Umgezogen

17 05 2010

Liebe BesucherInnen!

Ich habe den Schritt gewagt und auf ein „richtiges“ WordPress-Blog upgegradet.
Sieht nicht recht viel anders aus, hat aber mehr Freiheiten und Spielereien.

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Ein langer Text zu #unibrennt

9 12 2009

Die beste Bildung passiert abseits des Hauptstudiums, nachdem man endlich verstanden hat, dass man auch selber denken kann.

Als ich zu studieren begonnen habe, lag mein Hauptaugenmerk vor allem darauf, dass ich mein Mindestmaß von 30 ECTS pro Semester schaffen würde, um mein Stipendium nicht zu verlieren bzw. die Aufnahmeprüfungen der Zugangsbeschränkung zur Zufriedenheit meiner Professoren abzulegen. So bestanden die ersten zwei Semester aus purem auswendig lernen von Satzmustern, damit man bei den Multiple Choice Tests den klanglich richtigen Begriff ankreuzen konnte. Ich wurde also geradezu hineingeboren in den Wahnsinn von Leistungsdruck und Effizienz.
Wenigstens ist einiges hängengeblieben. Viele KollegInnen rühmen sich ja damit, besonders konsequent bei allen Massenprüfungen geschummelt zu haben – oder auch besonders gefinkelt die Ergebnisse ihrer BAKK-Arbeit gefälscht zu haben. Schließlich verkürzt dies den Aufwand und somit die Studiendauer und man kann sich möglichst bald Bätschelor oder auch Masta nennen und auf Arbeitssuche gehen.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich mit der Hetzerei etwas entscheidendes vergesse. Die Persönlichkeit zu bilden, eigene Interessen zu verfolgen, das Gelernte kritisch zu hinterfragen.
Es sind die kleinen Lehrveranstaltungen, meist Wahlfächer, mit jungen externen Lektoren, die einen Studenten erst so richtig zum eigenständigen Denken anregen können und aufzeigen, dass auch andere Ansätze und Paradigmen als die der Lehrenden existieren. Es ist schwer, solche Personen zu finden – aber es gibt sie. Und letztendlich waren es solche Fächer, die den Spaß am Studieren, das Interesse neues zu erarbeiten und bisheriges in Frage zu stellen bzw. kritisch zu hinterfragen erst richtig aktiviert haben. Das sind dann Sachen, die einfach wirken müssen und viel Zeit zum verarbeiten brauchen und teilweise dann letztendlich nichtmal in meiner Sammlung absolvierter Prüfungen aufscheinen.

Ich denke, man muss nur mal aus seiner stoischen Haltung, indoktriniert vom Bologna-System erwachen um auch wirklich für sich selbst zu studieren und nicht nur für den Arbeitsmarkt. Durch die letzte Verschärfung im Studienplan muss man sich halt eine andere Möglichkeit einfallen lassen, das zu tun – denn „Wahlfächer“ sind ab sofort fix vorgeschrieben.

Die Besetzung des Audimax hat garantiert Ähnliches bewirkt. Sie hat aufgerüttelt. Polarisiert. Zum Denken angeregt.
Seit etwa 50 Tagen sind nun international über 80 Unis besetzt. Wir konnten ein Zeichen setzten. Es wurde und wird qualitativ höchstwertig diskutiert und zwar auf gleicher Augenhöhe.
Es gibt Vorträge und Wortmeldungen, die einem zu Tränen rühren, weil ausgesprochen wird, was falsch läuft auf dieser Welt. Ja – es geht uns nicht nur ums Bildungssystem, das haben wir schon zuhauf durchdiskutiert. Es geht um Aufklärung, Toleranz, Information, Politik. Die Bewegung ist für mich zu diesem oben genannten Lektor geworden, der mir Denkanstöße gibt und mich zum Beispiel darüber aufklärt, wieso so viele Menschen wie nie zuvor, eine Milliarde, hungern müssen, obwohl wir problemlos zwei Mal den gesamten Planeten ernähren könnten. Wieso Lebensmittelverpackungen noch immer aus giftigen Material hergestellt werden, dass immer mehr Menschen unfruchtbar macht. Wieso die 90% der Menschen, die sich um 20% des Geldes streiten müssen von den 10%, die die restlichen 80% besitzen gegeneinander aufgehetzt werden. Wieso Minderheiten gezielt diskriminiert werden.
DAS IST Bildung. Besser kann man das Audimax gar nicht nutzen. Ein Ort des Lernens und der Kultur, die heute für Studenten unleistbar geworden ist. Das ist wie 10 Vorlesungen am Tag, die noch dazu interessant sind und meist auch von internationalen ExpertInnen vorgetragen werden.

Leider ist die Energie vom Anfang nun nicht mehr so sichtbar wie sie es sein sollte. Die Hinhaltetaktik der Politik und des Rektorats samt den stetigen Versuchen, die StudentInnen in der Öffentlichkeit schlecht auszusehen lassen zeigen an der Oberfläche Wirkung. Im Kern hat sich nichts geändert. Die Studierenden sind immer noch unzufrieden. Sie arbeiten weiter – dezentral in Arbeitsgruppen. Organisieren Veranstaltungen oder Flashmobs, machen Öffentlichkeitsarbeit.
Doch der beste Kommunikationswille von unserer Seite reicht einfach nicht aus um gegen Hass und Vorurteile anzukommen. Das beste Argument, die schlüssigste Diskussion kann mit einer schwachsinnigen Meldung eines potentiellen Gesprächspartners, zumindest aus seiner Sicht, vom Tisch gewischt werden.
Ich hab zwar großes Vertrauen in meine Mitbürger, aber manche Einstellungen oder auch Statistiken machen es mir sehr schwer, selbige als mündig anzusehen.
Die Leute wollen nicht denken, nein, viele wünschen sich sogar einen starken Führer, der ihnen sagt, was sie denken und tun sollen, jemanden, der sie von all dem Abschaum befreit, der nicht so aussieht oder so denkt wie man selber.
Halb Österreich liest (meist exklusiv) die Kronenzeitung, die wohl das beliebteste Forschungsobjekt in meiner Studienrichtung ist und ich kann mit unzähligen Studien im Hintergrund signifikant behaupten, dass dieses Blatt hoch manipulativ ist und weit entfernt von Wahrheit und Objektivität schreibt. Das wissen auch die meisten ihrer Leser. Aber „das Format ist halt so praktisch“.

Ich rede in letzter Zeit immer wieder Leute an und frage sie, was sie von den Studierendenprotesten halten. Dabei erfahre ich oft, dass der Bewegung wenig Verständnis entgegengebracht wird. Man soll nicht nur Partys feiern, sondern endlich einmal Forderungen ausarbeiten.
Man soll die Sandler rausschmeißen. Man soll die Deutschen nicht bei uns studieren lassen.

Fazit: Wenns einem selbst nicht betrifft, orientiert man sich an einer möglichst negativen Information, die man in irgendeinem Boulevardblatt aufgeschnappt hat und mischts ein bisschen mit Fremdenhass und Beleidigungen.

Und darauf vertraut auch die Politik. Auf Desinteresse und stereotyper Weltsicht. Wenn eine Partei fast durchgehend Minister hat, die in ihrem Ressort Totalversager sind, muss man die Schuld auf andere schieben. Möglichst auf welche, die in der Minderzahl sind und sich deshalb demokratisch nicht wehren können. Böse Ausländer die unsre Jobs klauen und Häuser aufbrechen, Alleinerzieher die sich in der sozialen Hängematte ausruhen, Lehrer die eh nur Urlaub haben, Muslime die aus Minaretten Raketen auf Christen abschießen, Studenten die 10 Jahre auf Kosten des Steuerzahlers Party machen und dann einen Titel geschenkt bekommen.
Scheiße bauen, Minderheiten in die Schuhe schieben, die Konzerne und Hauptwählergruppen mit ein paar Milliarden zufrieden stellen und bei der nächsten Wahl sehen die Ergebnisse wieder gleich aus.

Ich habe mir auch die Facebook-Gruppe „Studieren statt blockieren“ angesehen. Die müssen ja äußerst zufrieden sein mit dem derzeitigen Bildungssystem. Habe ein paar Seiten durchgelesen und gemerkt, dass weder Argumente, noch ernsthafte Diskussionen zu finden sind. Die Wortmeldungen bestehen aus Hass, Missgunst und diebischer Freude, wenn jemand einen Bericht einer gewaltsamen Uniräumung oder ein Foto von einem Sandler postet. Aber anscheindend sehen sich dort alle im Recht und sind ebenso auf ihre Meinung eingefahren, dass sie durch einen Diskurs nicht umzustimmen sind.
Aber ich gehe gerne auf ein paar Punkte ein…

Natürlich ist das Audimax nun leerer als Anfangs. Schließlich läuft ja nun die Infrastruktur und die Studenten sind vernetzt. Man braucht nicht alles nochmal durchzudiskutieren. Die Forderungen sind fertig, man braucht kein 24h-Marathonplenum mehr. Wer weiß, vielleicht braucht man bis zu den nächsten Verhandlungen auch gar nicht mehr ständig das Audimax. Vielleicht sollte man nach einem großen Abschlussplenum den Forderungskatalog hinterlassen und nächstes Semester frisch und erholt wieder einziehen, sollte sich nichts geändert haben.

Natürlich sind Obdachlose im Audimax. Es ist ein besetztes Gebäude, wo niemand ausgeschlossen wird. Vor allem nicht die Schwächsten der Schwächsten. In den meisten Notschlafstellen werden nur Österreichische Staatsbürger aufgenommen, falls überhaupt Platz ist. 500 obdachlose EU-Bürger müssen in Wien ohne öffentliche Schlafstelle durch den Winter kommen. Mir ists lieber, ein Abgewiesener kommt ins Audimax, anstatt auf der Straße zu erfrieren. Das sind Menschen.
Wir nehmen uns Problemen an und ignorieren sie nicht.

Natürlich werden Unis geräumt. Nach 5 Wochen Bedenkzeit hat die ÖVP auch mal mitbekommen, dass ein Problem an den Unis herrscht – und hat promt reagiert. Mit einer Aussendung, dass der Rektor umgehend das Gebäude gewaltsam räumen lassen soll. Tolle Bildungspolitik, oder? (Ok, Mr. Öh-Wahl/CERN Bildungsminister Hahn hats auch etwas vorher mitbekommen und die Studenten ein halbes Jahr mit Empfehlungs-Arbeitsgruppen beschäftigt, damit er sich in Ruhe nach Brüssel absetzten kann). Ich rechne Rektor Winckler aber hoch an, dass er auf den Dialog setzt. Die eine oder andere Partei mag wohl glauben, dass sich mit Polizeibrutalität Probleme lösen ließen, an der Uni wird aber glücklicherweise immer noch lieber das Gehirn anstatt die Faust eingesetzt.

Natürlich kostet die Besetzung Geld. Schließlich muss es ja etwas wehtun, etwas jucken, damit überhaupt gekratzt wird. Seit Jahren wird von der ÖH der Dialog mit der Politik gesucht und dabei bestenfalls ignoriert bzw. in ihren Rechten weiter eingeschränkt. Die Besetzung war tatsächlich das letzte Mittel um auf sich aufmerksam zu machen – und es hat funktioniert. Ein Bildungsdialog ist auch tatsächlich entstanden. Überall… nur halt beim Bildungsministerium nicht. Aber das bekommen wir auch noch hin.
Vielleicht kostets ein paar Hunderttausender, wenn die Vorlesungen nun in einem anderen Gebäude (welches übrigens auch im Bundesbesitz ist) abgehalten werden müssen – aber wenn das wichtigste Gut der modernen Gesellschaft, die Bildung, damit gerettet und verbessert werden kann, ists das allemal wert. Außerdem hat Minister Hahn eh 34 Millionen aus der Portokasse gezaubert – das würde für weitere 3 Jahre Besetzung reichen.
Man darf nicht immer nur im Präsens denken. Was jetzt ein bissl Geld kostet, kann sich in der Zukunft umso mehr auszahlen.

Natürlich wären verschulte, zugangsbeschränkte und teure Studien die schnellste Lösung, Platz an den Universitäten zu schaffen. Aber haben wir nicht gesehen, dass die Studiengebühren in die Sanierung des Staatshaushaltes geflossen sind und die Universitäten nicht sehr viel davon gesehen haben? Sie sogar von Budgetkürzungen betroffen waren? Und erfahren wir nicht gerade, dass verschulte Studienpläne (falls überhaupt) ausschließlich der Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit zugute kommen? Die Persönlichkeitsbildung, die individuelle Spezialisierung nach eigenen Interessen auf der Strecke bleibt? Wieso jammert man über zu geringe Akademikerquoten und schreit dann plötzlich, wenn sich endlich einmal mehr Menschen für ein Studium entscheiden?
Wieso wird Bildung nicht als Chance, sondern als Gefahr gesehen? Österreich als Bildungsland. Das wär doch was, oder? Wieso freut man sich nicht, wenn sich jemand fortbilden will? Wieso kann man nicht Lösungen finden, die über den Horizont von Zugangsbeschränkungen hinausgehen? Man muss halt nachdenken. Tut weh, hilft aber. Dafür werden die Volksvertreter bezahlt.
Wieso kann man Bildung nicht für jede/n wirklich frei zugänglich machen? Es gibt heutzutage so viele technische Möglichkeiten, die man nutzen könnte. Die Studis zeigens vor (Livestream, Wiki, Dezentralisierung, Web 2.0).

Natürlich ist es leicht, ausländischen StudentInnen die Schuld zu geben, dass kein Platz ist. Siehe auch meinen vorigen Punkt. Let it be. Wir sind in der EU, da ist freier Personen und Warenverkehr. Und es sind nur etwa 10% aus dem Ausland. Lasst die Leute bei uns studieren, wenn sie bei uns studieren wollen. Sie kommen freiwillig und bleiben meist auch, zahlen dann wie jede/r andere Steuern und finanzieren wieder die Ausbildung der nächsten Generation. Natürlich sind auch reine NC-Flüchtlinge dabei, aber wie würdest DU handeln, wenn du im eigenen Land nicht studieren dürftest? NC ist das dümmste System zur Aussortierung von Menschen, dass man sich vorstellen kann – da sind sich so ziemlich alle einig. Die Leute die zu uns kommen sind nicht besser oder schlechter als ihre KollegInnen, die einen Studienplatz bekommen haben.

Die Politik fürchtet reinen Bildungstourismus. Ich habe keine Statistiken dazu, aber ich glaube nicht, dass er so ausgeprägt ist wie behauptet wird. Verhindern könnte man den aber vielleicht mit einer neuen Art von Studiengebühren. Eventuell ein virtuelles Konto, dass fix mit der Matrikelnummer verknüpft ist. Inskribiert man in ein Fach, werden automatisch jedes Semester 500 virtuelle Euro abgebucht. Verlässt man am Ende des Studiums das Land fluchtartig, zahlt man die Gebühren auf Raten zurück, bleibt man die nächsten Jahre in Österreich, füllt sich das Konto von Jahr zu Jahr wieder auf, bis man wieder auf null ist.
Wenn ich jetzt keinen massiven Denkfehler habe, ist das sogar eine ganz nette Idee. Auf jeden Fall besser als die des Forschungsrats.

Österreich ist ein bildungsfeindliches Land. Bildung wird einem nicht gegönnt. Immer nur der Aspekt der Wirtschaftlichkeit zählt. Man soll lieber schnell was lernen, damit man arbeiten gehen kann. Geld verdienen. Damit man im großen Zirkus auch endlich mitreden darf.
Nur keiner Randgruppe, keiner Minderheit angehören. Brav sein.
Bei Bildungsfragen wird man nie den Großteil der Bevölkerung hinter sich haben.
Aber Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft, das müssen wir begreifen. Wir brauchen mehr Toleranz, mehr Gleichberechtiung, weniger Angst, weniger Rassismus.
Oder, um es mit den Worten von Ute Bock zu sagen:

Nur mit Bildung kann man erreichen, dass dieser Schwachsinn aufhört





Multimedia-Berufsfelder

15 05 2009

Wie verändert sich der Journalismus? Wie verändert sich die Qualität, wenn immer weniger Journalisten immer mehr leisten müssen. Welche Möglichkeiten bieten technische Konvergenzen? Wieso werden Online-Journalisten nicht nach dem Journalisten-Kollegtivvertrag bezahlt? Wird es in 5 Jahren noch Tageszeitungen geben? Was bringt die Zukunft?

Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir dieses Semester in einer äußerst interessanten Multimedia-Übung am Publizistischen Institut der Uni Wien nach.

Nationale JournalistInnen und internationale ExpertInnen werden derzeit von uns Studenten interviewt. Freut euch auf zahlreiche Podcasts, Videos, Fotos, Email- und Twitterinterviews u.a. mit Robert Misik, Karin Sawetz, Max Kossatz, Armin Wolf, Howard Rheingold oder Ritchie Pettauer.

Die Ergebnisse und weitere Erkenntnisse findet man dann laufend auf unserem gemeinsamen Blog http://multimedia-berufsfelder.blogspot.com und in der dazugehörigen Facebook-Gruppe „Multimedia-Berufsfelder“

Update! Hier das Video vom Ritchie-Interview.





Twitter

28 03 2009

Über Twitter bloggen?

Twitter ist microbloggen. Twitter verdrängt bloggen bzw. ersetzt es auf gewisse Weise. Doch bloggen über Twitter ist populär – vor allem, wenn es um Benutzerhinweise des Dienstes geht. Viele meinen dann, Twitter erfunden zu haben und die do’s and dont’s des Microblogging zu kennen. Natürlich aber soll jeder den Dienst so nutzen, wie er will, ihn auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Jeder wird irgendwen finden, dem er folgen will und jeder wird auch Follower bekommen. Es bilden sich Gruppen und Systeme. Die Tagcloud meiner abonierten Twitterer enthält zB. die Begriffe „social media“, „marketing“, „photography“ oder „blog“. Andere followen halt ihren Freunden, Lieblingscelebrities oder -politikern.

Im Twitterverse muss man sich aber auch entscheiden, was man will. Versucht man beispielsweise, möglichst viele Zuhörer bzw. eine potentielle Zielgruppe zu akquirieren oder auch nur im virtuellen Schwanzvergleich andere Twitterer mit Followerzahlen zu übertrumpfen, hat man zunehmend mit der Übersichtlichkeit der persönlichen Timeline zu kämpfen, dafür aber Vorteile, wenn man auf das Wissen der Crowd zurückgreifen oder Marketing betreiben will.

Wer die Übersicht wahren und Twitter als Echtzeit-Informationssystem nutzen will, sollte sich je nach individueller Aufnahmefähigkeit auf wenige hundert Abonements beschränken, die dafür Qualität versprechen.

Der beste Mix wäre also, viele Follower zu haben und selber nur den interessantesten Usern zu folgen. Als Celebrity beispielsweise kein Problem.

(c) by nacaseven

Twitter und ich

Ich erstellte zu der Zeit einen Account, als gerade Janis Krums‘ Twitpic durch die Public Timeline geisterte und war natürlich sofort angetan von der neuen Art der Kommunikation, die hier geboten wurde. Coole Links, neueste Anwendungen, brandaktuelle News schon viel früher zu kennen, als die Mehrheit – das gefällt nicht nur dem Kommunikationswissenschaftler. Da viele meiner Offline-Freunde neue Gadgets und Anwendungen immer erst etwa 2 Jahre nach mir für sich entdecken, kam ich erst gar nicht in Verlegenheit, mit ihnen übers Frühstück zu twittern und konnte die Anwendung gleich als Informationsquelle bzw. als Prokrastination 2.0 verwenden. Twitter ist ein phantastisches Tool, es ist kurzweilig, man kann sich selber einbringen und auch etwas Selfmarketing betreiben, allerdings kostet eine intensivere Beschäftigung viel Zeit und Energie – vor der letzten Prüfungswoche schaffte ich es doch tatsächlich, an einem Tag 10 Stunden damit totzuschlagen.

Die Zukunft?

Seit Beginn des Jahres schwappt die Twitter (und Facebook) Welle auch über Europa herein, sogar Österreich ist dabei. Diese Welle verändert gerade nachhaltig den Journalismus, die sozialen Beziehungen sowie den Internetkonsum. Wer nicht mitzieht, riskiert eine Informationslatenz bzw. einen Knowledge-Gap, der v.a. in Medienberufen in vieler Hinsicht ein Nachteil sein kann.
Erschreckend an dieser Entwicklung ist auch, dass der klassische Journalismus langsam stirbt. Twitter weiß alles schneller, Blogs berichten in Wort und Bild vom Ort des Geschehens und Nachrichten-Webseiten sammeln diese Links und basteln einen Artikel daraus. Die Leser wandern ins Internet ab, können nun  mit Laptop oder Handy auf ihre Lieblingsseiten via RSS-Feed zugreifen. Die Printmedien büßen Leser ein, verlieren Anzeigekunden und müssen dann weiters am Personal sparen. Die dadurch überforderten Journalisten können nicht mehr selber recherchieren, werden nur noch von PR- und Presseagenturen beliefert und übernehmen diese Inhalte ungeprüft. Die Qualität sinkt, die Abwärtsspirale dreht sich. 85% der amerikanischen Medien werden den Printbetrieb in den nächsten 10 jahren einstellen. Twitter ist jetzt nicht alleinig schuld daran, aber die Beschleunigung der Information und der jederzeitige mobile Abruf via push oder pull trägt jedoch einen großen Teil dazu bei.