Umgezogen

17 05 2010

Liebe BesucherInnen!

Ich habe den Schritt gewagt und auf ein „richtiges“ WordPress-Blog upgegradet.
Sieht nicht recht viel anders aus, hat aber mehr Freiheiten und Spielereien.

Ab sofort gehts hier weiter –> www.nacaseven.com

Vergesst bitte nicht, euren RSS-Reader upzudaten! Hier der neue Link zum Feed.





Wie man zwei Filme dreht

17 04 2010

Die Freitagsrunde, traditionelle Lehrveranstaltung des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, dicht gespickt mit Vortragenden aus Radio, Film und Fernsehen und sich schmückend mit berühmten Absolventen wie Stefan Ruzowitzky, hat mich dieses Semester im Praxisteil vereinnahmt. Stolz kann ich behaupten wohl einer der letzten Kommunikationswissenschaftler zu sein, die sie besuchen darf – eh schon wissen, neue Studienpläne und so.
Ziel des Spiels ist es, nach ausführlichster Schulung in Drehbuch, Regie, Dramaturgie, Schnitt, Kamera, Licht, Ton, Teamwork, Storyboard, etc. zu Semesterende einen Kurzfilm abzugeben. Nicht zu selten wird betont, sich ein leicht verfilmbares Thema auszusuchen, sich am Mainstream zu orientieren, auf keinen Fall mit Kindern zu arbeiten oder gar Nacktszenen oder aufwändige Requisiten einzusetzen – und auf gar keinen Fall zu beginnen, bevor nicht jeder einzelne Schritt der Filmproduktion im Unterricht genaustens durchgegangen wurde.

Mein Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Themen gescheiterte Ehen, häusliche Gewalt, Betrug, Fremdgehen und Kindesmissbrauch filmisch anzusprechen und gesellschaftskritisch zu verarbeiten – mit guten Kulissen, Nacktszenen und mit Kindern. Und habe ich schon erwähnt, dass wir gleich zwei Filme drehen?

Erstes Casting mit einer Armada von 3 Kameras

Natürlich mussten wir da schon früh starten, um alles rechtzeitig organisieren zu können. Nach ein paar Treffen fand auch schon bald das erste Casting statt, Wohnungen, Büros, Häuser, Zimmer wurden als Drehorte angefragt und abfotografiert/-gefilmt und etliche Probedrehs absolviert. Gestern waren wir den ganzen Tag in Wien unterwegs, um Requisitenfotos zu schießen (für Bilder, die in der Wohnung an der Wand hängen), heute ist wieder ein Casting und morgen fahren wir uns Drehorte ansehen. Das ideale Programm also, wenn man gerade einen neuen Job hat bzw. im letzten Unisemester ist und so Kleinigkeiten wie BAKK-Arbeiten schreiben muss. Wir treffen uns also bereits täglich, aber das ist halb so schlimm, wie es sich anhört.
Unser Team hat nämlich was besonderes – es ist stimmig, es funktioniert reibungslos und ich bin echt glücklich, ein Teil davon zu sein. Noch nie konnte ich so gut arbeiten, Ideen einbringen und Dinge diskutieren. Wir sitzen teilweise bis Mitternacht und keinem wird fad dabei. Und ab und zu hören wir uns halt die Kritik vom Lehrer an, dass wir erst in einem Monat zu drehen beginnen sollen und nicht schon nächste Woche, weil wir ja unser Wissen erst durch die LV erlangen müssen, oder auch, dass er uns keine Requisiten vom ORF borgen will, da das unfair anderen gegenüber wäre.

Wenn wir mal einen Tag nicht zusammensitzen, findet die Kollaboration findet über Drop.io, Dropbox, ein eigenes Forum, Email, PMs und übers Handy statt. Die ganzen Testvideos kommen passwortgeschützt auf Vimeo – dieses Vorgehen kann ich nur weiterempfehlen.😉

Ein Requisitenfoto für ein Bild in der Wohnung

Nächste Woche wird der erste Film gedreht – falls noch jemand eine große zweistöckige Wohnung mit Stiegenhaus hat – immer nur her damit! Achja – eine Volksschülerin bräuchten wir für Film#2 auch noch.
Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.





Theater in Österreich

9 04 2010

Ein neuer Interviewmitschnitt für http://www.wienerpost.at. Diesmal haben wir den Kulturstadtrat Wiens, Andreas Pokorny, über den Status quo der österreichischen Theaterlandschaft befragt. Auch Harald Posch, u.a. Schauspieler, Autor sowie Leiter der Garage X, stand uns für eine Wortspende zur Verfügung. Das Interview führte Martin Kröß.





Forschung Spezial – Facebook Teil 3

29 03 2010

Hier das große Finale der dreiteiligen Facebook Forschung. Nachdem im ersten Beitrag allgemeine Daten bzw. das Setup für die Datenerhebung präsentiert wurden und sich der zweite Teil auf die Verwendung von Facebook, die Kommunikation und den Datenschutz spezialisiert hat, widmet sich dieser Post den Nutzungsunterschieden von Männern und Frauen.

Nutzungsort
90% nutzen FB von zu Hause aus, 33% vom Arbeitsplatz, 11% auf der Uni, 22% mobil übers Handy, 7% an öffentlichen Plätzen. Vergleicht man Frauen und Männer, ergibt sich ein großer Unterschied.

Facebook ist bei Männern ein allgegenwärtiges Medium. Während beide Geschlechter bei der Nutzung zu Hause und in Schule/Uni in etwa gleich auf liegen, verwenden Männer das Social Network statistisch sehr signifikant häufiger am Arbeitsplatz, hoch signifikant öfter am Handy und signifikant öfter auf öffentlichen Plätzen.

Vergleicht man die Ergebnisse der mobilen Facebook-Nutzung mit einer aktuellen Studie der TU Dresden, zeigt sich, dass das Verhältnis Frauen/Männer in Deutschland analog ist, jedoch der Anteil der mobilen Internetnutzer in Österreich höher zu sein scheint. In der deutschen Studie nutzen 9,3% aller Handybesitzer das mobile Internet, in Österreich nutzen allein 22% der Befragten Facebook über das Mobiltelefon.

Nutzungsdauer
Facebook wird von Frauen und Männern tagtäglich ähnlich lange genutzt, lediglich in der Nutzungszeit zwischen 1-3 Stunden überwiegt (nicht signifikant) der Frauenanteil. Männer surfen dafür etwas länger im Internet.

Kommunikationsunterschiede
Etwa 33% der Herren und 28% der Damen kommunizieren täglich mit ihren engen FreundInnen aus dem Inland über das Facebook-Netzwerk. Bei FreundInnen im Ausland und der Familie sind sich beide Geschlechter auch sehr ähnlich. Mit eher lockeren Bekannten, Arbeits-/StudienkollegInnen und reinen Online-Bekanntschaften treffen sich signifikant mehr Männer als Frauen im virtuellen Raum.

Statusmeldungen
Auch bei den Statusmeldungen unterscheiden sich Frauen und Männer teilweise deutlich – so schreiben Frauen signifikant mehr über Emotionen und Gefühle, während 40% der Männer dies nie tun. Eineinhalb mal soviele Männer wie Frauen verbreiten neutrale Informationen (wie z.B. Hinweise auf Medienberichte, Veranstaltungen, Hobbys, Sport, …) und politische Themen werden mehr als 3x so häufig „oft“ geposted. Beide Unterschiede sind hoch signifikant.

So. Soviel zu meiner kurzen Seminararbeit über Facebook. Männer und Frauen netzwerken anders, ÖsterreichInnen sind überdurchschnittlich lange im Netzwerk aktiv, genutzt werden meist die primären Kommunikationstools und auch andere Soziale Netzwerke finden parallel Verwendung. Es wurde weiters aufgezeigt, dass es enorme Zuwächse in Österreich gegeben hat – 2009 war wohl DAS Facebook-Jahr für uns. Auch international hat sich einiges getan. In den USA würde beispielsweise Google von unserem Lieblingsnetzwerk in den Zugriffszahlen überholt. Twitter wurde zu einem der wichtigsten Medien (nicht nur) für JournalistInnen und auf Youtube werden mittlerweile pro Minute 24h Videomaterial raufgeladen. Vor ca. 5 Jahren gab es all die Netzwerke noch gar nicht. Ein Ausblick ist also schwierig und meine Beiträge hier nur ein kurzer Einblick in den Ist-Stand vom Jahreswechsel 2009/2010. Seitdem haben sich immerhin schon wieder 300.000 neue UserInnen aus Österreich bei Facebook angemeldet – es bleibt also weiterhin spannend für uns KommunikationswissenschaftlerInnen!😉

In eigener Sache
Ich muss diese Woche mein Thema für die BAKK2-Arbeit einreichen (Einschränkung: „Jugend und Medien“). Ich habe bereits einige gute Ideen dafür, aber wenn mich jemand für kommerzielle Forschung „buchen“ will, nehme ich auch gerne Aufträge an! Schreibt mir einfach.

Forschung Spezial ist mit diesem Post nicht beendet! Ich habe noch ein paar Projekte laufen bzw. vor kurzem abgeschlossen. Aber zuerst kommen voraussichtlich ein paar Videointerviews mit internationalen WissenschaftlerInnen, die ich auf der Enable!-Konferenz aufgenommen habe online! Stay tuned – und nicht vergessen, meinen Blog zu abonnieren!





Forschung Spezial – Facebook Teil 2

27 03 2010

Dies hier ist Teil 2 meiner dreiteiligen Facebook-Forschungs Reihe
Forschung Spezial – Facebook Teil 1
Forschung Spezial – Facebook Teil 3

In diesem Teil geht es um die Kommunikation und die Verwendung von Facebook sowie um den Datenschutz. Die Einzelheiten zur Datenerhebung findest du im Teil 1.

Kommunikation

Statusmeldungen werden am öftesten (25,7%) mehrfach pro Woche bis mehrfach pro Monat (23,8%) veröffentlicht. Ein tägliches Statusupdate machen nur 20% der NutzerInnen. Sehr beliebt sind außerdem die Kommentarfunktion und der Chat.

Am wenigsten werden externe Updatefunktionen (wie z.B. via Twitter, Facebook Connect) genutzt.


Facebooks primäre soziale Kommunikationstools werden am öftesten genutzt und würden am stärksten fehlen.

Verwendung

Facebook wird in erster Linie dazu benutzt, private Kontakte zu pflegen, alte aufzufrischen und sich Informationen zu Veranstaltungen udgl. zu holen. Am wenigsten will der User flirten oder spielen. Auch eine gewisse Bindung an das Community-Gefühl, also ein Teil von Facebook zu sein, ist eher nicht gegeben.

Auch wird Facebook als Soziales Netzwerk nicht als unersetzbar angesehen. Dass es keine Alternativen gibt finden nur 2,5% der Befragten – die UserInnen würden dann vermehrt auf persönliche Treffen (57%), SMS (54%), Telefonieren (54%), Email (43%) oder einfach auf ein anderes Social Network (21%) setzen.

Datenschutz

80% haben sich schon mit Datenschutz auf Facebook auseinander gesetzt – 61% ist der Schutz der persönlichen Daten sehr wichtig. Dafür haben jedoch nur 29% die Datenschutzbestimmungen auf Facebook vollständig gelesen.

Der/die durchschnittliche FacebookerIn hat meist Geschlecht und Geburtsdatum für alle sichtbar angegeben, am seltensten werden Telefonnummer oder Kontaktdaten für Instant Messenger/IRC-Programme online gestellt.

Im nächsten Teil gehts um die Nutzungsunterschiede zwischen Männern und Frauen!





Forschung Spezial – Facebook Teil 1

25 03 2010

Ich habe im Rahmen meines Studiums schon einige Forschungsarbeiten hinter mich gebracht und immer wieder ist es schade, wenn aufwändig erhobene Daten nach der Abgabe beim Professor in der Versenkung verschwinden. Daher werde ich ab sofort immer wieder Ergebnisse aus meinen Arbeiten posten.

Beginnen möchte ich mit einer Seminararbeit einer Übung Kommunikationsforschung über die Facebook-Nutzung in Österreich, die sehr interessante Ergebnisse hervorgebracht hat. LV-Leiterin war Fr. Mag Kneidinger, die Daten wurden mithilfe eines Online-Fragebogens, die die Studierenden miteinander erarbeitet haben, erhoben. In der Zeit von 21.12.2009 bis 9.1.2010 füllten ihn 713 österreichische bzw. auch deutsche TeilnehmerInnen gültig aus, das Sample war eine Willkürliche Stichprobe.
Das Durchschnittsalter war 26,8 Jahre, der Median 24. Personen von 15 bis 66 Jahren waren dabei. Das Geschlechterverhältnis war mit 52% männlich, 48% weiblich ziemlich ausgeglichen.

Allgemeines:
Längerfristige Statistiken bezüglich Facebook sind rar gesäht. Facebook gibt lediglich auf einer eigenen Statistik-Seite grob über die aktuellen, internationalen Userdaten Auskunft. 400 Millionen aktive Mitglieder erfährt man dort, 50% davon loggen sich täglich auf Facebook ein. Woanders erfährt man, dass die Userzahlen in den USA im letzten Jahr um 145% gestiegen sind. Österreichspezifisch gibt es via Facebook nur über das Werbetool eine tagesaktuelle Statistik – sehr gut abrufbar über die SM-Agentur Digital Affairs.

Das Wachstum in Österreich

Georg Holzer hat im Jänner 2009 über 300.000 Facebook-User gebloggt, genau ein Jahr später Thomas Hutter über 1,6 Millionen. Beide Tabellen sind aus dem Werbeplanungstool entstanden und sind somit gut miteinander vergleichbar.

Somit lässt sich sagen, dass Facebook in Österreich innerhalb eines Jahres um 536% gewachsen ist. Oder, anders gesagt, um 3560 neue User Pro Tag, also etwa 150 pro Stunde, zweienhalb pro Minute.
Sieht man sich die Daten bei Digital Affairs an, merkt man, dass die Geschlechterverteilung mit 50,33% Frauen und 49,67% Männer sehr ausgeglichen ist und dass Facebook vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr beliebt ist.

Die Ergebnisse der Befragung

Für nur 15,4% ist Facebook das einzige Soziale Netzwerk, welches benutzt wird.
Meist wird das deutsche StudiVZ bzw. dessen Derivate wie MeinVZ oder SchülerVZ. Weiters ist Xing noch gut vertreten – Twitter und Myspace bilden eher ein Schattendasein.

Facebook wurde den meisten von Freunden (73%) empfohlen. Die Mitgliedschaft beim Netzwerk wird interessanter Weise als sehr lange eingeschätzt. So sind laut eigenen Angaben nur 13% der NutzerInnen weniger als 6 Monate bei Facebook, knapp 33% 6 bis 12 Monate und 38% 1-2 Jahre. Mehr als 2 Jahre sind 16% registriert – somit ist die Gruppe, die am höchsten sein sollte mit 13% die niedrigste.

75% nutzen Facebook täglich – dies liegt über dem internationalen Durchschnitt von 50%.

Die Freundeszahl der österreichischen FacebookerInnen hat sich drastisch erhöht. Während im September 2009 noch die Rede von durchschnittlich 70 war, liegt die Anzahl nun deutlich höher. Eine genaue Zahl wurde jedoch leider nicht erhoben.

Im nächsten Teil: Kommunikation, Verwendung von Facebook und Datenschutz





Halbzeit

1 03 2010

Ich gebe derzeit wie immer kurz zu Semesteranfang Neulingen und vom ständig sich ändernden Studienplan komplett verwirrten KollegInnen Hilfestellungen zum Studium und es ist wirklich bedenklich, wie rasant sich die Bedingungen zum Negativen geändert haben. Studieren war immer eine art Befriedigung eines intrinsischen Bedürfnisses für mich. Mir gehts nicht darum, später mehr Geld zu verdienen oder mich möglichst rasch durchs Studium zu schummeln, sondern um Bildung und ausloten meiner Interessen und Fähigkeiten. Wenn ich meine Pension planen wollte, hätte ich auch Beamter bei der Landesregierung bleiben können.
Ich muss aber sagen – unter den derzeitigen Bedingungen würde ich es mir zweimal, dreimal, viermal überlegen, mich da durchzuwurschteln – denn nichts anderes ist es.

Mittlerweile gibt es für jede einzelne Vorlesung/Übung/Arbeitstechnik eine Voraussetzungskette. „Freie“ Wahlfächer sind so pervers gestaltet, dass praktisch jedes Fach vorgeschrieben wird. Die Uni versucht mit starren Stundenplänen FH zu spielen und scheitert. In einer FH fangen vielleicht 30 Personen mit demselben Studienplan an, am PuKW-Institut 1500, die sich auf 7 Pläne aufteilen. Wer braucht jährlich 220 Leute, die alle exakt dasselbe können? Man darf „alle Wahlfächer belegen, die keinen Spaß machen“, erzählt der Studienprogrammleiter höchstpersönlich bei der Einführungsveranstaltung. Ich wusste nie, was er damit meint, denn mir macht das Studieren Spaß – aber nun ist es wohl traurige Wirklichkeit – man muss nun Fächer studieren, die keinen Spaß machen. Das ganze ist gepaart mit einem Anmeldesystem, dass nicht mehr wie früher nach Geschwindigkeit funktioniert, sondern nach dem Präferenzsystem, d.h. wer mehr als 2 Übungen pro Semester machen will und dafür Punkte vergeben muss, kommt wahrscheinlich in gar keine rein, d.h. Verlangsamung des Studiums. Bei der Prüfung zu Semesterende müssen dann wieder Punkte vergeben werden. Das sind alles Auswirkungen der abgeschafften Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen – und mit etwas „Glück“ haben wir nächstes Semester diese Zustände UND Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

Heute anzufangen hieße für mich, nicht nach meinen Interessen studieren zu können (einer meiner Schwerpunkte, Theater-, Film- und Medienwissenschaft wird zB. gar nicht mehr angeboten) und aufgrund des Anmeldesystems wahrscheinlich das Stipendium zu verlieren.
Ok, aber jeder, der #unibrennt verfolgt hat bzw. selber studiert ist sich darüber im klaren und fragt sich wohl ebenso wie ich, wieso die österreichischen MinisterInnen immer gegen das eigene Ressort arbeiten müssen.

Achja… habt ihr übrigens gewusst, dass man den PuKW-Master mit dem Titel „Magister“ abschließt? Der soll angeblich „aussagekräftiger“ und „besser“ sein. Fakt ist aber, dass der MA international ist und der Mag. der alte, 4-Jährige Abschluss ist. Also ein Jahr länger studieren für den alten Titel. Äußerst motivierend.

Zurück zum Thema. Ich liege außerordentlich gut in der Zeit und werde, sofern ich zu Semesterende keine Prüfung versemmle, im nächsten Wintersemester den Master beginnen. Ich hätte mit diesem Post eigentlich Vorlesungstipps für Studierende geplant gehabt, aber durch die abgeschafften Wahlfächer haben wohl mehrheitlich nur noch Studierende mit dem jeweiligen Hauptstudium etwas davon… bzw. gar niemand – viele sehr kompetente Professoren wurden nämlich von anderen Universitäten abgeworben.
So zum Beispiel Prof. Latzer (jetzt in Zürich), der mir die Medienökonomie näher brachte. Prof. Wirth (jetzt in Essen), ein toller und engagierter Bildungspsychologe. Prof. Zurstiege (jetzt in Tübingen) aus der Medienwirkungsforschung. Prof. Trappel (jetzt Salzburg), unterrichtete äußerst kurzweilig Medienpolitik. Prof. Hartmann (jetzt in Weimar), ein Katalysator für (Quer)denker in der Medienphilosophie.

Von den bis dato an der Uni verbliebenen Lehrenden will ich noch besonders hervorheben:
Prof. Olbrich-Baumann, der wohl so interessant und unterhaltsam wie kein anderer die Sozialpsychologie vermittelt. Wenn eine VO um 8:00 Uhr beginnt und ich habe in 2 Semestern 0 Fehlstunden, sagt dies einiges über die Qualität aus.
Medienpsychologie bei Prof. Vitouch ist sogar eine Pflichtveranstaltung der Publizistik und nur zu empfehlen.
Die „Freitagsrunde“ bei Peter Baminger, wo man alles lernt, was man zum Filmemachen braucht sowie Interessante Gastvortragende (zB. Ruzowitzky, Feuerstein), Diskussionen und Exkursionen erleben kann.
Prof. Krzeszowiak, ein Allroundtalent. Lehrt an mehreren Schulen International gleichzeitig, hat u.a. die Quecksilberdampf-Hochdrucklampe erfunden, riesige Wälzer über Lichttechnik und Mozart geschrieben und peppt die LV gerne mal mit (internationalen) Exkursionen auf.
Dr. Betz hat die für mich bis dato inspirierendste Medienphilosophie-LV gehalten, derer zahlreiche und stundenlange Diskussionen mit Kollegen folgte.
Diese ganzen Vorlesungen hatten keine Anwesenheitspflicht und ich besuchte sie fast ohne Fehlstunden und stets hochmotiviert.

Demotivierend waren bis dato nur die meisten Pflichtveranstaltungen. Tutorien mit sinnlosen Inhalten oder Übungen und Arbeitstechniken, die nichts mit der ursprünglichen Beschreibung zu tun hatten. Zum Beispiel wurde mir vergangenes Semester mein 1er-Notenschnitt von einer Multimediajournalismus-Übung zunichte gemacht. Die Inhalte waren Schlagzeilenanalyse von Tageszeitungen, Exkursion zu einer Tageszeitung, Redaktionssitzung für ein Magazin, Exzerpieren eines Texts über die Reportage und eines Texts über Onlinejournalismus von 2002, das Erfinden von Geschichten zu Pressefotos und der Alltag in der Tageszeitungsgestaltung und -distribution. Wie man also eindeutig sehen kann haben die Herrschaften das „Multimedia-“ geistig mit „Print-“ ersetzt und deswegen eine klare Themenverfehlung unterrichtet. Aber nicht ganz. Ein superhypermoderneR „Blogg“ wurde „programmiert“ und die Studierenden durften Content dafür entwickeln. Vor lauter Freude, doch multimedial arbeiten zu dürfen, drehte ich mit 2 Kollegen innerhalb einer Woche eine #unibrennt-Doku mit etwa 50h Arbeitsaufwand. Hat sich nicht ausgezahlt. Da mein Exzerpt „keine Wissenschaftliche Arbeit“ war, die Geschichte zu meinem Foto „nicht gut genug erfunden“ und ich „insgesamt 4h gefehlt habe“ ist sich eben nur ein 3er ausgegangen. Wenigstens können wir das Blog „bei einer Bewerbung als Referenz vorzeigen“ und vielleicht bei KollegInnen lernen, wie mans besser macht.

Multimedia ist heute schon soviel mehr, als ein Blog mit Standardtemplate aufzusetzen und dann, wie in einem Magazin, Ressorts zu Gestalten, wo je ein Artikel drinnen ist, nur um es dann zu Semesterende verwaisen zu lassen. Es gibt multimediale Inhalte, Tagging, Integration von Social Networks und Verbreitung über selbige, Statistiken lesen und auswerten, verlinken, vernetzen, promoten, einen Namen machen, etablieren… aber ok, den Herrn Multimediajournalismus sagte ja nichtmal „Creative Commons“ etwas…
Aber auch auf das Studium, auf die Studierenden bezogen, ist das ganze „Internet-Zeug“ für viele interessanterweise gar nicht so selbstverständlich. Ich wundere mich immer wieder über die KollegInnen, die trotz Kommunikationswissenschaftsstudium null Interesse an Forschung und Neuen Medien zeigen. Leute, allein mit den Praxisfeldern Print, Werbung und Historische Kommunikationsforschung werdet ihr in der heutigen Arbeitswelt nicht Fuß fassen können. Da sich die gesamte Gesellschaft und Kultur global so massiv wie nie zuvor verändert, muss man als junger Mensch die Medien einfach nutzen können. In 5 Jahren interessiert kein Schwein mehr eine Werbung im Fernsehen oder in einer Zeitung, weil man das dann ganz bequem online konsumieren kann und es wahrscheinlich gar keine Tageszeitung mehr gibt. Kein Medium wird Journalisten aufnehmen, die nicht via Twitter zuverlässig recherchieren können. Keine Firma schreit nach PR-Leuten, die mit Sozialen Netzwerken Farmville und mit Viralem Marketing pharmazeutische Mittel verbinden. Kein modernes Unternehmen stellt mehr Leute ein, die über Google unauffindbar sind.
Wir hatten eine Übung, die sich laut Beschreibung klar und deutlich mit Twitter-Forschung beschäftigte. Wir vier Kollegen (über Social Networks kennengelernt) verabredeten uns über Twitter, sie gemeinsam zu besuchen. In der ersten Stunde sollten wir uns je nach Erfahrung mit Twitter im Raum aufteilen. Wir vier waren die einzigen, die den Dienst regelmäßig verwendeten. Auch jetzt, nach Ende der Übung hat sich diese Zahl nicht wirklich verändert.
Wenn man als Kommunikationswissenschaftler mit aller Gewalt den derzeit schnellsten und wichtigsten Nachrichtendienst nicht nutzen will, soll man dies eben tun. Gut für mich… bzw. für uns.
Weiters hat sich im Laufe des Semesters eine sehr effiziente und gemütliche Lernrunde 2.0 gebildet, die ich sehr schätze. Wir arbeiten kollaborativ mit Google Docs, Google Wave, Twitter, Skype und Dropbox. Funktioniert wunderbar, wenn alle mit der Technik und den Möglichkeiten vertraut sind! So sind schon sehr schöne Stoff- und Mitschriftensammlungen entstanden, die auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben.
Die Nutzung solcher Dienste, die gemeinsames Forschen und Connecten erlauben, werden bei uns auch nicht wirklich unterrichtet. Es werden zwar vermehrt Social Media Erfahrene aufgenommen (anscheinend derzeit mit Grundvoraussetzung Blog- und Twitter-Verwendung), aber die lehren auch immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Der Ausblick
Wie im Titel zu erkennen, 5 Semester vorbei. Ich habe Halbzeit. Theoretisch. Sobald ich den Bachelor fertig habe, werd ich mir mal ein Bildungssemester gönnen, in dem ich nach meinen Interessen forschen kann und nicht nach denen des Studienplans. Ich habe sehr gute Ideen zur Twitter-, Facebook-, Internetforschung und Bildungspsychologie, denen ich zumindest in meiner BAKK1-Arbeit nicht nachgehen konnte, weil sie nicht in das Forschungsfeld (welches nirgends angegeben war) der LV-Leiterin passten – so blieb nur mal wieder die Zeitungswissenschaft und ich habe erforscht, wie die Tageszeitungen über #unibrennt berichtet haben. Endlich durfte ich auch, wie wohl so ziemlich jeder PuKW-Student vor mir, empirisch herausfinden, dass der Boulevard tendenziös und subjektiv berichtet. Hurra.
Die Ergebnisse dieser, sowie einer Facebook und einer Twitter-Forschung werde ich bei Gelegenheit mal bloggen.

Eines werden die zukünftigen Semester auf jeden Fall: teuer. Ich war ja zuerst arbeiten, damit ich nachher vollzeit studieren kann, aber derzeit tendiere ich wieder Richtung Job. Das Gesetz, die Öffis, die Kultureinrichtungen unterscheiden nämlich nicht zwischen Alter und Semester, sondern diskriminieren einfach Studenten, die aus diversen Gründen einfach später ihre Berufung gefunden haben. So zahle ich ab sofort 50€ pro Monat statt pro Semester für die Öffis, 25€ statt 0€ Krankenkassa, durchschnittlich 5€ mehr bei Kunst und Kultur, den „Erwachsenen“-Handytarif – und die Familienbeihilfe ist auch weg (bekomme ich aber durchs Stipendium weiter). So werden aus 100€ pro Monat für Essen und Fortgehen so circa 0€. Meine Eltern sponsern zwar meine Schwester mit unglaublich hohen Beträgen, aber meine Autonomie  widerstrebt sich gegen den Gedanken, sich erhalten zu lassen. Absoluter Notfallplan also. So wies aussieht werfen meine Nebenbei-Gschaftln aber demnächst die fehlenden 100€ ab – also wirds wohl halb so schlimm werden – und für den Notfall, sich die Öffis mal nicht leisten zu können, setze ich gerade einen Schwarzfahrer-Bot auf.

Welchen Master ich nach dem Bachelor mache, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen. Ein Blogpost von Petra Köstinger hat mich dazu inspiriert, auch andere Unis oder FHs Erwägung zu ziehen. Vielleicht auch parallel. Ich nehme gerne Tipps an! Wobei ich mit meinem ausgeprägten Nacht-Chronotyp und Hang zur freien Stundenplangestaltung wohl der ungeeignetste Mensch ever für ein FH-Studium bin…😉
Mir gefällt trotz allem die Hauptuni in Wien. Ich werde ihr wohl treu bleiben.








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