle und Situationen. Meine Livestreams gibts hier auf Qik zum nach-sehen, Fotos u.a. auf meinem TwitPic.

Natürlich hab ich auch einen kleinen Nachbericht für mein Medium verfasst:

Das Frequency Festival verlegte dieses Jahr seinen Standort um 230 Kilometer nach Osten in die Niederösterreichische Landeshauptstadt. Gesundschrumpfen in Zeiten der Wirtschaftskrise? Günstigere Mieten und bessere Infrastruktur? Oder einfach mal dem obligatorischen Salzburger Schnürlregen entgehen, der jedesmal pünktlich zum Festival eintrifft? Funktioniert ein so riesiges Festival, dass auf so viele Locations zerpflückt wird überhaupt?
Ja, das tut es.

10 Tage vor Beginn waren alle Karten restlos ausverkauft, auf ebay wurden daraufhin Tickets um wahnwitzige Preise verscherbelt. Der eine oder andere tauschte sicher auf diese Weise seine Karten gegen eine Woche Urlaub auf einer Ferieninsel.

Auch die Motivation der Besucher war deutlich zu spüren. Bereits am Mittwoch Abend war der Campingplatz so voll, dass viele größere Gruppen keinen Platz mehr fanden oder ihr Zeug ein paar Kilometer bis zu einer freien Stelle schleppen mussten. Die Wege waren bevölkert, das Traisenufer lebte, war in Bewegung und das Wetter schlicht und einfach perfekt, die Stimmung wohl die beste des ganzen Wochenendes, da jeder die Zeit am Platz verbrachte und die Masse nicht auf den Festivalorten verteilt war.

Schon am Vormittag des Tag 1 brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel, was die Besucher scharenweise in die Traisen flüchten lies, die dieses Jahr den idealen Wasserstand für solche Aktionen hatte und zeitweise dachte man tatsächlich, sich an einem bevölkerten Touristenstrand anstatt Mitten in St. Pölten zu befinden.
Die ersten Überlastungen zeichneten sich ab. Securities kamen mit bestimmten Dingen nicht zurecht, konnten sich der Masse der Festivalbesucher nicht durchsetzen. Zäune wurden aufgebrochen, zahlreiche bänderlose Besucher kamen auf den Campingplatz und auch aufs Gelände. Am Eingang zum Campingplatz wurde entweder gar nicht oder zu gut durchsucht, was dann bis zur Abnahme von Nutellagläsern oder Deosticks ging.
Das streng verbotene offene Feuer loderte alle paar Meter aus diversen Grillern. Mit dem Gelände unversierte fanden sich aufgrund nicht vorhandener Beschilderung nicht zurecht und warteten unnötig lange bei Einlässen, Toiletten, Shuttles, Schleusen, obwohl diese ausreichend vorhanden waren.

Musikmäßig war der Donnerstag  eher ein Chill- und Warmup-Tag. Die Auftritte von THE TIN TINGS, ANTI-FLAG und RISE AGAINST waren eher mittelmäßig. Das Publikum schien von der Hitze etwas mitgenommen worden zu sein. In den Pausen schien man alleine auf dem Gelände zu sein, da sich das Publikum am Campingplatz mit Getränken zu versorgen, anstatt am Kerngelände 4€ für ein Bier, 2,50€ für 0,3l Wasser oder 6€ für einen kleinen Snack zu bezahlen, der auf magische Weise von Tag zu Tag teurer wurde.
Allein PETER FOX brillierte an diesem Abend. Mit seiner Trommelarmada, Violinen- und Trompetenbegleitung ergabs einen sehr feinen, funkigen Auftritt.

Am Freitag dann der Zenith. Campingplatz bummvoll, die Traisen ebenfalls. Ein großartiger Tag von Anfang bis Ende. Aber der Reihe nach.
Um der großen Hitze zu entgehen gings erst gegen fünf Uhr aufs Gelände. HEATHER NOVA erwartete uns im Cowboy-Look und sang in der warmen, langsam untergehenden Sonne. Ich könnte mir keinen besseren Opener für diesen Festivaltag vorstellen. Auch die Anlage schien doppelt so klar zu klingen wie am Vortag.
Aus nicht weiter genannten Gründen versäumte ich den Farin Urlaub, war aber bei BLOC PARTY wieder zur Stelle. Die Jungs machen wunderbare Studioalben, die Freude, sie endlich mal Live zu sehen war groß. Zu groß war allerdings die Bühne, die Menschenmenge. Die Power, die Energie ihrer Songs und der Bühnenshow drang nicht bis in die hinteren Reihen vor und die Tontechnik hatte die Mitten komplett versaut. Ein guter Auftritt – mehr aber leider nicht.
Und dann kamen RADIOHEAD.
Die Konzerte der 5 Engländer sind schwer zu fassen, schwer zu verstehen. Ich sah sie damals am Sziget und sie waren reine Pflichtübung; sie halt ansehen, weil sie da waren. Und sie haben mir nicht so recht gefallen.
Anscheinend muss das Set und Setting passen, man muss sich darauf einlassen, vielleicht auch nur mit dem richtigen Menschen dort sein – dann öffnen sich die Augen.
Auf den geschätzten 50 Festivals meiner “Karriere” kann ich mich bei den meisten an eine bestimmte musikalische Situation, einem “Magic Moment”, erinnern, der für Gänsehautschübe sorgte und mir für immer im Gedächtnis bleiben wird. RADIOHEAD besorgte mir gleich mehrere. Den Bühnenausschnitt mit langen Röhren auf eine intime Größe verkleinert, eine unglaubliche Lightshow und ein zur reinen Musik gewordener, ständig mit dem Kopf schaukelnder Thom Yorke. Wunderschön. “Wollten wir nicht noch zur Grace Jones schauen?”. Nein.

RADIOHEAD hinterließ uns einen nie enden wollenden Klangteppich und komplett erleuchtet machte man sich auf den Weg zum Nightpark, dem Afterhourgelände in der ehemaligen Kopalkaserne.
Ich wunderte mich, dass ich mich trotz Konzertende, sozusagen in der Rush Hour, nach ungefähr 3 Minuten in einem Shuttlebus wiederfand und empfand Mitleid mit den Leuten, die sich für den 2,5 km-Marsch auf die Angabe “Nightpark Fußweg 10 Min.” verließen.

Das Militärgelände ist riesig. Man könnte wohl das gesamte Frequency dort abhalten und hätte sogar Ruhe weitgehend vor Anrainerbeschwerden.  Mit dem Ortswechsel wechselten auch die Securities ihre Erscheinung in Richtung Prolo-Club und so kam es, dass getoastete Anzugtypen den Besuchern beibringen wollten, nicht an den Zaun zu pissen.

Das Kerngelände des Nightpark bestand aus einer Art Vierkanthof mit Bars und Videowalls, rundherum die Floors in den ehemaligen Panzergaragen. Auf dem Elektrofloor waren BOOKA SHADE Live zu bewundern. Gut wie immer, solide und fein im Klang, wenn man bedenkt, in einer leeren Lagerhalle zu sein.
Am Urban Artforms Floor herrschte noch nervöses Treiben beim Aufbau für den nächsten Act. CARL COX hatte ich von seinem letzten Besuch nicht als soo toll in Erinnerung, doch als der riesige schwarze Mann mit der Zahnlücke an das Mischpult trat und mit den fetten Bässen des ersten Tracks die Halle erzittern lies und dann auch noch von der Bühne Flammen und andere Pyrotechnikgeschoße emporloderten, flippte die Menge total aus und war bis zum Ende eines der dicksten und progressivsten Technosets, das man in letzter Zeit vernommen hatte, nicht zu bremsen.
Rechtzeitig zu Sonnenaufgang fiel ich ins Zelt und verschlief fast den gesamten nächsten Tag.

Am Samstag kam dann der Regen. Und wir dachten schon, das Frequency wäre diesmal das erste Österreichische Festival auf dems nicht schüttet… Also begann der Tag für mich mit Starkregen und THE SUBWAYS. Am letzten Frequency hatte ich sie aufgrund von 24-stündigem Dauerregen versäumt, da wir unser Zelt evakuieren mussten, im Flex waren sie ausverkauft, aber nun war es doch noch soweit. Wunderbarer Alternative Rock, von den Jungs oben ohne vorgetragen nebst wildem herumgehüpfe einer “stimmgewaltigen” Bassistin.
Da es in den VAZ-Hallen weniger regnete und die wenigsten von deren Existenz wussten, flüchteten wir uns eine weile nach drinnen und lauschten den SCRUBS auf der Open Stage, die für kommende Auftritte wohl noch etwas Bühnenerfahrung sammeln sollten.
Im Angesicht des Gatschfeldes bei der Green Stage verzichteten wir auf Thomas D und sahen uns die bunte, laute und verspielte Show von MIA. an.
MANDO DIAO waren danach viiiel zu langsam und energielos unterwegs, außerdem hatte der Tontechniker die Lautstärke um die Hälfte reduziert. Langweilig!
Es folgten THE PRODIGY. Als ich sie bei ihrem ersten Österreich-Auftritt vor ein paar Jahren erleben durfte, ging ein seit 10 Jahren gehegter Traum in Erfüllung – die endlich mal live zu erleben. Seit dem waren sie 1-2 Mal pro Jahr zu sehen und von der frischen Power ist nicht mehr viel übriggeblieben. Vielleicht lag es an meiner leicht gedrückten Stimmung, da ich es nach unzähligen Festivals ein weiteres Mal geschafft hatte, keine Regentaugliche Kleidung einzupacken und somit frierend und nass in knöcheltiefen Lachen stand – oder die Show ist, ähnlich wie bei PENDULUM am ersten Festivaltag, schon abgelutscht und die Tracks durch unzählige Remixes und zu oftmalige Beschallung auf Partys schon unhörbar geworden. Die vorhin plötzlich so leise gewordene Anlage erledigte den Rest.
Die Entdeckung des Tages machte ich auf der Weekender UK-Stage mit der Australischen Band PIVOT. Wunderbarer experimenteller Electro-Rock mit hohen Spannungsbögen und energetischen Höhenpunkten.
Und das war das Frequency 2009.

St. Pölten als Ort eines Massenfestivals funktioniert – und zwar wunderbar. Obwohl viele kleine und größere Wehwechen bezüglich Organisation, Lärmbelästigung, Sanitäranlagen, Sicherheit und Umgang mit den Besuchern in diversen Foren und Medien überliefert wurden, hatte ich selbst keinerlei Probleme und ein gemütliches, stressfreies Wochenende. Das Debüt des Frequency war also ein voller Erfolg! Lasst es in der Landeshauptstadt – in STP Rock City.








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