Halbzeit

1 03 2010

Ich gebe derzeit wie immer kurz zu Semesteranfang Neulingen und vom ständig sich ändernden Studienplan komplett verwirrten KollegInnen Hilfestellungen zum Studium und es ist wirklich bedenklich, wie rasant sich die Bedingungen zum Negativen geändert haben. Studieren war immer eine art Befriedigung eines intrinsischen Bedürfnisses für mich. Mir gehts nicht darum, später mehr Geld zu verdienen oder mich möglichst rasch durchs Studium zu schummeln, sondern um Bildung und ausloten meiner Interessen und Fähigkeiten. Wenn ich meine Pension planen wollte, hätte ich auch Beamter bei der Landesregierung bleiben können.
Ich muss aber sagen – unter den derzeitigen Bedingungen würde ich es mir zweimal, dreimal, viermal überlegen, mich da durchzuwurschteln – denn nichts anderes ist es.

Mittlerweile gibt es für jede einzelne Vorlesung/Übung/Arbeitstechnik eine Voraussetzungskette. „Freie“ Wahlfächer sind so pervers gestaltet, dass praktisch jedes Fach vorgeschrieben wird. Die Uni versucht mit starren Stundenplänen FH zu spielen und scheitert. In einer FH fangen vielleicht 30 Personen mit demselben Studienplan an, am PuKW-Institut 1500, die sich auf 7 Pläne aufteilen. Wer braucht jährlich 220 Leute, die alle exakt dasselbe können? Man darf „alle Wahlfächer belegen, die keinen Spaß machen“, erzählt der Studienprogrammleiter höchstpersönlich bei der Einführungsveranstaltung. Ich wusste nie, was er damit meint, denn mir macht das Studieren Spaß – aber nun ist es wohl traurige Wirklichkeit – man muss nun Fächer studieren, die keinen Spaß machen. Das ganze ist gepaart mit einem Anmeldesystem, dass nicht mehr wie früher nach Geschwindigkeit funktioniert, sondern nach dem Präferenzsystem, d.h. wer mehr als 2 Übungen pro Semester machen will und dafür Punkte vergeben muss, kommt wahrscheinlich in gar keine rein, d.h. Verlangsamung des Studiums. Bei der Prüfung zu Semesterende müssen dann wieder Punkte vergeben werden. Das sind alles Auswirkungen der abgeschafften Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen – und mit etwas „Glück“ haben wir nächstes Semester diese Zustände UND Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

Heute anzufangen hieße für mich, nicht nach meinen Interessen studieren zu können (einer meiner Schwerpunkte, Theater-, Film- und Medienwissenschaft wird zB. gar nicht mehr angeboten) und aufgrund des Anmeldesystems wahrscheinlich das Stipendium zu verlieren.
Ok, aber jeder, der #unibrennt verfolgt hat bzw. selber studiert ist sich darüber im klaren und fragt sich wohl ebenso wie ich, wieso die österreichischen MinisterInnen immer gegen das eigene Ressort arbeiten müssen.

Achja… habt ihr übrigens gewusst, dass man den PuKW-Master mit dem Titel „Magister“ abschließt? Der soll angeblich „aussagekräftiger“ und „besser“ sein. Fakt ist aber, dass der MA international ist und der Mag. der alte, 4-Jährige Abschluss ist. Also ein Jahr länger studieren für den alten Titel. Äußerst motivierend.

Zurück zum Thema. Ich liege außerordentlich gut in der Zeit und werde, sofern ich zu Semesterende keine Prüfung versemmle, im nächsten Wintersemester den Master beginnen. Ich hätte mit diesem Post eigentlich Vorlesungstipps für Studierende geplant gehabt, aber durch die abgeschafften Wahlfächer haben wohl mehrheitlich nur noch Studierende mit dem jeweiligen Hauptstudium etwas davon… bzw. gar niemand – viele sehr kompetente Professoren wurden nämlich von anderen Universitäten abgeworben.
So zum Beispiel Prof. Latzer (jetzt in Zürich), der mir die Medienökonomie näher brachte. Prof. Wirth (jetzt in Essen), ein toller und engagierter Bildungspsychologe. Prof. Zurstiege (jetzt in Tübingen) aus der Medienwirkungsforschung. Prof. Trappel (jetzt Salzburg), unterrichtete äußerst kurzweilig Medienpolitik. Prof. Hartmann (jetzt in Weimar), ein Katalysator für (Quer)denker in der Medienphilosophie.

Von den bis dato an der Uni verbliebenen Lehrenden will ich noch besonders hervorheben:
Prof. Olbrich-Baumann, der wohl so interessant und unterhaltsam wie kein anderer die Sozialpsychologie vermittelt. Wenn eine VO um 8:00 Uhr beginnt und ich habe in 2 Semestern 0 Fehlstunden, sagt dies einiges über die Qualität aus.
Medienpsychologie bei Prof. Vitouch ist sogar eine Pflichtveranstaltung der Publizistik und nur zu empfehlen.
Die „Freitagsrunde“ bei Peter Baminger, wo man alles lernt, was man zum Filmemachen braucht sowie Interessante Gastvortragende (zB. Ruzowitzky, Feuerstein), Diskussionen und Exkursionen erleben kann.
Prof. Krzeszowiak, ein Allroundtalent. Lehrt an mehreren Schulen International gleichzeitig, hat u.a. die Quecksilberdampf-Hochdrucklampe erfunden, riesige Wälzer über Lichttechnik und Mozart geschrieben und peppt die LV gerne mal mit (internationalen) Exkursionen auf.
Dr. Betz hat die für mich bis dato inspirierendste Medienphilosophie-LV gehalten, derer zahlreiche und stundenlange Diskussionen mit Kollegen folgte.
Diese ganzen Vorlesungen hatten keine Anwesenheitspflicht und ich besuchte sie fast ohne Fehlstunden und stets hochmotiviert.

Demotivierend waren bis dato nur die meisten Pflichtveranstaltungen. Tutorien mit sinnlosen Inhalten oder Übungen und Arbeitstechniken, die nichts mit der ursprünglichen Beschreibung zu tun hatten. Zum Beispiel wurde mir vergangenes Semester mein 1er-Notenschnitt von einer Multimediajournalismus-Übung zunichte gemacht. Die Inhalte waren Schlagzeilenanalyse von Tageszeitungen, Exkursion zu einer Tageszeitung, Redaktionssitzung für ein Magazin, Exzerpieren eines Texts über die Reportage und eines Texts über Onlinejournalismus von 2002, das Erfinden von Geschichten zu Pressefotos und der Alltag in der Tageszeitungsgestaltung und -distribution. Wie man also eindeutig sehen kann haben die Herrschaften das „Multimedia-“ geistig mit „Print-“ ersetzt und deswegen eine klare Themenverfehlung unterrichtet. Aber nicht ganz. Ein superhypermoderneR „Blogg“ wurde „programmiert“ und die Studierenden durften Content dafür entwickeln. Vor lauter Freude, doch multimedial arbeiten zu dürfen, drehte ich mit 2 Kollegen innerhalb einer Woche eine #unibrennt-Doku mit etwa 50h Arbeitsaufwand. Hat sich nicht ausgezahlt. Da mein Exzerpt „keine Wissenschaftliche Arbeit“ war, die Geschichte zu meinem Foto „nicht gut genug erfunden“ und ich „insgesamt 4h gefehlt habe“ ist sich eben nur ein 3er ausgegangen. Wenigstens können wir das Blog „bei einer Bewerbung als Referenz vorzeigen“ und vielleicht bei KollegInnen lernen, wie mans besser macht.

Multimedia ist heute schon soviel mehr, als ein Blog mit Standardtemplate aufzusetzen und dann, wie in einem Magazin, Ressorts zu Gestalten, wo je ein Artikel drinnen ist, nur um es dann zu Semesterende verwaisen zu lassen. Es gibt multimediale Inhalte, Tagging, Integration von Social Networks und Verbreitung über selbige, Statistiken lesen und auswerten, verlinken, vernetzen, promoten, einen Namen machen, etablieren… aber ok, den Herrn Multimediajournalismus sagte ja nichtmal „Creative Commons“ etwas…
Aber auch auf das Studium, auf die Studierenden bezogen, ist das ganze „Internet-Zeug“ für viele interessanterweise gar nicht so selbstverständlich. Ich wundere mich immer wieder über die KollegInnen, die trotz Kommunikationswissenschaftsstudium null Interesse an Forschung und Neuen Medien zeigen. Leute, allein mit den Praxisfeldern Print, Werbung und Historische Kommunikationsforschung werdet ihr in der heutigen Arbeitswelt nicht Fuß fassen können. Da sich die gesamte Gesellschaft und Kultur global so massiv wie nie zuvor verändert, muss man als junger Mensch die Medien einfach nutzen können. In 5 Jahren interessiert kein Schwein mehr eine Werbung im Fernsehen oder in einer Zeitung, weil man das dann ganz bequem online konsumieren kann und es wahrscheinlich gar keine Tageszeitung mehr gibt. Kein Medium wird Journalisten aufnehmen, die nicht via Twitter zuverlässig recherchieren können. Keine Firma schreit nach PR-Leuten, die mit Sozialen Netzwerken Farmville und mit Viralem Marketing pharmazeutische Mittel verbinden. Kein modernes Unternehmen stellt mehr Leute ein, die über Google unauffindbar sind.
Wir hatten eine Übung, die sich laut Beschreibung klar und deutlich mit Twitter-Forschung beschäftigte. Wir vier Kollegen (über Social Networks kennengelernt) verabredeten uns über Twitter, sie gemeinsam zu besuchen. In der ersten Stunde sollten wir uns je nach Erfahrung mit Twitter im Raum aufteilen. Wir vier waren die einzigen, die den Dienst regelmäßig verwendeten. Auch jetzt, nach Ende der Übung hat sich diese Zahl nicht wirklich verändert.
Wenn man als Kommunikationswissenschaftler mit aller Gewalt den derzeit schnellsten und wichtigsten Nachrichtendienst nicht nutzen will, soll man dies eben tun. Gut für mich… bzw. für uns.
Weiters hat sich im Laufe des Semesters eine sehr effiziente und gemütliche Lernrunde 2.0 gebildet, die ich sehr schätze. Wir arbeiten kollaborativ mit Google Docs, Google Wave, Twitter, Skype und Dropbox. Funktioniert wunderbar, wenn alle mit der Technik und den Möglichkeiten vertraut sind! So sind schon sehr schöne Stoff- und Mitschriftensammlungen entstanden, die auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben.
Die Nutzung solcher Dienste, die gemeinsames Forschen und Connecten erlauben, werden bei uns auch nicht wirklich unterrichtet. Es werden zwar vermehrt Social Media Erfahrene aufgenommen (anscheinend derzeit mit Grundvoraussetzung Blog- und Twitter-Verwendung), aber die lehren auch immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Der Ausblick
Wie im Titel zu erkennen, 5 Semester vorbei. Ich habe Halbzeit. Theoretisch. Sobald ich den Bachelor fertig habe, werd ich mir mal ein Bildungssemester gönnen, in dem ich nach meinen Interessen forschen kann und nicht nach denen des Studienplans. Ich habe sehr gute Ideen zur Twitter-, Facebook-, Internetforschung und Bildungspsychologie, denen ich zumindest in meiner BAKK1-Arbeit nicht nachgehen konnte, weil sie nicht in das Forschungsfeld (welches nirgends angegeben war) der LV-Leiterin passten – so blieb nur mal wieder die Zeitungswissenschaft und ich habe erforscht, wie die Tageszeitungen über #unibrennt berichtet haben. Endlich durfte ich auch, wie wohl so ziemlich jeder PuKW-Student vor mir, empirisch herausfinden, dass der Boulevard tendenziös und subjektiv berichtet. Hurra.
Die Ergebnisse dieser, sowie einer Facebook und einer Twitter-Forschung werde ich bei Gelegenheit mal bloggen.

Eines werden die zukünftigen Semester auf jeden Fall: teuer. Ich war ja zuerst arbeiten, damit ich nachher vollzeit studieren kann, aber derzeit tendiere ich wieder Richtung Job. Das Gesetz, die Öffis, die Kultureinrichtungen unterscheiden nämlich nicht zwischen Alter und Semester, sondern diskriminieren einfach Studenten, die aus diversen Gründen einfach später ihre Berufung gefunden haben. So zahle ich ab sofort 50€ pro Monat statt pro Semester für die Öffis, 25€ statt 0€ Krankenkassa, durchschnittlich 5€ mehr bei Kunst und Kultur, den „Erwachsenen“-Handytarif – und die Familienbeihilfe ist auch weg (bekomme ich aber durchs Stipendium weiter). So werden aus 100€ pro Monat für Essen und Fortgehen so circa 0€. Meine Eltern sponsern zwar meine Schwester mit unglaublich hohen Beträgen, aber meine Autonomie  widerstrebt sich gegen den Gedanken, sich erhalten zu lassen. Absoluter Notfallplan also. So wies aussieht werfen meine Nebenbei-Gschaftln aber demnächst die fehlenden 100€ ab – also wirds wohl halb so schlimm werden – und für den Notfall, sich die Öffis mal nicht leisten zu können, setze ich gerade einen Schwarzfahrer-Bot auf.

Welchen Master ich nach dem Bachelor mache, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen. Ein Blogpost von Petra Köstinger hat mich dazu inspiriert, auch andere Unis oder FHs Erwägung zu ziehen. Vielleicht auch parallel. Ich nehme gerne Tipps an! Wobei ich mit meinem ausgeprägten Nacht-Chronotyp und Hang zur freien Stundenplangestaltung wohl der ungeeignetste Mensch ever für ein FH-Studium bin… 😉
Mir gefällt trotz allem die Hauptuni in Wien. Ich werde ihr wohl treu bleiben.





Die gestreamte Revolution und die Demo

30 10 2009

Also das hat mich schon gewundert. Gestern auf der Demo wurde ich doch glatt aufgefordert, mir eine Einwilligung der Personen zu holen, die ich filme bzw. darauf aufmerksam gemacht, dass „die Leute nicht gefilmt werden wollen“. Ok, es war ein Einzelfall, aber er amüsierte mich. Eine angekündigte, öffentliche Großdemo mit 50.000 Teilnehmern im öffentlichen Raum für eine von der Bevölkerung großteils als positiv bewerteten Sache und ich darf nicht fotografieren und filmen. Also manche Ansichten sind wirklich sehr radikal oder vielleicht hat der liebe Kollege auch an zu vielen „nicht so friedlichen Demos“ teilgenommen…

nostream

Diese Texte hängen unter anderen auch im Audimax. Natürlich akzeptiere und respektiere ich die Meinungspluralität bei dieser Bewegung (obwohl sie von einigen Kollegen nicht akzeptiert wird, wenn mal ein Gegner der Besetzungen spricht), aber die Aussage des Plakates ist schlichtweg falsch. Natürlich bin ich ein massiver Gegner von Überwachung, aber bei #unibrennt geht es um eine öffentliche und offene Bewegung, an der jeder (der sich vielleicht so nicht ins Audimax trauen würde) partizipieren soll und kann. Im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es positive Rückmeldungen über diese offene Form des Diskurses über eine neue Bildungspolitik. Alles, was derzeit abläuft, haben wir nicht etwa einem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk zu verdanken, der gezielt immer dann anrückt, wenn das Audimax ziemlich leer ist und danach auf der Straße Leute zu Wort kommen lässt, die für Gebühren sind, damit „nicht alles studieren kann“ – sondern unseren eigenen Kanälen. Via Facebook, Skype, Studivz, Livestreams (3000 Zuseher!), Twitter, etc… haben wir uns vernetzt und koordiniert und schlussendlich eine der größten Demos Österreichs zustande gebracht – und nein, es waren niemals nur 10.000 Leute. Wers nicht glaubt, kann gerne nachzählen!

Was für eine Veranstaltung! Für die Menge hätten wir 40 Audimaxe‘ gebraucht, um alle Teilnehmer unterzubringen. Soviel Energie lag in der Luft, ein wahrer Höhepunkt dieser Bewegung. Am Schluss musste sogar der Ring bis 2:00 Uhr gesperrt bleiben, während Ja Panik! und Luise Pop auf der Spitze der Unirampe die Menge bespielte.
Das alles haben WIR geschafft. Mithilfe nationaler und internationaler Vernetzung mittels neuer Medien.
Sonst hätten nie Medien, Schüler, Studenten, Migranten, Arbeiter, Angestellte, Junge, Alte, Behinderte und Professoren zu uns gefunden, unsere Meinung gehört und sich mit uns solidarisiert.
Was für eine schöne Zeit, in der den Mainstreammedien nicht mehr blind vertraut wird, die uns als partymachende Säufer ohne Plan und Ziel hingestellt haben. Denn wer mal einen Tag den Stream verfolgt hat, wird sehen, wie subjektiv die sogenannten unabhängigen Medien über die Besetzungen der Hörsäle berichtet haben.

Demo

Der vorläufige Höhepunkt des Protestes ist nun erreicht. Nun muss man darauf achten, dass die Netzwerke nicht müde werden und sich von der ständig abwartenden und gesprächsverweigernden Politik nicht demotivieren lassen. Zu viele Meinungen und Richtungen haben sich aufgetan, erste Diskrepanzen kristallisieren sich heraus und die Netzwerke werden durch neue nationale und internationale Besetzungen und Informationsüberschuss stark belastet – ich hoffe, allen wird das höhere Ziel der Bewegung bewusst, helfen mit und lassen sich nicht unterkriegen!
Auch nicht durch Bombendrohungen!





Ein unlöschbarer Flächenbrand. Die #unibrennt!

27 10 2009

Jetzt ist es passiert. Die Studenten der Österreichischen Universitäten hatten endlich genug von den Einschränkungen, schwachsinnigen Anmeldesystemen, Voraussetzungsketten, stetig wachsendem Einfluss der Politik und vielen weiteren Punkten. Die Generation Praktikum, die mutmaßlich lieber schnell ausgebildet, als umfassend gebildet werden will, die angeblich keine Interesse an Politik mehr hat, hat sich vereinigt und, ausgehend von der Besetzung der Akademie der Bildenden Künste, den größten Lehrsaal der Universität, das Audimax besetzt.

Ich erfuhr von der Besetzung zeitgleich via Telefon und Twitter und machte mich so schnell wie möglich auf den Weg – und streamte mein erstes Eintreffen sogar Live, schickte auch gleich, wie viele andere, ein paar Fotos und Videos hinterher (das wars ab jetzt mit Eigenlinks, versprochen ;)).
Die Onlinemedien sprangen auf und schon bald war das Audimax voller als bei einer Einführungsvorlesung der Publizistik.

Audimaxbesetzung

Am ersten Tag wurden zahlreiche Reden geschwungen und Parolen gebrüllt, am Abend ausgiebig und zivilisiert gefeiert. Die Uni gehörte uns!
Wie immer bei öffentlichen Räumen, die 24h lang zugänglich sind, kam es zu Vorfällen wie mit Permanent Marker getaggte Wände und einem kleinen zerbrochenem Glaselement einer Türe.
Die Schäden wurden am nächsten Tag von der Uni mit 100.000€ beziffert. Den Sachverständiger muss ich mir im Falle des Falles mal ausborgen.

Dementsprechend fiel auch die erste Berichterstattung der konservativen Blätter aus. Ein unorganisierter Haufen macht 24h Party lautete der Tenor (und hält sich teilweise auch bis dato).

Am Ende des ersten Tages hatten mein Content an die 10.000 Views, ich war in großen Onlinemedien verlinkt, Anfragen für Fotos lagen im Email-Postfach und RTL wollte mich (für 50€ :p) als Kameramann engagieren.

Schon am Tag zwei erwuchsen deutlich sichtbare basisdemokratische Strukturen. Die Arbeitsgruppen, die sich schon am Vortag gebildet hatten, nahmen ihre Arbeit auf und präsentierten die Ergebnisse im Plenum. Eine Infrastruktur von Presse bishin zu einer Küche war im Aufbau und am Tage wurde schon mal eifrig demonstriert.

Audimaxtag5

Wer heute, am Tag 6, das Audimax betritt, findet sich in einer eigenen Welt wieder. Es steckt Energie in diesem großen Raum. Es gibt mittlerweile 75 Arbeitsgruppen, die diverseste Dinge in der Gruppe diskutieren, herstellen und präsentieren. Von 7:00 Uhr früh bis 1:00 Uhr morgens gibt es an mehreren Standorten Plenen, Vorträge, Filme und Diskussionen mit internationalen ExpertInnen. Alle sind gleich und jeder darf seine Anliegen vorbringen und mitdiskutieren. Beschlüsse werden ebenso gefasst. Eine kleine Stadt ist entstanden. Jeder ist integriert, kann mithelfen, wird und fühlt sich gebraucht.
Ein Livestream aus dem Audimax (und jetzt auch aus bis dato 4 weiteren Universitäten) versorgt ca. 3000 Personen mit Informationen, die gerade nicht vorort sein können bzw. aufgrund der chronischen Überfüllung einfach nicht mehr in den Raum kommen. Daneben wird simultan in Gebärdensprache übersetzt. Im Hintergrund läuft eine Twitterwall, die es jedem erlaubt zu partizipieren. Eine Website vernetzt alle deutschsprachigen Unis, es gibt ein Wiki, einen Youtube-Kanal und eine Datenbank mit Material. Kurz: in einer knappen Woche wurde signifikant mehr gemacht und aufgebaut, als es die Uni in den letzten Jahren geschafft hatte.
Nun sind wir effizient und vernetzt. Andere Universitäten, Schulen, Parteien, Firmen, Arbeiter, Konzerne, Gruppen, … solidarisieren sich, die Medien, v.a. die für die Mainstreammeinung wichtigen Boulevardmedien, berichten nun neutral bis überaus positiv.
Lt. Robert Misik hängen auch sämtliche Journalisten vor den Livestreams, weil sie einfach nicht glauben können, wie effizient, gemeinsam, fair und organisiert die Bewegung arbeitet.
Hier eine gute Linksammlung zu diesem Thema.
Natürlich gibt es nach wie vor Gruppen, denen die Besetzung gar nicht passt, denen es IMHO aber einfach nur an vorurteilsfreier Selbstreflexion fehlt. Hier ein guter Blogpost dazu.

Wer von der Aufbruchstimmung angesteckt werden will, soll einfach in seine nächstgelegene Uni schauen und sich an einem Plenum oder einem Vortrag beteiligen bzw. sich die On-Demand Streams (zB. diesen oder jenen (ab Minute 5)) ansehen, denn sonst versäumt er/sie das bildungspolitisch wohl wichtigste Ereignis des (mindestens) Jahrzehnts.
StudentInnen, die konstruktiv, natürlich nicht immer ganz Problemlos, an einer Lösung der Bildungsmisere arbeiten und um Anhörung ihrer Probleme bzw. einen konstruktiven Diskurs betteln und auf der anderen Seite eine vollkommen verstörte, diskussionsunwillige und handlungsunfähige Politik, allen voran Dr. Hahn, der ja jetzt gerade ins Exil für unfähige Politiker abgeschoben wird.

Während ich dieses Posting schreibe, werden gerade zahlreiche Hörsäle in ganz Österreich besetzt und die Technische sowie die Versorgungsinfrastruktur dorthin ausgeweitet.
Es wäre also nicht schlecht, demnächst mal Diskussionsbereitschaft zu zeigen – und nicht mit einem gewählten Vertreter (sowas gibt es bei uns nicht), sondern im Plenum. Sachlich, fundiert.
Denn das Monster wächst und ist schon jetzt nicht mehr zu stoppen. Willkommen in der Politik 2.0!





Eins zwei oder drei

29 09 2009

Die erste Anmeldephase ist vorbei und ich habe es in drei von vier Lehrveranstaltungen hineingeschafft, meine Wahlfächer sind noch idle.
Bis zur letzten Sekunde hab ich taktiert, Punkte abgezogen, woanders investiert und gehofft – und so wie es aussieht bin ich nochmal mit einem blauen Auge davongekommen und mein Abschluss in Mindeststudiendauer ist (bis zur Anmeldung zu neuen Kursen im nächsten Semester) derzeit nicht gefährdet.

Anders geht es einigen Kolleginnen und Kollegen. Ein paar haben alle 1000 Punkte auf eine Veranstaltung gesetzt und sind nicht reingekommen, andere werden nicht aufgenommen, da es sich bei den LVs um Übungen für Doktoranden handelt, dies aber nirgends angekündigt wurde.
Ein besonderes Zuckerl ist auch, dass das Anmeldesystem (natürlich unangekündigt) im Hintergrund den Stundenplan der gewünschten Lehrveranstaltungen gescannt hat und wenn sich z.B. eine Übung mit einer Vorlesung überschneidet (wenn auch nur ein einziges Mal bei Blockveranstaltungen) oder wenn eine LV zu Ende ist und die nächste zur selben Zeit anfängt (auch wenn sie im selben Lehrsaal stattfindet), man, egal wieviele Punkte gesetzt, automatisch aus der Übung (nicht aus der Vorlesung, die ja keine Veranstaltung mit Anwesenheitspflicht ist) rausfliegt.
Toll, oder?
Was sich die Uni immer alles einfallen lässt.

Achja. Zu meinen vorigen Postings: Weder die Wahlfachverantwortliche noch die Studienvertretung haben bis dato etwas von sich hören lassen, dafür wurde aber zumindest deren Website endlich upgedated – um den Termin fürs Publizistikfest anzukündigen.
Danke.





I did it

26 09 2009

Heute hab ich es gewagt, ich bin nun für 8 Lehrveranstaltungen (inkl. Wahlfächer) angemeldet, die restlichen zwei kann ich aufgrund von Überschneidungen leider nicht absolvieren. Aber irgendwie auch gut so, 2 Vorlesungen mehr und ich wäre bei der Anmeldung verhungert, verdurstet und bewusstlos vom Sessel gekracht.

Wieso?

Das lässt sich „kurz“ gefasst in einem kleinen Video veranschaulichen, dass ich bei einem Anmeldevorgang aufgenommen habe

Montag früh erfahren wir dann die Ergebnisse unseres Instituts vom Russischen Anmelde-Roulette, aber da zB. bei einer Wahlfach-LV, die ich besuchen möchte schon 4 Tage vor Anmeldeschluss 700 Leute auf 240 Plätze angemeldet sind, wird der Albtraum wohl so schnell kein Ende nehmen.





Der Tragödie zweiter Teil

23 09 2009

Bei uns gehts ja mittlerweile zu wie in der Politik. Irgendein Schwachsinn wird im Alleingang in einer Hauruck-Aktion über Nacht ohne Expertenkonsoldierung eingeführt und dann funktioniert nichts und die von den Änderungen Betroffenen laufen Sturm. Dann wird in einer weiteren Hauruck-Aktion irgendwas anderes gebastelt, was dann so ähnlich ist wie das alte, nur teurer und komplizierter…

Wir müssen ja freie Wahlfächer aus anderen Studienrichtungen absolvieren, die wir je nach Forschungsinteresse mehr oder weniger beliebig wählen dürfen. Diese wurden kommentarlos durch ein neues System, so genannten Erweiterungscurricula ersetzt. Leider sind die wählbaren Wahlfächer nun sehr stark begrenzt und die, die ich bis jetzt in meinem Faible für Medienwissenschaft und Psychologie gemacht habe, passen da so gar nicht hinein.
Die Änderung hat natürlich einen Sturm der Ratlosigkeit ausgelöst. Man konnte sich plötzlich im tollen neuen Anmeldesystem nur noch für Fächer in den Erweiterungscurricula anmelden und irgendwie traute man dem Institut zu, dass nun nur noch der neue Plan gilt bzw., noch schlimmer, fürs neue System unpassende Prüfungen einfach nicht mehr angerechnet werden.
Kollegen inskribierten im Eifer des Gefechts in andere Studienrichtungen, waren kurz davor das Studium zu schmeißen oder wurden von der einen Minute zur anderen zu starken Kaffetrinkern und Rauchern.

Freie Wahlfächer alt Freie Wahlfächer neu

Logisch gedacht ists natürlich ein Blödsinn, aber als angehender Kommunikationswissenschaftler (der seinem Institut mittlerweile schon alles zutraut) braucht man Gewissheit bzw. check und double-check.
Also mal doppelt gecheckt – und zwar die Seite der Uni und der Studienvertretung – und natürlich keinerlei Information gefunden. Lediglich eine Verordnung weist darauf hin, dass doch irgendwie beides gilt, aber nicht für jeden und schon gar nicht rückwirkend für diese und jene.

Die Zeit drängt, schließlich ist am Sonntag Deadline für die Anmeldungen. Also die Verantwortliche für die Wahlfächer angeschrieben. Man braucht ja gar nicht mehr zu raten… richtig, die ist bis Montag im Urlaub. Steht ja nix dringendes an, wenn man kurz vor Semesteranfang den Studienplan und das Anmeldesystem grundlegend ändert.

Also setzt man sich mit dem EDV-Koordinator in Verbindung, der nicht mehr zuständig ist, da das System geändert wurde. So kommt man dann endlich zum Support durch und erfährt, dass nicht der Studienplan daran schuld ist, dass man sich im System nicht anmelden kann, sondern ein EDV-Fehler vorliegt und jeder Student seine Wahlfächer manuell per Email übermitteln muss, damit er für diesejene freigeschalten wird und sich danach über das tolle neue Anmeldesystem anmelden kann.

Na gut, angemeldet bin ich nun für die Wahlfächer, aber darf ich die jetzt überhaupt machen? Also spazierte ich zur Studienberatung an die Hauptuni. Die wussten dort weniger als ich über das neue System bescheid und so endete die Geschichte, dass ich die Kollegen 20 Minuten lang auf den neuesten Stand brachte und hoffentlich davon überzeugte, nach über einem Monat doch mal so etwas wie eine FAQ oder zumindest ein kleines Update auf die Startseite der Studienvertretung zu posten und das heillose Durcheinander an Gerüchten und Halbwahrheiten in den Foren zu zerstreuen.

Ich weiß jetzt ungefähr, wie das mit dem Anmeldesystem und den Wahlfächern funktioniert. Aber weiß das auch jemand, der nächste Woche sein Studium beginnt bzw. wieder aufnimmt? Wird wohl noch eine spannende Woche…

Kollegin Kolisch hat übrigens auch dazu wieder gebloggt: klicken Sie hier für einen Qualitativ höherwertigen Artikel.





Studium 2.0

16 09 2009

Das neue Semester beginnt und wie immer wurde wieder alles verändert, neu gestaltet und noch mehr verbürokratisiert. Ein Einblick ins Studium an der Hauptuni Wien.

Da es ja nun keine Studiengebühren und Aufnahmetests mehr gibt, muss man die Studentenzahlen anderweitig reduzieren. Derzeit gelingt es hervorragend durch massive Demotivierung der Studenten bzw. extreme Verzögerungen der Studiumsdauer bis man sichs halt nicht mehr leisten kann bzw. auch das letzte Stipendium ausläuft.

Ich bin ja spätberufener Student, sollte also dementsprechend Gas geben und das Studium in Mindestdauer schaffen, was auch kein Problem wäre, würde man nicht mit allen Mitteln der Kunst gebremst und verzögert. Meine Hauptkritikpunkte:


Das Anmeldesystem:

Ich rätsle derzeit seit 4 Tagen (in denen ich eigentlich für die kommenden Prüfungen lernen wollte) über das neue System des Instituts. Bis voriges Semester wurden je an 3 Tagen schubweise die Anmeldungen freigeschalten und derjenige mit dem schnellsten Mausfinger und besten Nerven bei stundenlangen Serverausfällen bekam den Zuschlag. Nicht optimal, aber ich bin überall hineingekommen und konnte, falls doch mal etwas voll war, noch schnell woandershin ausweichen oder auf den nächsten Schub warten.
Nun haben wir eine Punktvergabe. Die Beschreibung von der Studienprogrammleitung lautete kurz gesagt: „Neues Anmeldesystem. Es gibt Punkte, die muss man nach Präferenz verteilen.“
Wieviele Punkte man zur Verfügung hat, welche Lehrveranstaltungen betroffen sind, ob man die Punkte auch für die Wahlfächer nehmen muss, was passiert, wenn mehrere dieselbe Punktezahl haben… kein Hauch einer Info.
Nach einem Tag herumtelefonieren war das dann in etwa klar – also ab zur Anmeldung für die Prüfungen aus dem letzten Sommersemester, die aber unauffindbar waren. Die Lösung: Prüfungen aus den letzten Semestern sind nun im Verzeichnis des kommenden Semesters.
Naja, dann mal für ein Wahlfach anmelden. Funktioniert nicht, da man dafür Studienplanpunkte angeben muss, also wofür die Vorlesung angerechnet werden soll. Leider sind diese nicht im System, man kann sich also nicht anmelden.
Fast vergessen… es gibt Studenten, die nur 1, 2 Lehrveranstaltungen an meiner Fakultät besuchen. Ich mach etwa 9. Wenn ich also jeder VO nur etwas über 100 Punkte geben kann, werd ich wohl gar nirgends reinkommen. Es ist also sinnloses Warten und Taktieren angesagt. Sehr sinnvoll vor allem, wenn man vom Stipendium abhängig ist und dank Altersdiskriminierung ohnehin für Öffis etc. jedes Semester fünfmal mehr als der „Normalstudent“ zahlen muss.

Das Modulsystem:
Aufnahmeprüfungen darf man keine mehr machen, also muss man die Studenten anders aussortieren. Wie wärs mit einem Modulsystem, bei dem man im ersten Semester 3 LVs besuchen und positiv absolvieren muss, damit man im zweiten Semester die nächsten 3 machen darf und positiv sein muss…? Erst DANN darf man andere Fächer belegen. Wenn eine Prüfung fehlt muss man halt ein Jahr warten. Klingt wie sadistische Utopie? Nein, so ists wirklich.

Die Lernplattform Fronter:
Als ich zu studieren begonnen habe, gabs Blackboard Vista und Moodle. Sie hatten zwar nicht viele Sympathien, waren aber dennoch brauchbar. Gute Foren zum Mitschriften tauschen, Streams und Materialien übersichtlich angeordnet.
Dann kam Fronter.
Schon beim Einstieg muss man mal eine Minute warten, bis man etliche Zertifikate bestätigt hat, danach muss man seine Nation wählen, wo es so ca. alles außer Österreich gibt. Oft wird im Zuge der Anmeldung der ganze Firefox ins Nirwana gerissen. Im Unterverzeichnis der LV angekommen gibt es (manchmal) ein einziges Forum für alle Angelegenheiten, in dem man keinerlei Anhänge uploaden kann.
Will man seine Mitschriften teilen, muss man sie in einen Container laden, in dem auch alle Vorlesungsunterlagen, Streams, Lektüren des LV-Leiters kreuz und quer drinnen sind. Will man sich etwas runterladen, muss man sich durch ein Windows 3.11 Interface kämpfen. Seit der Einführung wagt sich fast kein Student mehr in das System, das interne Forum ist praktisch tot und die Materialien werden in diversen Foren, in Facebook oder via Email getauscht.

So… Frust von der Seele geschrieben. Ich geh mich nun weiter mit dem Anmeldesystem ärgern.

Ps.: I am not alone