Multimedia-Berufsfelder

15 05 2009

Wie verändert sich der Journalismus? Wie verändert sich die Qualität, wenn immer weniger Journalisten immer mehr leisten müssen. Welche Möglichkeiten bieten technische Konvergenzen? Wieso werden Online-Journalisten nicht nach dem Journalisten-Kollegtivvertrag bezahlt? Wird es in 5 Jahren noch Tageszeitungen geben? Was bringt die Zukunft?

Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir dieses Semester in einer äußerst interessanten Multimedia-Übung am Publizistischen Institut der Uni Wien nach.

Nationale JournalistInnen und internationale ExpertInnen werden derzeit von uns Studenten interviewt. Freut euch auf zahlreiche Podcasts, Videos, Fotos, Email- und Twitterinterviews u.a. mit Robert Misik, Karin Sawetz, Max Kossatz, Armin Wolf, Howard Rheingold oder Ritchie Pettauer.

Die Ergebnisse und weitere Erkenntnisse findet man dann laufend auf unserem gemeinsamen Blog http://multimedia-berufsfelder.blogspot.com und in der dazugehörigen Facebook-Gruppe „Multimedia-Berufsfelder“

Update! Hier das Video vom Ritchie-Interview.





Canon EOS 500D – Erfahrungen mit der neuen Generation

5 05 2009

Update: Ich werde mir demnächst die 550D zulegen und DU darfst dir wünschen, was ich testen soll. Hier gehts zum Beitrag!

Die gute alte Canon 350D. Zahlreiche Festivals haben wir in den Menschenmassen durchgestanden. Oder im Bühnengraben – vorne spuckende Musiker, daneben 100 fotografierende Kollegen und hinten Crowdsurfer, fliegende Getränke, gehetzte Securities.
Unwetter, Regen, Schnee, Hitze. Von Thailand bis New York war sie im Einsatz. Ich habe sie nicht immer gut behandelt, aber sie ist mir immer treu zur Seite gestanden. 78.000 Fotos lang… aber das bleibt unter uns, falls ich sie doch mal zum Verkauf anbiete…

Geplagt hat mich allerdings immer der Fakt, dass man mit einer DSLR keine Videos machen kann, was in bestimmten Situationen extrem ärgerlich sein kann. Sei es ein Backstage-Spontankonzert, ein Opernsänger vorm Pantheon im Rom in einer warmen Sommernacht, ein Saxophonist am nebeligen Empire State Building oder einfach nur eine blöde Aktion auf einem Festivalcampingplatz. Bewegte Bilder können da einfach mehr und der Ton macht die Atmosphäre perfekt.

Dann kam die 5D mit Full HD Video. Der große Aufschrei in der Community. Macht doch einfach jemand aus einer DSLR einen Camcorder, damit man mit Wechselobjektiven qualitativ höchstwertige Filme drehen kann. Wer braucht denn sowas…?
Vincent Laforet schnappte sich einen Prototypen und zeigte uns mit Reverie, was in der Videofunktion steckt. Ich war schon ein paar mal extrem knapp davor, sie zu kaufen, aber der plötzliche Preisanstieg um 200€ vernichtete endgültig den Traum, sich das Teil mit einem Studentengehalt irgendwie leisten zu können.

Seit voriger Woche gibt es nun die 500D und ich bin froh, gewartet zu haben. 5D schön und gut, aber das wäre wirklich nichts für mich gewesen. Erstens hätte ich ein so ein Riesenteil wohl nie irgendwohin mitgenommen, zweitens kommt mir das Vollformat gar nicht so entgegen, da ich ja meist Tele fotografiere und der Cropfaktor die Brennweite mit 1,6 multipliziert.
Drittens müsste ich ein paar Objektive aufgeben, die nur für den EF-S-Mount (auf 1,6 Cropfaktor optimiert) sind, darunter mein geliebtes Sigma 10-20 – und apropos Weitwinkel, der soll ja beim Crop besser sein, da Vollformat eine höhere Randunschärfe aufweist.
Ach ja… viertens ist sie 3x so teuer.

Natürlich habe ich die Kamera nicht nur wegen dem Videomodus gekauft. Technologie gehört einfach alle paar Jahre upgedated, wenn man ein bestimmtes Hobby oft und gerne ausübt. Ein besseres Rauschverhalten und bessere Bildqualität sind nie verkehrt.

350500

Also – gehmas an. 24 Stunden 500D:

Zuerst einmal geht mir ein bisschen der LCD-Display der 350D ab, der die wichtigsten Einstellungen übersichtlich anzeigt. Ich bin Nachtmensch und nur sehr selten am Tag unterwegs bzw. munter und so entstehen die meisten meiner Bilder unter AL (available light) Bedingungen bzw. Indoor. Das riesen 3″ Display der 500D mit 920.000 Pixel ist extrem gut, um Bilder zu beurteilen bzw. manuelle Schärfeeinstellungen zu machen, trotzdem blendet es in der Nacht – aber ich glaube, die Vorteile überwiegen in dieser Hinsicht. Zumindest hat die Kamera nun nicht mehr dieses lästige grelle grüne LED der beiden Vorgängermodelle, welches den Betriebszustand anzeigt.

Haptik
Dazu kann ich nicht wirklich etwas sagen, meine Hand hat sich in den letzten 3 Jahren an meine alte Cam angepasst, die neue liegt jedoch mindestens genauso gut in der Hand.

Auslösegeräusch
Hier wurde endlich etwas geändert. Es klingt jetzt etwas angenehmer und wärmer als bei den Vorgängern.

Sucher
Der Sucher ist größer und heller, die Anzeigen ebenfalls. Mehr Sensoren lassen den Autofokus präziser arbeiten, brauch ich aber so gut wie nie.

Akku, Speicher
Canon hat es natürlich wieder mal geschafft, dass nichts mehr von meinem alten Equipment passt. Meine 5 CF-Karten und die Akkus der 350er sind inkompatibel. Das wird teuer. Zur Akkuleistung kann ich nicht viel sagen, da ich bis dato fast nur gefilmt habe – und schon 2x laden musste.

KIT-Objektiv
Ich verwende grundsätzlich keine KIT-Objektive der Amateurklassenkameras, aber da ich im unteren Brennweitenbereich keine IS-Objektive habe, dachte ich, „give it a try“. Meine Meinung: Das IS ist super, die Bildqualität, zumindest beim Filmen, unter aller Sau. Viele Bildfehler und Chromatische Aberrationen werden bei bewegten Bildern besonders gut sichtbar. Hier gleich mal ein Beispielvideo. Bitte auf „HD“ klicken!

Programme
Neben den üblichen Motivprogrammen ist auch ein Crative-Modus dazugekommen. Dem kann man anweisen, ob ein Bild heller oder dunkler sein soll oder ob der Hintergrund scharf oder verschwommen wirken soll. Meiner Meinung nach ein weiterer Schritt zur Verblödung des Kunden. Es gibt schon genug Hobbyfotografen, die sich eine DSLR kaufen und dann konsequent mit der Automatik-Einstellung fotografieren. Eine Syline der Stadt bzw. den Musiker in 100m Entfernung mit Blitz? Na klar! Den Mond? Sicher – oder geht der Blitz etwa nicht 380.000km weit? Und wieso sind jetzt nur so weiße Flankerl am Bild? Wo bleibt der Spaß an der Fotografie, das Interessante an der Technik, wenn man simpelste physikalische Dinge nicht beachten will?

Bearbeitung der Videodateien
Als Mac-User hat man klar die Nase vorne. Die Videos werden als .mov gespeichert, die sich problemlos ins iMovie oder Final Cut importieren lassen. Die Bearbeitung geht flott, der Export ebenfalls. Leider mag youtube meine Videos nicht, daher muss man sie auf mp4 umkonvertieren, was wieder etwas dauert. Für das Material braucht man übrigens einen neueren Computer. Mein altes Macbook kann wegen der onboard GPU die Dateien leider nur als Ruckelorgie wiedergeben, was die Bearbeitung bzw. Beurteilung sehr interessant bzw. ein bisschen zum Glücksspiel macht.

Filmen
Meine ersten Erfahrungen mit filmen habe ich voriges Semester in einem Arbeitstechnik-Seminar gemacht. Das Ergebnis war RAID, für die ersten Gehversuche gar nicht mal so schlecht, finde ich. Seitdem bin ich vom Film-Virus infisziert. Die Uni-Kameras haben meinen Anforderungen bezüglich Schärfentiefe und Bildqualität nicht genügt, die 500D nun schon. Filmen mach Spaß und geht mit dem großen Monitor überraschend gut. Der Autofokus ist unbrauchbar bei bewegten Objekten – da muss von Hand nachgeregelt werden, was mit ein bisschen Übung ganz gut klappt/klappen wird. Auf Full HD verzichte ich, da flippt mein Mac komplett aus und bei 20 Bildern/Sekunde kann ich mir keinen sanften Bildlauf vorstellen. Bei 720p hat man dann gute 30 Bilder und bringt auch eine halbe Stunde auf eine 4GB SDHC-Karte.
Der Ton wird Mono aufgenommen, es gibt keinen Eingang für ein externes Mikro, keinen Windschutz. Außerdem hört man den IS bzw. Fokus des Objektivs werken. Ich überlege, mir den Zoom H2 zur Soundaufnahme anzuschaffen.
Wichtig ist vor allem auch das Objektiv selbst, welches zur Aufnahme verwendet wird. Die Bildqualität und -wirkung wird dadurch entscheidend beeinflusst.
Hier ein paar Tests mit diversen Linsen:

Auch meinen Retroadapter habe ich ausgepackt und damit das Kitobjektiv als Mikroskop verwendet:

Aber jetztmal genug mit den Tageslichtaufnahmen, die sehen nämlich genauso aus wie bei jedem beliebigen Camcorder der neuen Generation. Die Stärken spielt die Videofunktion der 500D in der Nacht bzw. in Innenräumen aus. Tolle Schärfenspiele, wenig Schwarzpumpen, geile Farbwiedergabe. Zum Schluss für alle Fleißigen, die meinen Senf bis zum Schluss gelesen haben noch ein Zusammenschnitt meiner kleinen Tour gestern. Natürlich hab ich mir einen ruhigen und regnerischen Montag für einen Testlauf ausgesucht und mein Stativ daheim vergessen – die ideale Simulation für eine spontane Filmaufnahme also.
Auf „HD“ klicken nicht vergessen!

Falls sich jemand an meinen Ausführungen stört oder etwas ergänzen will – feel free! In einem Tag kann man einfach nicht alles auf Herz und Nieren testen.

Also – freut euch auf weitere Aufnahmen, ein paar Nachrichtenbeiträge für die Uni und natürlich auf jede Menge Fotos!