Canon 550D – Social Review

25 02 2010

Vor nicht einmal einem Jahr habe ich hier ausführlichst über die neue Generation der DSLR-Kameras gebloggt und die neue und damals leistbarste Kamera von Canon reviewt – die EOS 500D.
Ohne damals groß Werbung für meinen Text zu machen fanden doch einige tausend Interessenten auf mein Blog und mein Youtube/Vimeo.

he loves the cam

Nun steht die Canon EOS 550D in den Startlöchern und das „Muss Haben“-Gefühl meldet sich so stark wie selten zuvor. Ich kann sie mir mit meinem Studentengehalt zwar nicht leisten, aber ich brauche sie. Meine größten Hobbies sind die Fotografie und das Filmen, also scheiß erstmal aufs Geld, der Fortschritt ist zu groß, um jetzt nicht zuzuschlagen.
Wunderbare Werke sind mit der 500D entstanden – angefangen mit den Testvideos in meinem Blogpost über Interviews u.a. mit Richie Pettauer, Dieter Rappolt oder Amanda Palmer bishin zu Dokus, Berichten, Reportagen und kleinen Imagefilmen.
Ebenso hat mich auch meine Liebe zur Fotografie nicht verlassen, vor allem jene zur HDR-Technik.

Die 550D kann all meine Einsatzgebiete noch besser abdecken. Sie hat 5 statt 3 Belichtungsreihen für die HDR-Fotografie, d.h. mehr Dynamic Range und sie bietet FullHD mit 30 statt 20 Bildern pro Sekunde (und 720p mit 60 statt 30) – und alle Einstellungen sind endlich manuell steuerbar. Ein weiteres Killerargument ist ein Mikrofoneingang. Bis jetzt habe ich der schwachen Onboard-Qualität mit einem externen, entkoppelten Mikro geholfen, was dann besonders in der Synchronisation im Schnitt außerordentlich „Spaß“ macht, wenn man Stunden mit Waveform-Anpassungen verbringt. 320kbps MP3 und 20 oder 30fps MOV vertragen sich nämlich Geschwindigkeitsmäßig überhaupt nicht. Nun kann ich den Ton direkt aufnehmen und erspare mir viel Arbeit.

Sie kommt also demnächst ins Haus und da das letzte Review so super angekommen ist, gibt es natürlich wieder eines – und zwar ein Social Review. Das soll heißen du, ja, genau DU postest unter diesen Beitrag einen Kommentar, wo du mir sagst was dich interessieren würde und ich rücke dann mit Sack und Pack aus und mache entsprechende Tests (natürlich nicht verpflichtend).
Du willst ein HDR mit 3 VS 5 Belichtungsreihen sehen? Poste es!
Du willst den Rolling Shutter Effekt mit der 500D verglichen haben? Poste es!
Du hast schon einen entsprechenden Test gemacht? Poste es!
Du willst, dass ich dir einen Werbefilm drehe und willst mich dafür bezahlen? Poste es!

Falls sich jemand die 550D zulegen will, dann würde ich mich freuen, wenn er dies über folgende Links machen würde:
Canon EOS 550D DSLR inkl. EF-S 18-55mm IS Objektiv
Canon EOS 550D DSLR – Body
Canon EOS 550D DSLR Kit inkl. EF-S 18-135mm IS Objektiv

Ich drehe übrigens in den nächsten Wochen/Monaten einen neuen Kurzfilm mit der 550D! Also abonniere mein Vimeo/Youtube und natürlich den Blog (RSS)!

Die Canon EOS 500D geht nach dem Testbericht der 550er übrigens ins Ebay – den Link poste ich dann noch rechtzeitig. Verkaufe sie gerne auch Privat, wenn das Angebot stimmt!

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Amanda (Fucking) Palmer

13 02 2010

Als ich die Dresden Dolls am Donaufestival 2006 in Krems das erste Mal live erleben durfte war ich hin und weg von der unglaublich energiegeladenen und verdammt lauten Performance von Amanda Palmer und Brian Viglione. Ich habe sie dann nur noch ein Mal, am Frequency 2008, gehört und fotografiert. Dann war es ziemlich ruhig rund um die Dolls, bis ich vor etwa einem halben Jahr auf Amandas Twitter-Account und weiters auf ihre Website stieß.

Amanda Fucking Palmer

Amanda twittert und bloggt so ehrlich, so menschlich und natürlich. Sie scheißt sich gar nichts, kritisiert die abgehobenen Stars und Sternchen und berichtet von hinter der Fassade der Glamour- Film- und Musikindustriewelt. Sie setzt rein auf Social Marketing und freut sich, wenn Konzertmitschnitte oder Videos ihrer Peformances online gehen. Fotoverbot auf ihren Konzerten gibt es nicht. Sogar das Merchandise wird crowdgesourct, d.h. Fans dürfen es basteln und verkaufen, und immer wieder gibt es Livestreams, wo sie Fragen beantwortet, über Gott und die Welt philosophiert, den über 2000 Zusehern Lieder vorspielt und dabei viel Wein trinkt. Es gibt keine Geheimnisse. So twittert sie auch mal gerne das eine oder andere Nacktfoto, spricht über Koks, illegale Downloads oder einfach über ihre Gefühle zu ihrem Verlobten Neil Gaiman. Wenn sie ein Keyboard, ein Flasche Wein oder einen Schlafplatz bei Fans braucht – Twitter hilft weiter.
Und die Strategie funktioniert. Sie feiert demnächst ihren 400.000 Follower und tourt erfolgreich durch alle Welt, nimmt derzeit ein neues Album in Australien auf.

Ich hatte das Glück, sie kennen zu lernen und sie ist wirklich so wunderbar, wie man sie online und auf der Bühne erlebt. Ein netter, (nudistisch veranlagter ;)), offener und am Boden gebliebener Mensch. Und obwohl sie Ninja ist, geht sie wie ein Pirat.
Hier das Interview, dass wir mit ihr geführt haben: The Music Industry Needs To Die


Video auf Youtube ansehen

Tags darauf hat Amanda die Arena Wien mit Ukulele und Keyboard gerockt. Sie hat über Twitter Karten verlost, ich hab zwei gewonnen. Es ist unglaublich, welche Resonanz und Energie sie aus nur einem Instrument hervorbringt. Eine sehr interessante Stimmung, wenn man trotz dieser Power in den für sie typischen Songpausen die Leute rund um einen atmen hören konnte. Ihre Setlist lies keine Wünsche offen (und wenn, dann konnte man sich ja auch Lieder wünschen), so war von einem anfänglichem Heintje-Cover, über mein derzeitiges Lieblingslied – eine verdammt energetische Version von Astronaut, einer Ode an eine ausgenommene Forelle, Billie Jean bishin zu ihren zuletzt auch am Frequency gespielten Eisbär oder dem mir vom Donaufestival als Zugabelied für immer in Erinnerung gebliebenem Halleluja so ziemlich alles dabei. Auf Youtube kann man sich locker das Komplette Konzert nochmal anhören.
Nach Konzertende stürzte sie sich in die Menge und tratschte mit ihren Fans, lies sich fotografieren. So verkauft man sich bzw. Musik meine lieben Künstler!

Auch Amanda Palmers soziale Macht bekam ich später am Abend noch zu spüren. Ich twitterte meine Fotos, die ich am Abend geschossen hatte. Amanda fand ihr Lieblingsfoto und stellte es auf ihren Twitpic-Account. 24 Stunden – 8.000 Views. Und später fand es noch in ihrem Blog Verwendung. Nice.





Luca Hammer über #unibrennt

18 12 2009

Ich war wieder für den WIENER bzw. dessen Online-Ableger Wienerpost unterwegs. Diesmal haben wir meinen Uni-Kollegen Luca interviewt.
Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Zitat Max Kossatz), hat Livestream sowie Website für #unibrennt innerhalb eines Tages aufgesetzt bzw. in weiterer Folge immer wieder betreut.
Aufgezeichnet wurde das Interview im Herzen des Protests – Audimax, Presseraum.
Da das externe Micro ausgefallen ist, musste ich das On-Board meiner Kamera nehmen – ein authentischeres Tonerlebnis könnte man es auch betiteln…
Das Interview führte Chefredakteur Helfried Bauer.

Falls Vimeo nicht will –> Video auf Youtube





Ein langer Text zu #unibrennt

9 12 2009

Die beste Bildung passiert abseits des Hauptstudiums, nachdem man endlich verstanden hat, dass man auch selber denken kann.

Als ich zu studieren begonnen habe, lag mein Hauptaugenmerk vor allem darauf, dass ich mein Mindestmaß von 30 ECTS pro Semester schaffen würde, um mein Stipendium nicht zu verlieren bzw. die Aufnahmeprüfungen der Zugangsbeschränkung zur Zufriedenheit meiner Professoren abzulegen. So bestanden die ersten zwei Semester aus purem auswendig lernen von Satzmustern, damit man bei den Multiple Choice Tests den klanglich richtigen Begriff ankreuzen konnte. Ich wurde also geradezu hineingeboren in den Wahnsinn von Leistungsdruck und Effizienz.
Wenigstens ist einiges hängengeblieben. Viele KollegInnen rühmen sich ja damit, besonders konsequent bei allen Massenprüfungen geschummelt zu haben – oder auch besonders gefinkelt die Ergebnisse ihrer BAKK-Arbeit gefälscht zu haben. Schließlich verkürzt dies den Aufwand und somit die Studiendauer und man kann sich möglichst bald Bätschelor oder auch Masta nennen und auf Arbeitssuche gehen.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich mit der Hetzerei etwas entscheidendes vergesse. Die Persönlichkeit zu bilden, eigene Interessen zu verfolgen, das Gelernte kritisch zu hinterfragen.
Es sind die kleinen Lehrveranstaltungen, meist Wahlfächer, mit jungen externen Lektoren, die einen Studenten erst so richtig zum eigenständigen Denken anregen können und aufzeigen, dass auch andere Ansätze und Paradigmen als die der Lehrenden existieren. Es ist schwer, solche Personen zu finden – aber es gibt sie. Und letztendlich waren es solche Fächer, die den Spaß am Studieren, das Interesse neues zu erarbeiten und bisheriges in Frage zu stellen bzw. kritisch zu hinterfragen erst richtig aktiviert haben. Das sind dann Sachen, die einfach wirken müssen und viel Zeit zum verarbeiten brauchen und teilweise dann letztendlich nichtmal in meiner Sammlung absolvierter Prüfungen aufscheinen.

Ich denke, man muss nur mal aus seiner stoischen Haltung, indoktriniert vom Bologna-System erwachen um auch wirklich für sich selbst zu studieren und nicht nur für den Arbeitsmarkt. Durch die letzte Verschärfung im Studienplan muss man sich halt eine andere Möglichkeit einfallen lassen, das zu tun – denn „Wahlfächer“ sind ab sofort fix vorgeschrieben.

Die Besetzung des Audimax hat garantiert Ähnliches bewirkt. Sie hat aufgerüttelt. Polarisiert. Zum Denken angeregt.
Seit etwa 50 Tagen sind nun international über 80 Unis besetzt. Wir konnten ein Zeichen setzten. Es wurde und wird qualitativ höchstwertig diskutiert und zwar auf gleicher Augenhöhe.
Es gibt Vorträge und Wortmeldungen, die einem zu Tränen rühren, weil ausgesprochen wird, was falsch läuft auf dieser Welt. Ja – es geht uns nicht nur ums Bildungssystem, das haben wir schon zuhauf durchdiskutiert. Es geht um Aufklärung, Toleranz, Information, Politik. Die Bewegung ist für mich zu diesem oben genannten Lektor geworden, der mir Denkanstöße gibt und mich zum Beispiel darüber aufklärt, wieso so viele Menschen wie nie zuvor, eine Milliarde, hungern müssen, obwohl wir problemlos zwei Mal den gesamten Planeten ernähren könnten. Wieso Lebensmittelverpackungen noch immer aus giftigen Material hergestellt werden, dass immer mehr Menschen unfruchtbar macht. Wieso die 90% der Menschen, die sich um 20% des Geldes streiten müssen von den 10%, die die restlichen 80% besitzen gegeneinander aufgehetzt werden. Wieso Minderheiten gezielt diskriminiert werden.
DAS IST Bildung. Besser kann man das Audimax gar nicht nutzen. Ein Ort des Lernens und der Kultur, die heute für Studenten unleistbar geworden ist. Das ist wie 10 Vorlesungen am Tag, die noch dazu interessant sind und meist auch von internationalen ExpertInnen vorgetragen werden.

Leider ist die Energie vom Anfang nun nicht mehr so sichtbar wie sie es sein sollte. Die Hinhaltetaktik der Politik und des Rektorats samt den stetigen Versuchen, die StudentInnen in der Öffentlichkeit schlecht auszusehen lassen zeigen an der Oberfläche Wirkung. Im Kern hat sich nichts geändert. Die Studierenden sind immer noch unzufrieden. Sie arbeiten weiter – dezentral in Arbeitsgruppen. Organisieren Veranstaltungen oder Flashmobs, machen Öffentlichkeitsarbeit.
Doch der beste Kommunikationswille von unserer Seite reicht einfach nicht aus um gegen Hass und Vorurteile anzukommen. Das beste Argument, die schlüssigste Diskussion kann mit einer schwachsinnigen Meldung eines potentiellen Gesprächspartners, zumindest aus seiner Sicht, vom Tisch gewischt werden.
Ich hab zwar großes Vertrauen in meine Mitbürger, aber manche Einstellungen oder auch Statistiken machen es mir sehr schwer, selbige als mündig anzusehen.
Die Leute wollen nicht denken, nein, viele wünschen sich sogar einen starken Führer, der ihnen sagt, was sie denken und tun sollen, jemanden, der sie von all dem Abschaum befreit, der nicht so aussieht oder so denkt wie man selber.
Halb Österreich liest (meist exklusiv) die Kronenzeitung, die wohl das beliebteste Forschungsobjekt in meiner Studienrichtung ist und ich kann mit unzähligen Studien im Hintergrund signifikant behaupten, dass dieses Blatt hoch manipulativ ist und weit entfernt von Wahrheit und Objektivität schreibt. Das wissen auch die meisten ihrer Leser. Aber „das Format ist halt so praktisch“.

Ich rede in letzter Zeit immer wieder Leute an und frage sie, was sie von den Studierendenprotesten halten. Dabei erfahre ich oft, dass der Bewegung wenig Verständnis entgegengebracht wird. Man soll nicht nur Partys feiern, sondern endlich einmal Forderungen ausarbeiten.
Man soll die Sandler rausschmeißen. Man soll die Deutschen nicht bei uns studieren lassen.

Fazit: Wenns einem selbst nicht betrifft, orientiert man sich an einer möglichst negativen Information, die man in irgendeinem Boulevardblatt aufgeschnappt hat und mischts ein bisschen mit Fremdenhass und Beleidigungen.

Und darauf vertraut auch die Politik. Auf Desinteresse und stereotyper Weltsicht. Wenn eine Partei fast durchgehend Minister hat, die in ihrem Ressort Totalversager sind, muss man die Schuld auf andere schieben. Möglichst auf welche, die in der Minderzahl sind und sich deshalb demokratisch nicht wehren können. Böse Ausländer die unsre Jobs klauen und Häuser aufbrechen, Alleinerzieher die sich in der sozialen Hängematte ausruhen, Lehrer die eh nur Urlaub haben, Muslime die aus Minaretten Raketen auf Christen abschießen, Studenten die 10 Jahre auf Kosten des Steuerzahlers Party machen und dann einen Titel geschenkt bekommen.
Scheiße bauen, Minderheiten in die Schuhe schieben, die Konzerne und Hauptwählergruppen mit ein paar Milliarden zufrieden stellen und bei der nächsten Wahl sehen die Ergebnisse wieder gleich aus.

Ich habe mir auch die Facebook-Gruppe „Studieren statt blockieren“ angesehen. Die müssen ja äußerst zufrieden sein mit dem derzeitigen Bildungssystem. Habe ein paar Seiten durchgelesen und gemerkt, dass weder Argumente, noch ernsthafte Diskussionen zu finden sind. Die Wortmeldungen bestehen aus Hass, Missgunst und diebischer Freude, wenn jemand einen Bericht einer gewaltsamen Uniräumung oder ein Foto von einem Sandler postet. Aber anscheindend sehen sich dort alle im Recht und sind ebenso auf ihre Meinung eingefahren, dass sie durch einen Diskurs nicht umzustimmen sind.
Aber ich gehe gerne auf ein paar Punkte ein…

Natürlich ist das Audimax nun leerer als Anfangs. Schließlich läuft ja nun die Infrastruktur und die Studenten sind vernetzt. Man braucht nicht alles nochmal durchzudiskutieren. Die Forderungen sind fertig, man braucht kein 24h-Marathonplenum mehr. Wer weiß, vielleicht braucht man bis zu den nächsten Verhandlungen auch gar nicht mehr ständig das Audimax. Vielleicht sollte man nach einem großen Abschlussplenum den Forderungskatalog hinterlassen und nächstes Semester frisch und erholt wieder einziehen, sollte sich nichts geändert haben.

Natürlich sind Obdachlose im Audimax. Es ist ein besetztes Gebäude, wo niemand ausgeschlossen wird. Vor allem nicht die Schwächsten der Schwächsten. In den meisten Notschlafstellen werden nur Österreichische Staatsbürger aufgenommen, falls überhaupt Platz ist. 500 obdachlose EU-Bürger müssen in Wien ohne öffentliche Schlafstelle durch den Winter kommen. Mir ists lieber, ein Abgewiesener kommt ins Audimax, anstatt auf der Straße zu erfrieren. Das sind Menschen.
Wir nehmen uns Problemen an und ignorieren sie nicht.

Natürlich werden Unis geräumt. Nach 5 Wochen Bedenkzeit hat die ÖVP auch mal mitbekommen, dass ein Problem an den Unis herrscht – und hat promt reagiert. Mit einer Aussendung, dass der Rektor umgehend das Gebäude gewaltsam räumen lassen soll. Tolle Bildungspolitik, oder? (Ok, Mr. Öh-Wahl/CERN Bildungsminister Hahn hats auch etwas vorher mitbekommen und die Studenten ein halbes Jahr mit Empfehlungs-Arbeitsgruppen beschäftigt, damit er sich in Ruhe nach Brüssel absetzten kann). Ich rechne Rektor Winckler aber hoch an, dass er auf den Dialog setzt. Die eine oder andere Partei mag wohl glauben, dass sich mit Polizeibrutalität Probleme lösen ließen, an der Uni wird aber glücklicherweise immer noch lieber das Gehirn anstatt die Faust eingesetzt.

Natürlich kostet die Besetzung Geld. Schließlich muss es ja etwas wehtun, etwas jucken, damit überhaupt gekratzt wird. Seit Jahren wird von der ÖH der Dialog mit der Politik gesucht und dabei bestenfalls ignoriert bzw. in ihren Rechten weiter eingeschränkt. Die Besetzung war tatsächlich das letzte Mittel um auf sich aufmerksam zu machen – und es hat funktioniert. Ein Bildungsdialog ist auch tatsächlich entstanden. Überall… nur halt beim Bildungsministerium nicht. Aber das bekommen wir auch noch hin.
Vielleicht kostets ein paar Hunderttausender, wenn die Vorlesungen nun in einem anderen Gebäude (welches übrigens auch im Bundesbesitz ist) abgehalten werden müssen – aber wenn das wichtigste Gut der modernen Gesellschaft, die Bildung, damit gerettet und verbessert werden kann, ists das allemal wert. Außerdem hat Minister Hahn eh 34 Millionen aus der Portokasse gezaubert – das würde für weitere 3 Jahre Besetzung reichen.
Man darf nicht immer nur im Präsens denken. Was jetzt ein bissl Geld kostet, kann sich in der Zukunft umso mehr auszahlen.

Natürlich wären verschulte, zugangsbeschränkte und teure Studien die schnellste Lösung, Platz an den Universitäten zu schaffen. Aber haben wir nicht gesehen, dass die Studiengebühren in die Sanierung des Staatshaushaltes geflossen sind und die Universitäten nicht sehr viel davon gesehen haben? Sie sogar von Budgetkürzungen betroffen waren? Und erfahren wir nicht gerade, dass verschulte Studienpläne (falls überhaupt) ausschließlich der Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit zugute kommen? Die Persönlichkeitsbildung, die individuelle Spezialisierung nach eigenen Interessen auf der Strecke bleibt? Wieso jammert man über zu geringe Akademikerquoten und schreit dann plötzlich, wenn sich endlich einmal mehr Menschen für ein Studium entscheiden?
Wieso wird Bildung nicht als Chance, sondern als Gefahr gesehen? Österreich als Bildungsland. Das wär doch was, oder? Wieso freut man sich nicht, wenn sich jemand fortbilden will? Wieso kann man nicht Lösungen finden, die über den Horizont von Zugangsbeschränkungen hinausgehen? Man muss halt nachdenken. Tut weh, hilft aber. Dafür werden die Volksvertreter bezahlt.
Wieso kann man Bildung nicht für jede/n wirklich frei zugänglich machen? Es gibt heutzutage so viele technische Möglichkeiten, die man nutzen könnte. Die Studis zeigens vor (Livestream, Wiki, Dezentralisierung, Web 2.0).

Natürlich ist es leicht, ausländischen StudentInnen die Schuld zu geben, dass kein Platz ist. Siehe auch meinen vorigen Punkt. Let it be. Wir sind in der EU, da ist freier Personen und Warenverkehr. Und es sind nur etwa 10% aus dem Ausland. Lasst die Leute bei uns studieren, wenn sie bei uns studieren wollen. Sie kommen freiwillig und bleiben meist auch, zahlen dann wie jede/r andere Steuern und finanzieren wieder die Ausbildung der nächsten Generation. Natürlich sind auch reine NC-Flüchtlinge dabei, aber wie würdest DU handeln, wenn du im eigenen Land nicht studieren dürftest? NC ist das dümmste System zur Aussortierung von Menschen, dass man sich vorstellen kann – da sind sich so ziemlich alle einig. Die Leute die zu uns kommen sind nicht besser oder schlechter als ihre KollegInnen, die einen Studienplatz bekommen haben.

Die Politik fürchtet reinen Bildungstourismus. Ich habe keine Statistiken dazu, aber ich glaube nicht, dass er so ausgeprägt ist wie behauptet wird. Verhindern könnte man den aber vielleicht mit einer neuen Art von Studiengebühren. Eventuell ein virtuelles Konto, dass fix mit der Matrikelnummer verknüpft ist. Inskribiert man in ein Fach, werden automatisch jedes Semester 500 virtuelle Euro abgebucht. Verlässt man am Ende des Studiums das Land fluchtartig, zahlt man die Gebühren auf Raten zurück, bleibt man die nächsten Jahre in Österreich, füllt sich das Konto von Jahr zu Jahr wieder auf, bis man wieder auf null ist.
Wenn ich jetzt keinen massiven Denkfehler habe, ist das sogar eine ganz nette Idee. Auf jeden Fall besser als die des Forschungsrats.

Österreich ist ein bildungsfeindliches Land. Bildung wird einem nicht gegönnt. Immer nur der Aspekt der Wirtschaftlichkeit zählt. Man soll lieber schnell was lernen, damit man arbeiten gehen kann. Geld verdienen. Damit man im großen Zirkus auch endlich mitreden darf.
Nur keiner Randgruppe, keiner Minderheit angehören. Brav sein.
Bei Bildungsfragen wird man nie den Großteil der Bevölkerung hinter sich haben.
Aber Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft, das müssen wir begreifen. Wir brauchen mehr Toleranz, mehr Gleichberechtiung, weniger Angst, weniger Rassismus.
Oder, um es mit den Worten von Ute Bock zu sagen:

Nur mit Bildung kann man erreichen, dass dieser Schwachsinn aufhört





Social Media Marketing

1 12 2009

Ich hab ja nicht genug zu tun mit meinen BAKK-Arbeiten, Recherchen, #unibrennt-Dokus, Exposes, Treatments und anderen Übungen für die Uni (lernen nenne ich erst gar nicht), meinen Gschaftln im Web und in der Fotografie. Also filme/fotografiere ich nun auch für den WIENER bzw. für die neue Webplattform www.wienerpost.at.
Der erste Auftrag führte mich in die Büros von www.knallgrau.at, einer sehr bekannten Agentur für Neue Medien, die schon so ziemlich jede Österreichische Firma mindestens einmal betreut hat.


Der Geschäftsführer, Dieter Rappold, erläuterte uns dann in einem Interview, wie Social Media Marketing für Firmen funktionieren kann und auf was man für einen gelungenen Webauftritt achten muss.
Das Interview führte Kollegin Nicole Kolisch und ist nachzulesen im nächsten WIENER bzw. teilweise online in eins zwei Artikeln.
Oder man genießt einen zehnminütigen Ausschnitt mit den audiovisuellen Mitteln des Web 2.0! In 16:9 und HD.





Diskussion 1.0 – ein Erfahrungsbericht

21 11 2009

Ich diskutiere ja nicht so oft offline.
Teils weil in meinem Freundeskreis eher Meinungshomogenität vorherrscht oder auch kein Hang zum Diskurs besteht, andererseits weil ich einfach keine Lust habe in Diskussionen einzugreifen und den paar Leuten meine Meinung mitzuteilen um z.B. diverse „in der Kronenzeitung is g’standn“-Argumente zu entkräften. Ich denke lieber über ihre Ausführungen nach und reflektiere, analysiere – als Beobachter.

Online ist wiederum meine Welt. Man kann schriftlichen Diskussionsverläufen viel besser folgen, öffentlich und global reden und seine Meinung mit Links und eingebundenen Medien unterstützen, transparenter machen und seinen Gegenüber und dritte somit besser überzeugen bzw. darauf hinweisen, dass Argumente nicht stimmig sind.

Weiters tu ich persönlich mir leichter. Das Web hat einen Lerndrang in mir ausgelöst. Ich investiere viele Stunden pro Woche, mich online über alle möglichen Themen zu informieren – von Politik bishin zu sozialen Themen bishin zu Technik, bzw. neue Medien. Somit habe ich ein gutes Überblickswissen, dessen Detailinformationen ich durch den ständigen Information overflow aber leider nicht zu 100% korrekt wiedergeben kann und somit den dazugehörigen Artikel im Falle einer Diskussion abermals durchgehen muss. Nach dem Motto: Man muss nicht alles Wissen, man muss nur wissen, wo man es findet. Sprüchlein in der HTL gelernt, im Web 2.0 umgesetzt.

Nun wurden einige Studierende von einem unserer Lehrveranstaltungsleiter, ein ORF-Mitarbeiter, zu einem Regisseurscasting als Diskutanten eingeladen, um eine möglichst authentische Atmosphäre zum Üben erzeugen zu können. Mich persönlich interessierte es auch, endlich mal als gefühlt letzter Österreicher das ORF-Zentrum sehen zu dürfen. Durch die kleine Gruppe von 6 Personen kamen wir überdies in den Genuss, die ZIBs aus dem Regieraum mitzuerleben (inklusive big #fail während der Ausstrahlung – Video dazu auf meinem Facebook) und die Studios samt Technik genauer als die nie enden wollenden Besuchermassen kennen zu lernen.

Club 2 ist ja eine meiner Lieblingssendungen. Umso interessanter war es, das Studio mal Live zu sehen und die Atmosphäre zu schnuppern… eine Entzauberung der Fernsehens irgendwie. Und habt ihr übrigens gewusst, wie klein das Studio ist, wo Dancing Stars, Licht ins Dunkel etc. gesendet wird…?
Dann gings also los – 6×20 Minuten diskutieren. Die 4 Kameras samt Kameramännern, Kabelschupfern etc. waren nach wenigen Minuten vergessen, wir hatten uns interessante Rollen überlegt, die jeder einnehmen sollte und diskutierten derart eloquent, ernsthaft und intelligent, dass ich selber ganz erstaunt über das Ergebnis war. Bis auf die Tatsache im Hinterkopf (von Teilnehmern einer echten Livesendung), dass einem hunderttausend Personen zusehen, ist so eine Diskussion wirklich kein „big deal“ und macht Spaß. Die Zeit verging wie im Flug und am Ende des Tages war das Bildungsthema, die Homoehe und die Gefahr der neuen Medien noch immer nicht langweilig geworden und wir hätten nochmal so lange weitermachen können.
Sehr interessant war es für mich, eine komplett konträre Rolle zu meiner Meinung einzunehmen. Ich versuche zwar immer auch die gegensätzliche Meinung zu reflektieren, doch in der Praxis erst lernt man es. So rutschte ich wirklich überzeugend in die Rolle des Internet- und Killerspiel-Hassenden konservativen Bürgerinitiativeobmanns und reagierte so polemisch auf Argumente, wie es manche Politiker gerne machen und erschrak bei dem Gedanken, wie leicht man sich in eine komplett argumentationslose Meinung hineinsteigern und selbige problemlos vertreten kann.

Alles im allem: viel gelernt, viel gesehen. Interessant wars – gerne wieder! Danke an die Kolleginnen und den Kollegen, ihr wart tolle Diskussionspartner!
Wir bekommen übrigens eine DVD mit den 2h Diskussionen. Ich werde dann mit Einverständnis der KollegInnen den einen oder anderen Teil veröffentlichen!





Die gestreamte Revolution und die Demo

30 10 2009

Also das hat mich schon gewundert. Gestern auf der Demo wurde ich doch glatt aufgefordert, mir eine Einwilligung der Personen zu holen, die ich filme bzw. darauf aufmerksam gemacht, dass „die Leute nicht gefilmt werden wollen“. Ok, es war ein Einzelfall, aber er amüsierte mich. Eine angekündigte, öffentliche Großdemo mit 50.000 Teilnehmern im öffentlichen Raum für eine von der Bevölkerung großteils als positiv bewerteten Sache und ich darf nicht fotografieren und filmen. Also manche Ansichten sind wirklich sehr radikal oder vielleicht hat der liebe Kollege auch an zu vielen „nicht so friedlichen Demos“ teilgenommen…

nostream

Diese Texte hängen unter anderen auch im Audimax. Natürlich akzeptiere und respektiere ich die Meinungspluralität bei dieser Bewegung (obwohl sie von einigen Kollegen nicht akzeptiert wird, wenn mal ein Gegner der Besetzungen spricht), aber die Aussage des Plakates ist schlichtweg falsch. Natürlich bin ich ein massiver Gegner von Überwachung, aber bei #unibrennt geht es um eine öffentliche und offene Bewegung, an der jeder (der sich vielleicht so nicht ins Audimax trauen würde) partizipieren soll und kann. Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es positive Rückmeldungen über diese offene Form des Diskurses über eine neue Bildungspolitik. Alles, was derzeit abläuft, haben wir nicht etwa einem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk zu verdanken, der gezielt immer dann anrückt, wenn das Audimax ziemlich leer ist und danach auf der Straße Leute zu Wort kommen lässt, die für Gebühren sind, damit „nicht alles studieren kann“ – sondern unseren eigenen Kanälen. Via Facebook, Skype, Studivz, Livestreams (3000 Zuseher!), Twitter, etc… haben wir uns vernetzt und koordiniert und schlussendlich eine der größten Demos Österreichs zustande gebracht – und nein, es waren niemals nur 10.000 Leute. Wers nicht glaubt, kann gerne nachzählen!

Was für eine Veranstaltung! Für die Menge hätten wir 40 Audimaxe‘ gebraucht, um alle Teilnehmer unterzubringen. Soviel Energie lag in der Luft, ein wahrer Höhepunkt dieser Bewegung. Am Schluss musste sogar der Ring bis 2:00 Uhr gesperrt bleiben, während Ja Panik! und Luise Pop auf der Spitze der Unirampe die Menge bespielte.
Das alles haben WIR geschafft. Mithilfe nationaler und internationaler Vernetzung mittels neuer Medien.
Sonst hätten nie Medien, Schüler, Studenten, Migranten, Arbeiter, Angestellte, Junge, Alte, Behinderte und Professoren zu uns gefunden, unsere Meinung gehört und sich mit uns solidarisiert.
Was für eine schöne Zeit, in der den Mainstreammedien nicht mehr blind vertraut wird, die uns als partymachende Säufer ohne Plan und Ziel hingestellt haben. Denn wer mal einen Tag den Stream verfolgt hat, wird sehen, wie subjektiv die sogenannten unabhängigen Medien über die Besetzungen der Hörsäle berichtet haben.

Demo

Der vorläufige Höhepunkt des Protestes ist nun erreicht. Nun muss man darauf achten, dass die Netzwerke nicht müde werden und sich von der ständig abwartenden und gesprächsverweigernden Politik nicht demotivieren lassen. Zu viele Meinungen und Richtungen haben sich aufgetan, erste Diskrepanzen kristallisieren sich heraus und die Netzwerke werden durch neue nationale und internationale Besetzungen und Informationsüberschuss stark belastet – ich hoffe, allen wird das höhere Ziel der Bewegung bewusst, helfen mit und lassen sich nicht unterkriegen!
Auch nicht durch Bombendrohungen!