Halbzeit

1 03 2010

Ich gebe derzeit wie immer kurz zu Semesteranfang Neulingen und vom ständig sich ändernden Studienplan komplett verwirrten KollegInnen Hilfestellungen zum Studium und es ist wirklich bedenklich, wie rasant sich die Bedingungen zum Negativen geändert haben. Studieren war immer eine art Befriedigung eines intrinsischen Bedürfnisses für mich. Mir gehts nicht darum, später mehr Geld zu verdienen oder mich möglichst rasch durchs Studium zu schummeln, sondern um Bildung und ausloten meiner Interessen und Fähigkeiten. Wenn ich meine Pension planen wollte, hätte ich auch Beamter bei der Landesregierung bleiben können.
Ich muss aber sagen – unter den derzeitigen Bedingungen würde ich es mir zweimal, dreimal, viermal überlegen, mich da durchzuwurschteln – denn nichts anderes ist es.

Mittlerweile gibt es für jede einzelne Vorlesung/Übung/Arbeitstechnik eine Voraussetzungskette. „Freie“ Wahlfächer sind so pervers gestaltet, dass praktisch jedes Fach vorgeschrieben wird. Die Uni versucht mit starren Stundenplänen FH zu spielen und scheitert. In einer FH fangen vielleicht 30 Personen mit demselben Studienplan an, am PuKW-Institut 1500, die sich auf 7 Pläne aufteilen. Wer braucht jährlich 220 Leute, die alle exakt dasselbe können? Man darf „alle Wahlfächer belegen, die keinen Spaß machen“, erzählt der Studienprogrammleiter höchstpersönlich bei der Einführungsveranstaltung. Ich wusste nie, was er damit meint, denn mir macht das Studieren Spaß – aber nun ist es wohl traurige Wirklichkeit – man muss nun Fächer studieren, die keinen Spaß machen. Das ganze ist gepaart mit einem Anmeldesystem, dass nicht mehr wie früher nach Geschwindigkeit funktioniert, sondern nach dem Präferenzsystem, d.h. wer mehr als 2 Übungen pro Semester machen will und dafür Punkte vergeben muss, kommt wahrscheinlich in gar keine rein, d.h. Verlangsamung des Studiums. Bei der Prüfung zu Semesterende müssen dann wieder Punkte vergeben werden. Das sind alles Auswirkungen der abgeschafften Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen – und mit etwas „Glück“ haben wir nächstes Semester diese Zustände UND Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

Heute anzufangen hieße für mich, nicht nach meinen Interessen studieren zu können (einer meiner Schwerpunkte, Theater-, Film- und Medienwissenschaft wird zB. gar nicht mehr angeboten) und aufgrund des Anmeldesystems wahrscheinlich das Stipendium zu verlieren.
Ok, aber jeder, der #unibrennt verfolgt hat bzw. selber studiert ist sich darüber im klaren und fragt sich wohl ebenso wie ich, wieso die österreichischen MinisterInnen immer gegen das eigene Ressort arbeiten müssen.

Achja… habt ihr übrigens gewusst, dass man den PuKW-Master mit dem Titel „Magister“ abschließt? Der soll angeblich „aussagekräftiger“ und „besser“ sein. Fakt ist aber, dass der MA international ist und der Mag. der alte, 4-Jährige Abschluss ist. Also ein Jahr länger studieren für den alten Titel. Äußerst motivierend.

Zurück zum Thema. Ich liege außerordentlich gut in der Zeit und werde, sofern ich zu Semesterende keine Prüfung versemmle, im nächsten Wintersemester den Master beginnen. Ich hätte mit diesem Post eigentlich Vorlesungstipps für Studierende geplant gehabt, aber durch die abgeschafften Wahlfächer haben wohl mehrheitlich nur noch Studierende mit dem jeweiligen Hauptstudium etwas davon… bzw. gar niemand – viele sehr kompetente Professoren wurden nämlich von anderen Universitäten abgeworben.
So zum Beispiel Prof. Latzer (jetzt in Zürich), der mir die Medienökonomie näher brachte. Prof. Wirth (jetzt in Essen), ein toller und engagierter Bildungspsychologe. Prof. Zurstiege (jetzt in Tübingen) aus der Medienwirkungsforschung. Prof. Trappel (jetzt Salzburg), unterrichtete äußerst kurzweilig Medienpolitik. Prof. Hartmann (jetzt in Weimar), ein Katalysator für (Quer)denker in der Medienphilosophie.

Von den bis dato an der Uni verbliebenen Lehrenden will ich noch besonders hervorheben:
Prof. Olbrich-Baumann, der wohl so interessant und unterhaltsam wie kein anderer die Sozialpsychologie vermittelt. Wenn eine VO um 8:00 Uhr beginnt und ich habe in 2 Semestern 0 Fehlstunden, sagt dies einiges über die Qualität aus.
Medienpsychologie bei Prof. Vitouch ist sogar eine Pflichtveranstaltung der Publizistik und nur zu empfehlen.
Die „Freitagsrunde“ bei Peter Baminger, wo man alles lernt, was man zum Filmemachen braucht sowie Interessante Gastvortragende (zB. Ruzowitzky, Feuerstein), Diskussionen und Exkursionen erleben kann.
Prof. Krzeszowiak, ein Allroundtalent. Lehrt an mehreren Schulen International gleichzeitig, hat u.a. die Quecksilberdampf-Hochdrucklampe erfunden, riesige Wälzer über Lichttechnik und Mozart geschrieben und peppt die LV gerne mal mit (internationalen) Exkursionen auf.
Dr. Betz hat die für mich bis dato inspirierendste Medienphilosophie-LV gehalten, derer zahlreiche und stundenlange Diskussionen mit Kollegen folgte.
Diese ganzen Vorlesungen hatten keine Anwesenheitspflicht und ich besuchte sie fast ohne Fehlstunden und stets hochmotiviert.

Demotivierend waren bis dato nur die meisten Pflichtveranstaltungen. Tutorien mit sinnlosen Inhalten oder Übungen und Arbeitstechniken, die nichts mit der ursprünglichen Beschreibung zu tun hatten. Zum Beispiel wurde mir vergangenes Semester mein 1er-Notenschnitt von einer Multimediajournalismus-Übung zunichte gemacht. Die Inhalte waren Schlagzeilenanalyse von Tageszeitungen, Exkursion zu einer Tageszeitung, Redaktionssitzung für ein Magazin, Exzerpieren eines Texts über die Reportage und eines Texts über Onlinejournalismus von 2002, das Erfinden von Geschichten zu Pressefotos und der Alltag in der Tageszeitungsgestaltung und -distribution. Wie man also eindeutig sehen kann haben die Herrschaften das „Multimedia-“ geistig mit „Print-“ ersetzt und deswegen eine klare Themenverfehlung unterrichtet. Aber nicht ganz. Ein superhypermoderneR „Blogg“ wurde „programmiert“ und die Studierenden durften Content dafür entwickeln. Vor lauter Freude, doch multimedial arbeiten zu dürfen, drehte ich mit 2 Kollegen innerhalb einer Woche eine #unibrennt-Doku mit etwa 50h Arbeitsaufwand. Hat sich nicht ausgezahlt. Da mein Exzerpt „keine Wissenschaftliche Arbeit“ war, die Geschichte zu meinem Foto „nicht gut genug erfunden“ und ich „insgesamt 4h gefehlt habe“ ist sich eben nur ein 3er ausgegangen. Wenigstens können wir das Blog „bei einer Bewerbung als Referenz vorzeigen“ und vielleicht bei KollegInnen lernen, wie mans besser macht.

Multimedia ist heute schon soviel mehr, als ein Blog mit Standardtemplate aufzusetzen und dann, wie in einem Magazin, Ressorts zu Gestalten, wo je ein Artikel drinnen ist, nur um es dann zu Semesterende verwaisen zu lassen. Es gibt multimediale Inhalte, Tagging, Integration von Social Networks und Verbreitung über selbige, Statistiken lesen und auswerten, verlinken, vernetzen, promoten, einen Namen machen, etablieren… aber ok, den Herrn Multimediajournalismus sagte ja nichtmal „Creative Commons“ etwas…
Aber auch auf das Studium, auf die Studierenden bezogen, ist das ganze „Internet-Zeug“ für viele interessanterweise gar nicht so selbstverständlich. Ich wundere mich immer wieder über die KollegInnen, die trotz Kommunikationswissenschaftsstudium null Interesse an Forschung und Neuen Medien zeigen. Leute, allein mit den Praxisfeldern Print, Werbung und Historische Kommunikationsforschung werdet ihr in der heutigen Arbeitswelt nicht Fuß fassen können. Da sich die gesamte Gesellschaft und Kultur global so massiv wie nie zuvor verändert, muss man als junger Mensch die Medien einfach nutzen können. In 5 Jahren interessiert kein Schwein mehr eine Werbung im Fernsehen oder in einer Zeitung, weil man das dann ganz bequem online konsumieren kann und es wahrscheinlich gar keine Tageszeitung mehr gibt. Kein Medium wird Journalisten aufnehmen, die nicht via Twitter zuverlässig recherchieren können. Keine Firma schreit nach PR-Leuten, die mit Sozialen Netzwerken Farmville und mit Viralem Marketing pharmazeutische Mittel verbinden. Kein modernes Unternehmen stellt mehr Leute ein, die über Google unauffindbar sind.
Wir hatten eine Übung, die sich laut Beschreibung klar und deutlich mit Twitter-Forschung beschäftigte. Wir vier Kollegen (über Social Networks kennengelernt) verabredeten uns über Twitter, sie gemeinsam zu besuchen. In der ersten Stunde sollten wir uns je nach Erfahrung mit Twitter im Raum aufteilen. Wir vier waren die einzigen, die den Dienst regelmäßig verwendeten. Auch jetzt, nach Ende der Übung hat sich diese Zahl nicht wirklich verändert.
Wenn man als Kommunikationswissenschaftler mit aller Gewalt den derzeit schnellsten und wichtigsten Nachrichtendienst nicht nutzen will, soll man dies eben tun. Gut für mich… bzw. für uns.
Weiters hat sich im Laufe des Semesters eine sehr effiziente und gemütliche Lernrunde 2.0 gebildet, die ich sehr schätze. Wir arbeiten kollaborativ mit Google Docs, Google Wave, Twitter, Skype und Dropbox. Funktioniert wunderbar, wenn alle mit der Technik und den Möglichkeiten vertraut sind! So sind schon sehr schöne Stoff- und Mitschriftensammlungen entstanden, die auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben.
Die Nutzung solcher Dienste, die gemeinsames Forschen und Connecten erlauben, werden bei uns auch nicht wirklich unterrichtet. Es werden zwar vermehrt Social Media Erfahrene aufgenommen (anscheinend derzeit mit Grundvoraussetzung Blog- und Twitter-Verwendung), aber die lehren auch immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Der Ausblick
Wie im Titel zu erkennen, 5 Semester vorbei. Ich habe Halbzeit. Theoretisch. Sobald ich den Bachelor fertig habe, werd ich mir mal ein Bildungssemester gönnen, in dem ich nach meinen Interessen forschen kann und nicht nach denen des Studienplans. Ich habe sehr gute Ideen zur Twitter-, Facebook-, Internetforschung und Bildungspsychologie, denen ich zumindest in meiner BAKK1-Arbeit nicht nachgehen konnte, weil sie nicht in das Forschungsfeld (welches nirgends angegeben war) der LV-Leiterin passten – so blieb nur mal wieder die Zeitungswissenschaft und ich habe erforscht, wie die Tageszeitungen über #unibrennt berichtet haben. Endlich durfte ich auch, wie wohl so ziemlich jeder PuKW-Student vor mir, empirisch herausfinden, dass der Boulevard tendenziös und subjektiv berichtet. Hurra.
Die Ergebnisse dieser, sowie einer Facebook und einer Twitter-Forschung werde ich bei Gelegenheit mal bloggen.

Eines werden die zukünftigen Semester auf jeden Fall: teuer. Ich war ja zuerst arbeiten, damit ich nachher vollzeit studieren kann, aber derzeit tendiere ich wieder Richtung Job. Das Gesetz, die Öffis, die Kultureinrichtungen unterscheiden nämlich nicht zwischen Alter und Semester, sondern diskriminieren einfach Studenten, die aus diversen Gründen einfach später ihre Berufung gefunden haben. So zahle ich ab sofort 50€ pro Monat statt pro Semester für die Öffis, 25€ statt 0€ Krankenkassa, durchschnittlich 5€ mehr bei Kunst und Kultur, den „Erwachsenen“-Handytarif – und die Familienbeihilfe ist auch weg (bekomme ich aber durchs Stipendium weiter). So werden aus 100€ pro Monat für Essen und Fortgehen so circa 0€. Meine Eltern sponsern zwar meine Schwester mit unglaublich hohen Beträgen, aber meine Autonomie  widerstrebt sich gegen den Gedanken, sich erhalten zu lassen. Absoluter Notfallplan also. So wies aussieht werfen meine Nebenbei-Gschaftln aber demnächst die fehlenden 100€ ab – also wirds wohl halb so schlimm werden – und für den Notfall, sich die Öffis mal nicht leisten zu können, setze ich gerade einen Schwarzfahrer-Bot auf.

Welchen Master ich nach dem Bachelor mache, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen. Ein Blogpost von Petra Köstinger hat mich dazu inspiriert, auch andere Unis oder FHs Erwägung zu ziehen. Vielleicht auch parallel. Ich nehme gerne Tipps an! Wobei ich mit meinem ausgeprägten Nacht-Chronotyp und Hang zur freien Stundenplangestaltung wohl der ungeeignetste Mensch ever für ein FH-Studium bin… 😉
Mir gefällt trotz allem die Hauptuni in Wien. Ich werde ihr wohl treu bleiben.





Ein langer Text zu #unibrennt

9 12 2009

Die beste Bildung passiert abseits des Hauptstudiums, nachdem man endlich verstanden hat, dass man auch selber denken kann.

Als ich zu studieren begonnen habe, lag mein Hauptaugenmerk vor allem darauf, dass ich mein Mindestmaß von 30 ECTS pro Semester schaffen würde, um mein Stipendium nicht zu verlieren bzw. die Aufnahmeprüfungen der Zugangsbeschränkung zur Zufriedenheit meiner Professoren abzulegen. So bestanden die ersten zwei Semester aus purem auswendig lernen von Satzmustern, damit man bei den Multiple Choice Tests den klanglich richtigen Begriff ankreuzen konnte. Ich wurde also geradezu hineingeboren in den Wahnsinn von Leistungsdruck und Effizienz.
Wenigstens ist einiges hängengeblieben. Viele KollegInnen rühmen sich ja damit, besonders konsequent bei allen Massenprüfungen geschummelt zu haben – oder auch besonders gefinkelt die Ergebnisse ihrer BAKK-Arbeit gefälscht zu haben. Schließlich verkürzt dies den Aufwand und somit die Studiendauer und man kann sich möglichst bald Bätschelor oder auch Masta nennen und auf Arbeitssuche gehen.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich mit der Hetzerei etwas entscheidendes vergesse. Die Persönlichkeit zu bilden, eigene Interessen zu verfolgen, das Gelernte kritisch zu hinterfragen.
Es sind die kleinen Lehrveranstaltungen, meist Wahlfächer, mit jungen externen Lektoren, die einen Studenten erst so richtig zum eigenständigen Denken anregen können und aufzeigen, dass auch andere Ansätze und Paradigmen als die der Lehrenden existieren. Es ist schwer, solche Personen zu finden – aber es gibt sie. Und letztendlich waren es solche Fächer, die den Spaß am Studieren, das Interesse neues zu erarbeiten und bisheriges in Frage zu stellen bzw. kritisch zu hinterfragen erst richtig aktiviert haben. Das sind dann Sachen, die einfach wirken müssen und viel Zeit zum verarbeiten brauchen und teilweise dann letztendlich nichtmal in meiner Sammlung absolvierter Prüfungen aufscheinen.

Ich denke, man muss nur mal aus seiner stoischen Haltung, indoktriniert vom Bologna-System erwachen um auch wirklich für sich selbst zu studieren und nicht nur für den Arbeitsmarkt. Durch die letzte Verschärfung im Studienplan muss man sich halt eine andere Möglichkeit einfallen lassen, das zu tun – denn „Wahlfächer“ sind ab sofort fix vorgeschrieben.

Die Besetzung des Audimax hat garantiert Ähnliches bewirkt. Sie hat aufgerüttelt. Polarisiert. Zum Denken angeregt.
Seit etwa 50 Tagen sind nun international über 80 Unis besetzt. Wir konnten ein Zeichen setzten. Es wurde und wird qualitativ höchstwertig diskutiert und zwar auf gleicher Augenhöhe.
Es gibt Vorträge und Wortmeldungen, die einem zu Tränen rühren, weil ausgesprochen wird, was falsch läuft auf dieser Welt. Ja – es geht uns nicht nur ums Bildungssystem, das haben wir schon zuhauf durchdiskutiert. Es geht um Aufklärung, Toleranz, Information, Politik. Die Bewegung ist für mich zu diesem oben genannten Lektor geworden, der mir Denkanstöße gibt und mich zum Beispiel darüber aufklärt, wieso so viele Menschen wie nie zuvor, eine Milliarde, hungern müssen, obwohl wir problemlos zwei Mal den gesamten Planeten ernähren könnten. Wieso Lebensmittelverpackungen noch immer aus giftigen Material hergestellt werden, dass immer mehr Menschen unfruchtbar macht. Wieso die 90% der Menschen, die sich um 20% des Geldes streiten müssen von den 10%, die die restlichen 80% besitzen gegeneinander aufgehetzt werden. Wieso Minderheiten gezielt diskriminiert werden.
DAS IST Bildung. Besser kann man das Audimax gar nicht nutzen. Ein Ort des Lernens und der Kultur, die heute für Studenten unleistbar geworden ist. Das ist wie 10 Vorlesungen am Tag, die noch dazu interessant sind und meist auch von internationalen ExpertInnen vorgetragen werden.

Leider ist die Energie vom Anfang nun nicht mehr so sichtbar wie sie es sein sollte. Die Hinhaltetaktik der Politik und des Rektorats samt den stetigen Versuchen, die StudentInnen in der Öffentlichkeit schlecht auszusehen lassen zeigen an der Oberfläche Wirkung. Im Kern hat sich nichts geändert. Die Studierenden sind immer noch unzufrieden. Sie arbeiten weiter – dezentral in Arbeitsgruppen. Organisieren Veranstaltungen oder Flashmobs, machen Öffentlichkeitsarbeit.
Doch der beste Kommunikationswille von unserer Seite reicht einfach nicht aus um gegen Hass und Vorurteile anzukommen. Das beste Argument, die schlüssigste Diskussion kann mit einer schwachsinnigen Meldung eines potentiellen Gesprächspartners, zumindest aus seiner Sicht, vom Tisch gewischt werden.
Ich hab zwar großes Vertrauen in meine Mitbürger, aber manche Einstellungen oder auch Statistiken machen es mir sehr schwer, selbige als mündig anzusehen.
Die Leute wollen nicht denken, nein, viele wünschen sich sogar einen starken Führer, der ihnen sagt, was sie denken und tun sollen, jemanden, der sie von all dem Abschaum befreit, der nicht so aussieht oder so denkt wie man selber.
Halb Österreich liest (meist exklusiv) die Kronenzeitung, die wohl das beliebteste Forschungsobjekt in meiner Studienrichtung ist und ich kann mit unzähligen Studien im Hintergrund signifikant behaupten, dass dieses Blatt hoch manipulativ ist und weit entfernt von Wahrheit und Objektivität schreibt. Das wissen auch die meisten ihrer Leser. Aber „das Format ist halt so praktisch“.

Ich rede in letzter Zeit immer wieder Leute an und frage sie, was sie von den Studierendenprotesten halten. Dabei erfahre ich oft, dass der Bewegung wenig Verständnis entgegengebracht wird. Man soll nicht nur Partys feiern, sondern endlich einmal Forderungen ausarbeiten.
Man soll die Sandler rausschmeißen. Man soll die Deutschen nicht bei uns studieren lassen.

Fazit: Wenns einem selbst nicht betrifft, orientiert man sich an einer möglichst negativen Information, die man in irgendeinem Boulevardblatt aufgeschnappt hat und mischts ein bisschen mit Fremdenhass und Beleidigungen.

Und darauf vertraut auch die Politik. Auf Desinteresse und stereotyper Weltsicht. Wenn eine Partei fast durchgehend Minister hat, die in ihrem Ressort Totalversager sind, muss man die Schuld auf andere schieben. Möglichst auf welche, die in der Minderzahl sind und sich deshalb demokratisch nicht wehren können. Böse Ausländer die unsre Jobs klauen und Häuser aufbrechen, Alleinerzieher die sich in der sozialen Hängematte ausruhen, Lehrer die eh nur Urlaub haben, Muslime die aus Minaretten Raketen auf Christen abschießen, Studenten die 10 Jahre auf Kosten des Steuerzahlers Party machen und dann einen Titel geschenkt bekommen.
Scheiße bauen, Minderheiten in die Schuhe schieben, die Konzerne und Hauptwählergruppen mit ein paar Milliarden zufrieden stellen und bei der nächsten Wahl sehen die Ergebnisse wieder gleich aus.

Ich habe mir auch die Facebook-Gruppe „Studieren statt blockieren“ angesehen. Die müssen ja äußerst zufrieden sein mit dem derzeitigen Bildungssystem. Habe ein paar Seiten durchgelesen und gemerkt, dass weder Argumente, noch ernsthafte Diskussionen zu finden sind. Die Wortmeldungen bestehen aus Hass, Missgunst und diebischer Freude, wenn jemand einen Bericht einer gewaltsamen Uniräumung oder ein Foto von einem Sandler postet. Aber anscheindend sehen sich dort alle im Recht und sind ebenso auf ihre Meinung eingefahren, dass sie durch einen Diskurs nicht umzustimmen sind.
Aber ich gehe gerne auf ein paar Punkte ein…

Natürlich ist das Audimax nun leerer als Anfangs. Schließlich läuft ja nun die Infrastruktur und die Studenten sind vernetzt. Man braucht nicht alles nochmal durchzudiskutieren. Die Forderungen sind fertig, man braucht kein 24h-Marathonplenum mehr. Wer weiß, vielleicht braucht man bis zu den nächsten Verhandlungen auch gar nicht mehr ständig das Audimax. Vielleicht sollte man nach einem großen Abschlussplenum den Forderungskatalog hinterlassen und nächstes Semester frisch und erholt wieder einziehen, sollte sich nichts geändert haben.

Natürlich sind Obdachlose im Audimax. Es ist ein besetztes Gebäude, wo niemand ausgeschlossen wird. Vor allem nicht die Schwächsten der Schwächsten. In den meisten Notschlafstellen werden nur Österreichische Staatsbürger aufgenommen, falls überhaupt Platz ist. 500 obdachlose EU-Bürger müssen in Wien ohne öffentliche Schlafstelle durch den Winter kommen. Mir ists lieber, ein Abgewiesener kommt ins Audimax, anstatt auf der Straße zu erfrieren. Das sind Menschen.
Wir nehmen uns Problemen an und ignorieren sie nicht.

Natürlich werden Unis geräumt. Nach 5 Wochen Bedenkzeit hat die ÖVP auch mal mitbekommen, dass ein Problem an den Unis herrscht – und hat promt reagiert. Mit einer Aussendung, dass der Rektor umgehend das Gebäude gewaltsam räumen lassen soll. Tolle Bildungspolitik, oder? (Ok, Mr. Öh-Wahl/CERN Bildungsminister Hahn hats auch etwas vorher mitbekommen und die Studenten ein halbes Jahr mit Empfehlungs-Arbeitsgruppen beschäftigt, damit er sich in Ruhe nach Brüssel absetzten kann). Ich rechne Rektor Winckler aber hoch an, dass er auf den Dialog setzt. Die eine oder andere Partei mag wohl glauben, dass sich mit Polizeibrutalität Probleme lösen ließen, an der Uni wird aber glücklicherweise immer noch lieber das Gehirn anstatt die Faust eingesetzt.

Natürlich kostet die Besetzung Geld. Schließlich muss es ja etwas wehtun, etwas jucken, damit überhaupt gekratzt wird. Seit Jahren wird von der ÖH der Dialog mit der Politik gesucht und dabei bestenfalls ignoriert bzw. in ihren Rechten weiter eingeschränkt. Die Besetzung war tatsächlich das letzte Mittel um auf sich aufmerksam zu machen – und es hat funktioniert. Ein Bildungsdialog ist auch tatsächlich entstanden. Überall… nur halt beim Bildungsministerium nicht. Aber das bekommen wir auch noch hin.
Vielleicht kostets ein paar Hunderttausender, wenn die Vorlesungen nun in einem anderen Gebäude (welches übrigens auch im Bundesbesitz ist) abgehalten werden müssen – aber wenn das wichtigste Gut der modernen Gesellschaft, die Bildung, damit gerettet und verbessert werden kann, ists das allemal wert. Außerdem hat Minister Hahn eh 34 Millionen aus der Portokasse gezaubert – das würde für weitere 3 Jahre Besetzung reichen.
Man darf nicht immer nur im Präsens denken. Was jetzt ein bissl Geld kostet, kann sich in der Zukunft umso mehr auszahlen.

Natürlich wären verschulte, zugangsbeschränkte und teure Studien die schnellste Lösung, Platz an den Universitäten zu schaffen. Aber haben wir nicht gesehen, dass die Studiengebühren in die Sanierung des Staatshaushaltes geflossen sind und die Universitäten nicht sehr viel davon gesehen haben? Sie sogar von Budgetkürzungen betroffen waren? Und erfahren wir nicht gerade, dass verschulte Studienpläne (falls überhaupt) ausschließlich der Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit zugute kommen? Die Persönlichkeitsbildung, die individuelle Spezialisierung nach eigenen Interessen auf der Strecke bleibt? Wieso jammert man über zu geringe Akademikerquoten und schreit dann plötzlich, wenn sich endlich einmal mehr Menschen für ein Studium entscheiden?
Wieso wird Bildung nicht als Chance, sondern als Gefahr gesehen? Österreich als Bildungsland. Das wär doch was, oder? Wieso freut man sich nicht, wenn sich jemand fortbilden will? Wieso kann man nicht Lösungen finden, die über den Horizont von Zugangsbeschränkungen hinausgehen? Man muss halt nachdenken. Tut weh, hilft aber. Dafür werden die Volksvertreter bezahlt.
Wieso kann man Bildung nicht für jede/n wirklich frei zugänglich machen? Es gibt heutzutage so viele technische Möglichkeiten, die man nutzen könnte. Die Studis zeigens vor (Livestream, Wiki, Dezentralisierung, Web 2.0).

Natürlich ist es leicht, ausländischen StudentInnen die Schuld zu geben, dass kein Platz ist. Siehe auch meinen vorigen Punkt. Let it be. Wir sind in der EU, da ist freier Personen und Warenverkehr. Und es sind nur etwa 10% aus dem Ausland. Lasst die Leute bei uns studieren, wenn sie bei uns studieren wollen. Sie kommen freiwillig und bleiben meist auch, zahlen dann wie jede/r andere Steuern und finanzieren wieder die Ausbildung der nächsten Generation. Natürlich sind auch reine NC-Flüchtlinge dabei, aber wie würdest DU handeln, wenn du im eigenen Land nicht studieren dürftest? NC ist das dümmste System zur Aussortierung von Menschen, dass man sich vorstellen kann – da sind sich so ziemlich alle einig. Die Leute die zu uns kommen sind nicht besser oder schlechter als ihre KollegInnen, die einen Studienplatz bekommen haben.

Die Politik fürchtet reinen Bildungstourismus. Ich habe keine Statistiken dazu, aber ich glaube nicht, dass er so ausgeprägt ist wie behauptet wird. Verhindern könnte man den aber vielleicht mit einer neuen Art von Studiengebühren. Eventuell ein virtuelles Konto, dass fix mit der Matrikelnummer verknüpft ist. Inskribiert man in ein Fach, werden automatisch jedes Semester 500 virtuelle Euro abgebucht. Verlässt man am Ende des Studiums das Land fluchtartig, zahlt man die Gebühren auf Raten zurück, bleibt man die nächsten Jahre in Österreich, füllt sich das Konto von Jahr zu Jahr wieder auf, bis man wieder auf null ist.
Wenn ich jetzt keinen massiven Denkfehler habe, ist das sogar eine ganz nette Idee. Auf jeden Fall besser als die des Forschungsrats.

Österreich ist ein bildungsfeindliches Land. Bildung wird einem nicht gegönnt. Immer nur der Aspekt der Wirtschaftlichkeit zählt. Man soll lieber schnell was lernen, damit man arbeiten gehen kann. Geld verdienen. Damit man im großen Zirkus auch endlich mitreden darf.
Nur keiner Randgruppe, keiner Minderheit angehören. Brav sein.
Bei Bildungsfragen wird man nie den Großteil der Bevölkerung hinter sich haben.
Aber Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft, das müssen wir begreifen. Wir brauchen mehr Toleranz, mehr Gleichberechtiung, weniger Angst, weniger Rassismus.
Oder, um es mit den Worten von Ute Bock zu sagen:

Nur mit Bildung kann man erreichen, dass dieser Schwachsinn aufhört





Die gestreamte Revolution und die Demo

30 10 2009

Also das hat mich schon gewundert. Gestern auf der Demo wurde ich doch glatt aufgefordert, mir eine Einwilligung der Personen zu holen, die ich filme bzw. darauf aufmerksam gemacht, dass „die Leute nicht gefilmt werden wollen“. Ok, es war ein Einzelfall, aber er amüsierte mich. Eine angekündigte, öffentliche Großdemo mit 50.000 Teilnehmern im öffentlichen Raum für eine von der Bevölkerung großteils als positiv bewerteten Sache und ich darf nicht fotografieren und filmen. Also manche Ansichten sind wirklich sehr radikal oder vielleicht hat der liebe Kollege auch an zu vielen „nicht so friedlichen Demos“ teilgenommen…

nostream

Diese Texte hängen unter anderen auch im Audimax. Natürlich akzeptiere und respektiere ich die Meinungspluralität bei dieser Bewegung (obwohl sie von einigen Kollegen nicht akzeptiert wird, wenn mal ein Gegner der Besetzungen spricht), aber die Aussage des Plakates ist schlichtweg falsch. Natürlich bin ich ein massiver Gegner von Überwachung, aber bei #unibrennt geht es um eine öffentliche und offene Bewegung, an der jeder (der sich vielleicht so nicht ins Audimax trauen würde) partizipieren soll und kann. Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es positive Rückmeldungen über diese offene Form des Diskurses über eine neue Bildungspolitik. Alles, was derzeit abläuft, haben wir nicht etwa einem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk zu verdanken, der gezielt immer dann anrückt, wenn das Audimax ziemlich leer ist und danach auf der Straße Leute zu Wort kommen lässt, die für Gebühren sind, damit „nicht alles studieren kann“ – sondern unseren eigenen Kanälen. Via Facebook, Skype, Studivz, Livestreams (3000 Zuseher!), Twitter, etc… haben wir uns vernetzt und koordiniert und schlussendlich eine der größten Demos Österreichs zustande gebracht – und nein, es waren niemals nur 10.000 Leute. Wers nicht glaubt, kann gerne nachzählen!

Was für eine Veranstaltung! Für die Menge hätten wir 40 Audimaxe‘ gebraucht, um alle Teilnehmer unterzubringen. Soviel Energie lag in der Luft, ein wahrer Höhepunkt dieser Bewegung. Am Schluss musste sogar der Ring bis 2:00 Uhr gesperrt bleiben, während Ja Panik! und Luise Pop auf der Spitze der Unirampe die Menge bespielte.
Das alles haben WIR geschafft. Mithilfe nationaler und internationaler Vernetzung mittels neuer Medien.
Sonst hätten nie Medien, Schüler, Studenten, Migranten, Arbeiter, Angestellte, Junge, Alte, Behinderte und Professoren zu uns gefunden, unsere Meinung gehört und sich mit uns solidarisiert.
Was für eine schöne Zeit, in der den Mainstreammedien nicht mehr blind vertraut wird, die uns als partymachende Säufer ohne Plan und Ziel hingestellt haben. Denn wer mal einen Tag den Stream verfolgt hat, wird sehen, wie subjektiv die sogenannten unabhängigen Medien über die Besetzungen der Hörsäle berichtet haben.

Demo

Der vorläufige Höhepunkt des Protestes ist nun erreicht. Nun muss man darauf achten, dass die Netzwerke nicht müde werden und sich von der ständig abwartenden und gesprächsverweigernden Politik nicht demotivieren lassen. Zu viele Meinungen und Richtungen haben sich aufgetan, erste Diskrepanzen kristallisieren sich heraus und die Netzwerke werden durch neue nationale und internationale Besetzungen und Informationsüberschuss stark belastet – ich hoffe, allen wird das höhere Ziel der Bewegung bewusst, helfen mit und lassen sich nicht unterkriegen!
Auch nicht durch Bombendrohungen!





Ein unlöschbarer Flächenbrand. Die #unibrennt!

27 10 2009

Jetzt ist es passiert. Die Studenten der Österreichischen Universitäten hatten endlich genug von den Einschränkungen, schwachsinnigen Anmeldesystemen, Voraussetzungsketten, stetig wachsendem Einfluss der Politik und vielen weiteren Punkten. Die Generation Praktikum, die mutmaßlich lieber schnell ausgebildet, als umfassend gebildet werden will, die angeblich keine Interesse an Politik mehr hat, hat sich vereinigt und, ausgehend von der Besetzung der Akademie der Bildenden Künste, den größten Lehrsaal der Universität, das Audimax besetzt.

Ich erfuhr von der Besetzung zeitgleich via Telefon und Twitter und machte mich so schnell wie möglich auf den Weg – und streamte mein erstes Eintreffen sogar Live, schickte auch gleich, wie viele andere, ein paar Fotos und Videos hinterher (das wars ab jetzt mit Eigenlinks, versprochen ;)).
Die Onlinemedien sprangen auf und schon bald war das Audimax voller als bei einer Einführungsvorlesung der Publizistik.

Audimaxbesetzung

Am ersten Tag wurden zahlreiche Reden geschwungen und Parolen gebrüllt, am Abend ausgiebig und zivilisiert gefeiert. Die Uni gehörte uns!
Wie immer bei öffentlichen Räumen, die 24h lang zugänglich sind, kam es zu Vorfällen wie mit Permanent Marker getaggte Wände und einem kleinen zerbrochenem Glaselement einer Türe.
Die Schäden wurden am nächsten Tag von der Uni mit 100.000€ beziffert. Den Sachverständiger muss ich mir im Falle des Falles mal ausborgen.

Dementsprechend fiel auch die erste Berichterstattung der konservativen Blätter aus. Ein unorganisierter Haufen macht 24h Party lautete der Tenor (und hält sich teilweise auch bis dato).

Am Ende des ersten Tages hatten mein Content an die 10.000 Views, ich war in großen Onlinemedien verlinkt, Anfragen für Fotos lagen im Email-Postfach und RTL wollte mich (für 50€ :p) als Kameramann engagieren.

Schon am Tag zwei erwuchsen deutlich sichtbare basisdemokratische Strukturen. Die Arbeitsgruppen, die sich schon am Vortag gebildet hatten, nahmen ihre Arbeit auf und präsentierten die Ergebnisse im Plenum. Eine Infrastruktur von Presse bishin zu einer Küche war im Aufbau und am Tage wurde schon mal eifrig demonstriert.

Audimaxtag5

Wer heute, am Tag 6, das Audimax betritt, findet sich in einer eigenen Welt wieder. Es steckt Energie in diesem großen Raum. Es gibt mittlerweile 75 Arbeitsgruppen, die diverseste Dinge in der Gruppe diskutieren, herstellen und präsentieren. Von 7:00 Uhr früh bis 1:00 Uhr morgens gibt es an mehreren Standorten Plenen, Vorträge, Filme und Diskussionen mit internationalen ExpertInnen. Alle sind gleich und jeder darf seine Anliegen vorbringen und mitdiskutieren. Beschlüsse werden ebenso gefasst. Eine kleine Stadt ist entstanden. Jeder ist integriert, kann mithelfen, wird und fühlt sich gebraucht.
Ein Livestream aus dem Audimax (und jetzt auch aus bis dato 4 weiteren Universitäten) versorgt ca. 3000 Personen mit Informationen, die gerade nicht vorort sein können bzw. aufgrund der chronischen Überfüllung einfach nicht mehr in den Raum kommen. Daneben wird simultan in Gebärdensprache übersetzt. Im Hintergrund läuft eine Twitterwall, die es jedem erlaubt zu partizipieren. Eine Website vernetzt alle deutschsprachigen Unis, es gibt ein Wiki, einen Youtube-Kanal und eine Datenbank mit Material. Kurz: in einer knappen Woche wurde signifikant mehr gemacht und aufgebaut, als es die Uni in den letzten Jahren geschafft hatte.
Nun sind wir effizient und vernetzt. Andere Universitäten, Schulen, Parteien, Firmen, Arbeiter, Konzerne, Gruppen, … solidarisieren sich, die Medien, v.a. die für die Mainstreammeinung wichtigen Boulevardmedien, berichten nun neutral bis überaus positiv.
Lt. Robert Misik hängen auch sämtliche Journalisten vor den Livestreams, weil sie einfach nicht glauben können, wie effizient, gemeinsam, fair und organisiert die Bewegung arbeitet.
Hier eine gute Linksammlung zu diesem Thema.
Natürlich gibt es nach wie vor Gruppen, denen die Besetzung gar nicht passt, denen es IMHO aber einfach nur an vorurteilsfreier Selbstreflexion fehlt. Hier ein guter Blogpost dazu.

Wer von der Aufbruchstimmung angesteckt werden will, soll einfach in seine nächstgelegene Uni schauen und sich an einem Plenum oder einem Vortrag beteiligen bzw. sich die On-Demand Streams (zB. diesen oder jenen (ab Minute 5)) ansehen, denn sonst versäumt er/sie das bildungspolitisch wohl wichtigste Ereignis des (mindestens) Jahrzehnts.
StudentInnen, die konstruktiv, natürlich nicht immer ganz Problemlos, an einer Lösung der Bildungsmisere arbeiten und um Anhörung ihrer Probleme bzw. einen konstruktiven Diskurs betteln und auf der anderen Seite eine vollkommen verstörte, diskussionsunwillige und handlungsunfähige Politik, allen voran Dr. Hahn, der ja jetzt gerade ins Exil für unfähige Politiker abgeschoben wird.

Während ich dieses Posting schreibe, werden gerade zahlreiche Hörsäle in ganz Österreich besetzt und die Technische sowie die Versorgungsinfrastruktur dorthin ausgeweitet.
Es wäre also nicht schlecht, demnächst mal Diskussionsbereitschaft zu zeigen – und nicht mit einem gewählten Vertreter (sowas gibt es bei uns nicht), sondern im Plenum. Sachlich, fundiert.
Denn das Monster wächst und ist schon jetzt nicht mehr zu stoppen. Willkommen in der Politik 2.0!





Bub sei g’scheit und studier… nicht

11 10 2009

Langsam wirds ja dann schon fad über die Probleme des Durchschnittsstudenten 2.0 zu lesen, oder? Keine Angst, ich hab eh auch andere Themen, die nur darauf warten, gebloggt zu werden. Aber die meisten werden wohl in der Lade verstauben. Wieso?
Die Uni hat begonnen, ich hab wie immer tolle Lehrveranstaltungen und bin top motiviert, mich über Literatur, Webseiten, Forschungen, Kameras und andere Utensilien zu schmeißen. Also wenig Zeit für Blogbeiträge, die sowieso keiner liest.

Leider bin ich wohl die letzte Generation, die noch etwas Spaß und Motivation am Studium haben kann.

Als absoluter Allrounder, dessen Interessen, sollte ich sie kurz erläutern müssen, sich rund um Journalismus, neue Medien, Forschung, Psychologie, Musik, Foto und Film drehen habe ich mein Studium, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, aufgrund meiner hohen Affinität zu diesem Fach, der Diversität der Ausbildung und der relativen Wahlfreiheit von Lehrveranstaltungen gewählt.
Seit ich nun studiere wird stetig am System herumgepfuscht (Danke, Herr Hahn) und plötzlich geht es nicht mehr darum, nach seinen Forschungsinteressen zu studieren, sondern irgendwie, möglichst schnell, durchzukommen.

Oft werden die Studenten kritisiert, weil der Trend zum Stressstudium in Rekordzeit geht. Doch es ist das Wissen, dass einem der dunkle Schatten der Verbürokratisierung nacheilt, dass einem heutzutage antreibt.

Eine kleine Timeline (on the fly, direkt aus meinem Kopf) über die wichtigsten Ereignisse der jüngsten Vergangenheit:

2004: Das Bologna-System ereilt die Publizistik. Der Bachelor/Master wird eingeführt. Das Studium dauert nun ein Jahr länger, dafür wird das alte, 4- Jahre Diplomstudium, in die 3 Jahre Bachelor gequetscht, damits keine halbe Ausbildung wird. Ein bekanntes Problem in der Umstellungsphase.

2006: eine neue Version des Bachelor wird eingeführt. Grundlagen dominieren nun den Bachelor.

2007: Die Aufnahmeprüfung wird eingeführt. Ich beginne mein Studium. Durch das neue System melden sich wie durch Geisterhand etwa 300 Studenten wieder ab und keiner muss abbrechen, wenn er überall positiv war.

2008: Die Aufnahmeprüfung wird abgeschafft, dafür kommt das Modulsystem. Man muss im ersten Semester alle vorgeschriebenen Prüfungen positiv haben, damit man im zweiten Lehrveranstaltungen besuchen darf, dann im zweiten alle vorgeschriebenen Prüfungen positiv haben, bevor man überhaupt andere Fächer besuchen darf. Wenn man also im ersten Semester eine Prüfung verhaut, verliert man ein ganzes Jahr.

2009: verpflichtende Studieneingangsphasen, Studiengebühren werden teilweise abgeschafft, die Wahlfächer werden stark eingeschränkt (Erweiterungscurricula statt WAHLfächer), vereinheitlichte Anmeldung mit Punktesystem, Einschränkung der zulässigen Studierendenzahlen in Lehrveranstaltungen (zB. 250 statt 1000, 220 statt 550), Pflichtlehrveranstaltungen für die es 0 (null) ECTS gibt, neue Uni-Gesetznovelle, Verbot Prüfungsbögen zu kopieren, NC-Möglichkeit für Bachelor, Zugangsbeschränkung für Master und Doktoratstudien, Schwächung des Mitspracherechts der Studentenvertretung

Man sieht also – der Trend geht zur Gleichschaltung und zur Einflussnahme von Lobbys und Politik ins Universitätssystem. Vorbei sind ab sofort die Zeiten, an denen man sich Studienpläne frei und nach Forschungsinteresse zusammenstellen konnte. Es geht nicht mehr um Forschung und Bildung – nur noch um schnelle systematische Ausbildung in acht Geschmacksrichtungen.

Die Ausrede der Politik? Man werde von ausländischen, zumeist Deutschen Studenten überschwemmt und muss dem entgegenwirken.
Kommt man auf die Idee, eine vorausschauende Bildungspolitik zu betreiben, vielleicht ein bilaterales Abkommen mit Deutschland zu erarbeiten? Die Chance zu nutzen und Österreich als Bildungs- und Forschungsland zu etablieren? Jedem die Möglichkeit bieten, sich fortzubilden? Geld in das wichtigste Gut der heutigen Gesellschaft, die Bildung, zu investieren?

Nein. Man erschwert das System lieber für alle Studenten, indem man die Zugänge restriktiert und das System so kompliziert macht, dass man schon fast ein eigenes Studium braucht, um den Mikrokosmos Uni zu verstehen.

Ich bin froh, einer der letzten zu sein, die noch halbwegs ihren eigenen Interessen folgen konnten.
These times are over





Eins zwei oder drei

29 09 2009

Die erste Anmeldephase ist vorbei und ich habe es in drei von vier Lehrveranstaltungen hineingeschafft, meine Wahlfächer sind noch idle.
Bis zur letzten Sekunde hab ich taktiert, Punkte abgezogen, woanders investiert und gehofft – und so wie es aussieht bin ich nochmal mit einem blauen Auge davongekommen und mein Abschluss in Mindeststudiendauer ist (bis zur Anmeldung zu neuen Kursen im nächsten Semester) derzeit nicht gefährdet.

Anders geht es einigen Kolleginnen und Kollegen. Ein paar haben alle 1000 Punkte auf eine Veranstaltung gesetzt und sind nicht reingekommen, andere werden nicht aufgenommen, da es sich bei den LVs um Übungen für Doktoranden handelt, dies aber nirgends angekündigt wurde.
Ein besonderes Zuckerl ist auch, dass das Anmeldesystem (natürlich unangekündigt) im Hintergrund den Stundenplan der gewünschten Lehrveranstaltungen gescannt hat und wenn sich z.B. eine Übung mit einer Vorlesung überschneidet (wenn auch nur ein einziges Mal bei Blockveranstaltungen) oder wenn eine LV zu Ende ist und die nächste zur selben Zeit anfängt (auch wenn sie im selben Lehrsaal stattfindet), man, egal wieviele Punkte gesetzt, automatisch aus der Übung (nicht aus der Vorlesung, die ja keine Veranstaltung mit Anwesenheitspflicht ist) rausfliegt.
Toll, oder?
Was sich die Uni immer alles einfallen lässt.

Achja. Zu meinen vorigen Postings: Weder die Wahlfachverantwortliche noch die Studienvertretung haben bis dato etwas von sich hören lassen, dafür wurde aber zumindest deren Website endlich upgedated – um den Termin fürs Publizistikfest anzukündigen.
Danke.





I did it

26 09 2009

Heute hab ich es gewagt, ich bin nun für 8 Lehrveranstaltungen (inkl. Wahlfächer) angemeldet, die restlichen zwei kann ich aufgrund von Überschneidungen leider nicht absolvieren. Aber irgendwie auch gut so, 2 Vorlesungen mehr und ich wäre bei der Anmeldung verhungert, verdurstet und bewusstlos vom Sessel gekracht.

Wieso?

Das lässt sich „kurz“ gefasst in einem kleinen Video veranschaulichen, dass ich bei einem Anmeldevorgang aufgenommen habe

Montag früh erfahren wir dann die Ergebnisse unseres Instituts vom Russischen Anmelde-Roulette, aber da zB. bei einer Wahlfach-LV, die ich besuchen möchte schon 4 Tage vor Anmeldeschluss 700 Leute auf 240 Plätze angemeldet sind, wird der Albtraum wohl so schnell kein Ende nehmen.