Diskussion 1.0 – ein Erfahrungsbericht

21 11 2009

Ich diskutiere ja nicht so oft offline.
Teils weil in meinem Freundeskreis eher Meinungshomogenität vorherrscht oder auch kein Hang zum Diskurs besteht, andererseits weil ich einfach keine Lust habe in Diskussionen einzugreifen und den paar Leuten meine Meinung mitzuteilen um z.B. diverse „in der Kronenzeitung is g’standn“-Argumente zu entkräften. Ich denke lieber über ihre Ausführungen nach und reflektiere, analysiere – als Beobachter.

Online ist wiederum meine Welt. Man kann schriftlichen Diskussionsverläufen viel besser folgen, öffentlich und global reden und seine Meinung mit Links und eingebundenen Medien unterstützen, transparenter machen und seinen Gegenüber und dritte somit besser überzeugen bzw. darauf hinweisen, dass Argumente nicht stimmig sind.

Weiters tu ich persönlich mir leichter. Das Web hat einen Lerndrang in mir ausgelöst. Ich investiere viele Stunden pro Woche, mich online über alle möglichen Themen zu informieren – von Politik bishin zu sozialen Themen bishin zu Technik, bzw. neue Medien. Somit habe ich ein gutes Überblickswissen, dessen Detailinformationen ich durch den ständigen Information overflow aber leider nicht zu 100% korrekt wiedergeben kann und somit den dazugehörigen Artikel im Falle einer Diskussion abermals durchgehen muss. Nach dem Motto: Man muss nicht alles Wissen, man muss nur wissen, wo man es findet. Sprüchlein in der HTL gelernt, im Web 2.0 umgesetzt.

Nun wurden einige Studierende von einem unserer Lehrveranstaltungsleiter, ein ORF-Mitarbeiter, zu einem Regisseurscasting als Diskutanten eingeladen, um eine möglichst authentische Atmosphäre zum Üben erzeugen zu können. Mich persönlich interessierte es auch, endlich mal als gefühlt letzter Österreicher das ORF-Zentrum sehen zu dürfen. Durch die kleine Gruppe von 6 Personen kamen wir überdies in den Genuss, die ZIBs aus dem Regieraum mitzuerleben (inklusive big #fail während der Ausstrahlung – Video dazu auf meinem Facebook) und die Studios samt Technik genauer als die nie enden wollenden Besuchermassen kennen zu lernen.

Club 2 ist ja eine meiner Lieblingssendungen. Umso interessanter war es, das Studio mal Live zu sehen und die Atmosphäre zu schnuppern… eine Entzauberung der Fernsehens irgendwie. Und habt ihr übrigens gewusst, wie klein das Studio ist, wo Dancing Stars, Licht ins Dunkel etc. gesendet wird…?
Dann gings also los – 6×20 Minuten diskutieren. Die 4 Kameras samt Kameramännern, Kabelschupfern etc. waren nach wenigen Minuten vergessen, wir hatten uns interessante Rollen überlegt, die jeder einnehmen sollte und diskutierten derart eloquent, ernsthaft und intelligent, dass ich selber ganz erstaunt über das Ergebnis war. Bis auf die Tatsache im Hinterkopf (von Teilnehmern einer echten Livesendung), dass einem hunderttausend Personen zusehen, ist so eine Diskussion wirklich kein „big deal“ und macht Spaß. Die Zeit verging wie im Flug und am Ende des Tages war das Bildungsthema, die Homoehe und die Gefahr der neuen Medien noch immer nicht langweilig geworden und wir hätten nochmal so lange weitermachen können.
Sehr interessant war es für mich, eine komplett konträre Rolle zu meiner Meinung einzunehmen. Ich versuche zwar immer auch die gegensätzliche Meinung zu reflektieren, doch in der Praxis erst lernt man es. So rutschte ich wirklich überzeugend in die Rolle des Internet- und Killerspiel-Hassenden konservativen Bürgerinitiativeobmanns und reagierte so polemisch auf Argumente, wie es manche Politiker gerne machen und erschrak bei dem Gedanken, wie leicht man sich in eine komplett argumentationslose Meinung hineinsteigern und selbige problemlos vertreten kann.

Alles im allem: viel gelernt, viel gesehen. Interessant wars – gerne wieder! Danke an die Kolleginnen und den Kollegen, ihr wart tolle Diskussionspartner!
Wir bekommen übrigens eine DVD mit den 2h Diskussionen. Ich werde dann mit Einverständnis der KollegInnen den einen oder anderen Teil veröffentlichen!


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One response

1 03 2010
Halbzeit « donkey rhubarb

[…] braucht sowie Interessante Gastvortragende (zB. Ruzowitzky, Feuerstein), Diskussionen und Exkursionen erleben kann. Prof. Krzeszowiak, ein Allroundtalent. Lehrt an mehreren Schulen International […]

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