Frequency Festival 2009

25 08 2009

Man glaubt es kaum, doch ich war auf nem Festival mal ohne 10kg Fotorucksack unterwegs! Kein herumhirschen im Fotograben während der „first three songs, no flash“, unter ständigem Beschuss von Bechern, Crowdsurfern und spuckenden Musikern. Kein herumgegnotze im Pressebereich mit irgendwelchen Bands. Diesmal als „normaler“ Besucher – das hatte ich schon seit Jahren nicht. Ganz ablegen konnte ich meine Gewohnheit dann doch nicht und hab mir ein Presseband geholt. Berichtet wurde via Twitter mit dem iPhone, meinem neuen Lieblingsgerät für alle Fälle und Situationen. Meine Livestreams gibts hier auf Qik zum nach-sehen, Fotos u.a. auf meinem TwitPic.

Natürlich hab ich auch einen kleinen Nachbericht für mein Medium verfasst:

Das Frequency Festival verlegte dieses Jahr seinen Standort um 230 Kilometer nach Osten in die Niederösterreichische Landeshauptstadt. Gesundschrumpfen in Zeiten der Wirtschaftskrise? Günstigere Mieten und bessere Infrastruktur? Oder einfach mal dem obligatorischen Salzburger Schnürlregen entgehen, der jedesmal pünktlich zum Festival eintrifft? Funktioniert ein so riesiges Festival, dass auf so viele Locations zerpflückt wird überhaupt?
Ja, das tut es.

10 Tage vor Beginn waren alle Karten restlos ausverkauft, auf ebay wurden daraufhin Tickets um wahnwitzige Preise verscherbelt. Der eine oder andere tauschte sicher auf diese Weise seine Karten gegen eine Woche Urlaub auf einer Ferieninsel.

Auch die Motivation der Besucher war deutlich zu spüren. Bereits am Mittwoch Abend war der Campingplatz so voll, dass viele größere Gruppen keinen Platz mehr fanden oder ihr Zeug ein paar Kilometer bis zu einer freien Stelle schleppen mussten. Die Wege waren bevölkert, das Traisenufer lebte, war in Bewegung und das Wetter schlicht und einfach perfekt, die Stimmung wohl die beste des ganzen Wochenendes, da jeder die Zeit am Platz verbrachte und die Masse nicht auf den Festivalorten verteilt war.

Schon am Vormittag des Tag 1 brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel, was die Besucher scharenweise in die Traisen flüchten lies, die dieses Jahr den idealen Wasserstand für solche Aktionen hatte und zeitweise dachte man tatsächlich, sich an einem bevölkerten Touristenstrand anstatt Mitten in St. Pölten zu befinden.
Die ersten Überlastungen zeichneten sich ab. Securities kamen mit bestimmten Dingen nicht zurecht, konnten sich der Masse der Festivalbesucher nicht durchsetzen. Zäune wurden aufgebrochen, zahlreiche bänderlose Besucher kamen auf den Campingplatz und auch aufs Gelände. Am Eingang zum Campingplatz wurde entweder gar nicht oder zu gut durchsucht, was dann bis zur Abnahme von Nutellagläsern oder Deosticks ging.
Das streng verbotene offene Feuer loderte alle paar Meter aus diversen Grillern. Mit dem Gelände unversierte fanden sich aufgrund nicht vorhandener Beschilderung nicht zurecht und warteten unnötig lange bei Einlässen, Toiletten, Shuttles, Schleusen, obwohl diese ausreichend vorhanden waren.

Musikmäßig war der Donnerstag  eher ein Chill- und Warmup-Tag. Die Auftritte von THE TIN TINGS, ANTI-FLAG und RISE AGAINST waren eher mittelmäßig. Das Publikum schien von der Hitze etwas mitgenommen worden zu sein. In den Pausen schien man alleine auf dem Gelände zu sein, da sich das Publikum am Campingplatz mit Getränken zu versorgen, anstatt am Kerngelände 4€ für ein Bier, 2,50€ für 0,3l Wasser oder 6€ für einen kleinen Snack zu bezahlen, der auf magische Weise von Tag zu Tag teurer wurde.
Allein PETER FOX brillierte an diesem Abend. Mit seiner Trommelarmada, Violinen- und Trompetenbegleitung ergabs einen sehr feinen, funkigen Auftritt.

Am Freitag dann der Zenith. Campingplatz bummvoll, die Traisen ebenfalls. Ein großartiger Tag von Anfang bis Ende. Aber der Reihe nach.
Um der großen Hitze zu entgehen gings erst gegen fünf Uhr aufs Gelände. HEATHER NOVA erwartete uns im Cowboy-Look und sang in der warmen, langsam untergehenden Sonne. Ich könnte mir keinen besseren Opener für diesen Festivaltag vorstellen. Auch die Anlage schien doppelt so klar zu klingen wie am Vortag.
Aus nicht weiter genannten Gründen versäumte ich den Farin Urlaub, war aber bei BLOC PARTY wieder zur Stelle. Die Jungs machen wunderbare Studioalben, die Freude, sie endlich mal Live zu sehen war groß. Zu groß war allerdings die Bühne, die Menschenmenge. Die Power, die Energie ihrer Songs und der Bühnenshow drang nicht bis in die hinteren Reihen vor und die Tontechnik hatte die Mitten komplett versaut. Ein guter Auftritt – mehr aber leider nicht.
Und dann kamen RADIOHEAD.
Die Konzerte der 5 Engländer sind schwer zu fassen, schwer zu verstehen. Ich sah sie damals am Sziget und sie waren reine Pflichtübung; sie halt ansehen, weil sie da waren. Und sie haben mir nicht so recht gefallen.
Anscheinend muss das Set und Setting passen, man muss sich darauf einlassen, vielleicht auch nur mit dem richtigen Menschen dort sein – dann öffnen sich die Augen.
Auf den geschätzten 50 Festivals meiner „Karriere“ kann ich mich bei den meisten an eine bestimmte musikalische Situation, einem „Magic Moment“, erinnern, der für Gänsehautschübe sorgte und mir für immer im Gedächtnis bleiben wird. RADIOHEAD besorgte mir gleich mehrere. Den Bühnenausschnitt mit langen Röhren auf eine intime Größe verkleinert, eine unglaubliche Lightshow und ein zur reinen Musik gewordener, ständig mit dem Kopf schaukelnder Thom Yorke. Wunderschön. „Wollten wir nicht noch zur Grace Jones schauen?“. Nein.

RADIOHEAD hinterließ uns einen nie enden wollenden Klangteppich und komplett erleuchtet machte man sich auf den Weg zum Nightpark, dem Afterhourgelände in der ehemaligen Kopalkaserne.
Ich wunderte mich, dass ich mich trotz Konzertende, sozusagen in der Rush Hour, nach ungefähr 3 Minuten in einem Shuttlebus wiederfand und empfand Mitleid mit den Leuten, die sich für den 2,5 km-Marsch auf die Angabe „Nightpark Fußweg 10 Min.“ verließen.

Das Militärgelände ist riesig. Man könnte wohl das gesamte Frequency dort abhalten und hätte sogar Ruhe weitgehend vor Anrainerbeschwerden.  Mit dem Ortswechsel wechselten auch die Securities ihre Erscheinung in Richtung Prolo-Club und so kam es, dass getoastete Anzugtypen den Besuchern beibringen wollten, nicht an den Zaun zu pissen.

Das Kerngelände des Nightpark bestand aus einer Art Vierkanthof mit Bars und Videowalls, rundherum die Floors in den ehemaligen Panzergaragen. Auf dem Elektrofloor waren BOOKA SHADE Live zu bewundern. Gut wie immer, solide und fein im Klang, wenn man bedenkt, in einer leeren Lagerhalle zu sein.
Am Urban Artforms Floor herrschte noch nervöses Treiben beim Aufbau für den nächsten Act. CARL COX hatte ich von seinem letzten Besuch nicht als soo toll in Erinnerung, doch als der riesige schwarze Mann mit der Zahnlücke an das Mischpult trat und mit den fetten Bässen des ersten Tracks die Halle erzittern lies und dann auch noch von der Bühne Flammen und andere Pyrotechnikgeschoße emporloderten, flippte die Menge total aus und war bis zum Ende eines der dicksten und progressivsten Technosets, das man in letzter Zeit vernommen hatte, nicht zu bremsen.
Rechtzeitig zu Sonnenaufgang fiel ich ins Zelt und verschlief fast den gesamten nächsten Tag.

Am Samstag kam dann der Regen. Und wir dachten schon, das Frequency wäre diesmal das erste Österreichische Festival auf dems nicht schüttet… Also begann der Tag für mich mit Starkregen und THE SUBWAYS. Am letzten Frequency hatte ich sie aufgrund von 24-stündigem Dauerregen versäumt, da wir unser Zelt evakuieren mussten, im Flex waren sie ausverkauft, aber nun war es doch noch soweit. Wunderbarer Alternative Rock, von den Jungs oben ohne vorgetragen nebst wildem herumgehüpfe einer „stimmgewaltigen“ Bassistin.
Da es in den VAZ-Hallen weniger regnete und die wenigsten von deren Existenz wussten, flüchteten wir uns eine weile nach drinnen und lauschten den SCRUBS auf der Open Stage, die für kommende Auftritte wohl noch etwas Bühnenerfahrung sammeln sollten.
Im Angesicht des Gatschfeldes bei der Green Stage verzichteten wir auf Thomas D und sahen uns die bunte, laute und verspielte Show von MIA. an.
MANDO DIAO waren danach viiiel zu langsam und energielos unterwegs, außerdem hatte der Tontechniker die Lautstärke um die Hälfte reduziert. Langweilig!
Es folgten THE PRODIGY. Als ich sie bei ihrem ersten Österreich-Auftritt vor ein paar Jahren erleben durfte, ging ein seit 10 Jahren gehegter Traum in Erfüllung – die endlich mal live zu erleben. Seit dem waren sie 1-2 Mal pro Jahr zu sehen und von der frischen Power ist nicht mehr viel übriggeblieben. Vielleicht lag es an meiner leicht gedrückten Stimmung, da ich es nach unzähligen Festivals ein weiteres Mal geschafft hatte, keine Regentaugliche Kleidung einzupacken und somit frierend und nass in knöcheltiefen Lachen stand – oder die Show ist, ähnlich wie bei PENDULUM am ersten Festivaltag, schon abgelutscht und die Tracks durch unzählige Remixes und zu oftmalige Beschallung auf Partys schon unhörbar geworden. Die vorhin plötzlich so leise gewordene Anlage erledigte den Rest.
Die Entdeckung des Tages machte ich auf der Weekender UK-Stage mit der Australischen Band PIVOT. Wunderbarer experimenteller Electro-Rock mit hohen Spannungsbögen und energetischen Höhenpunkten.
Und das war das Frequency 2009.

St. Pölten als Ort eines Massenfestivals funktioniert – und zwar wunderbar. Obwohl viele kleine und größere Wehwechen bezüglich Organisation, Lärmbelästigung, Sanitäranlagen, Sicherheit und Umgang mit den Besuchern in diversen Foren und Medien überliefert wurden, hatte ich selbst keinerlei Probleme und ein gemütliches, stressfreies Wochenende. Das Debüt des Frequency war also ein voller Erfolg! Lasst es in der Landeshauptstadt – in STP Rock City.


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